Szalai und Kramarić: Die Torgefahr ist zurück

Andrej Kramarić war zuletzt das Gesicht der Hoffenheimer Sturmflaute, Ádám Szalai wartet seit dreieinhalb Jahren auf seinen Durchbruch bei der TSG. Beide schossen sich am vergangenen Wochenende fulminant ins Rampenlicht.

Die Bilder am Samstag ließen erahnen, wie das Gefühlsleben des Hoffenheimer Sturm-Duos beim 4:2-Heimsieg gegen den 1. FSV Mainz 05 aussah. Zunächst riss sich Szalai nach seinem zweiten Treffer gegen seinen Ex-Klub das Trikot vom Leib und feierte sein Tor ausgelassen. Wenig später schnürte auch Kramarić einen Doppelpack, der Kroate setzte wie entfesselt zum Jubellauf an, ehe er unter seinen Teamkollegen begraben wurde. Die große Erleichterung der Offensivabteilung war durchaus nachvollziehbar, denn in den vergangenen Monaten schien die eigentlich für ihr spektakuläres Spiel bekannte TSG ihre Torgefahr verloren zu haben. Seit dem 4:0-Triumph gegen RB Leipzig am 2. Dezember gelangen dem Team von Julian Nagelsmann in acht Pflichtspielen lediglich noch acht Treffer – eine Quote, die der eines Abstiegskandidaten gleicht.

- Anzeige -

Die Flaute in vorderster Front hatte verschiedene Gründe. Mit Sandro Wagner verließ im Winter ein Führungsspieler und klassischer Wandstürmer die Kraichgauer und ging zum FC Bayern München. Auch der Abgang von Mark Uth zum FC Schalke 04 im Sommer wurde bestätigt, seitdem agiert der Top-Torjäger des Tabellenachten ungewohnt blass und musste gegen Mainz auf der Bank Platz nehmen. Umso schwerer fiel daher ins Gewicht, dass mit Kramarić der Hoffenheimer Top-Scorer der Vorsaison seiner Form monatelang hinterherlief. Gegen Hertha BSC (1:1) beendete er mit einem verwandelten Foulelfmeter eine torlose Phase von knapp einem halben Jahr. Gegen Mainz gelang dem Rekordtransfer der TSG (acht Millionen Euro) die endgültige Befreiung.

Nagelsmann freut sich, Szalai will mehr

Die Hoffnung auf neue Torgefahr in der Rückrunde lag nicht nur auf dem Kroaten, sondern auch auf Szalai, der seit seinem Wechsel im Sommer 2014 nach Sinsheim nie den Sprung zum unumstrittenen Stammspieler schaffte. Der Ungar verpasste weite Teile der Hinrunde wegen einer Adduktorenverletzung und kam nach seiner Rückkehr Ende November nur schwer auf die Beine. Auffällig wurde er vor der Winterpause nur durch seinen Frust-Platzverweis in der Europa League gegen Sporting Braga (1:3) in der Nachspielzeit. Doch Nagelsmann baute auf den wuchtigen Stoßstürmer, der dem nach München abgewanderten Wagner in seiner Spielweise am meisten ähnelt. Schon beim 1:4 gegen Bayer Leverkusen vor drei Wochen traf Szalai, sein Doppelpack gegen Mainz wirkte wie bei Kramarić als Brustlöser. „Tore sind für uns Offensivspieler eine sehr spezielle Sache – dafür spielen und leben wir“, erklärte der 30-Jährige.

Trainer Julian Nagelsmann fühlte nach dem Spiel mit seinen lange glücklosen Angreifern mit. „Welche Last Andrej mit seinem zweiten Treffer von den Schultern gefallen ist, haben, glaube ich, alle gesehen. Mich freut es für ihn und für Ádám, dass sie doppelt getroffen haben“, meinte er. Die Hoffnung, dass die TSG die offensive Magerkost damit überwunden hat, ist groß. Schon im Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 wollen Kramarić und Szalai ihr neues Selbstvertrauen wieder auf den Platz bringen. Ihr Hunger auf Treffer ist längst nicht gestillt. „Wenn man einen Lauf hat, klappt es scheinbar von alleine. Man denkt nicht nach, sondern handelt einfach. Diesen Lauf muss man sich aber hart erarbeiten. Tore führen zu weiteren Toren. Ich hoffe, dass es für Andrej und mich jetzt so weitergeht“, meinte Szalai.