Tschauner unter Druck – Esser lauert

Gegen den VfL Wolfsburg (0:1) patzte Hannovers Stammkeeper Philipp Tschauner wiederholt und heizte die Torhüter-Diskussion bei 96 an. Dessen Vertreter Michael Esser scharrt mit den Hufen, die dritte Torwartposition sorgt ebenfalls für Aufregung.

72 Minuten lang blieb Tschauner am vergangenen Sonntag nahezu beschäftigungslos, dann wurde er zur tragischen Figur des Spiels. Ein Flatterball von Yunus Malli rutschte dem Schlussmann durch die Hände und schlug zum 1:0-Siegtreffer für die „Wölfe“ im Tor ein. „Wenn ich den Ball halte, dann schaue ich gut aus. Wenn ich den Ball nicht halte, dann schaue ich doof aus. Es ist ärgerlich, dass es das Spiel entschieden hat“, meinte der 32-Jährige nach der bitteren Heimpleite. Mit seinem Patzer brachte Tschauner unfreiwillig wieder Schwung in den Kampf um die Nummer eins. Nach einer weitestgehend überzeugenden Hinrunde offenbarte der Routinier zuletzt Schwächen.

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Vor der Winterpause machte er gegen Berlin (1:3) und gegen Leverkusen (4:4) bei jeweils einem Gegentreffer eine unglückliche Figur, nun der entscheidende Fehler gegen Wolfsburg. Im Sommer hatte sich Tschauner gegen den für 2,6 Millionen Euro aus Darmstadt gekommenen Esser durchgesetzt. Der vertrat seinen kurzfristig erkrankten Konkurrenten vor zwei Wochen gegen den Mainz (3:2) ausgezeichnet, musste anschließend aber wieder auf die Bank. Nach Tschauners erneutem Wackler rückt er verstärkt in den Fokus. Bläst Trainer André Breitenreiter also zur Neuauflage des Zweikampfs zwischen den Pfosten? „Er wird am Sonntag spielen“, betonte der Fußballlehrer am Freitag mit Blick auf Tschauner.

Breitenreiter unzufrieden mit neuer Nummer drei

Noch erhält Tschauner also das Vertrauen des 96-Übungsleiters, uneingeschränkt ist das aber nicht mehr. Für den Aufstiegshelden der Vorsaison spricht die Führungsrolle, die er im Team einnimmt. In Abwesenheit des langzeitverletzten Kapitäns Edgar Prib trägt er die Binde und ist auch wegen seiner motivierenden Kabinen-Ansprachen mannschaftsintern hoch angesehen. Demgegenüber stehen allerdings nicht nur die jüngsten Wackler, sondern auch Schwächen mit dem Ball am Fuß. Symptomatisch sein missglückter Befreiungsschlag auf den Kopf des Gegenspielers im Test gegen Arminia Bielefeld (0:1) vor drei Wochen, der zum Gegentor führte. Esser gilt als der spielerisch stärkere Keeper und bewies seine fußballerischen Fähigkeiten bei seinen zwei Ligaeinsätzen auch mit präzisen Abschlägen.

Nicht nur wegen des Duells um die Nummer eins rumort es auf der Torhüterposition in Hannover. Nach der Ausleihe von Samuel Sahin-Radlinger zu Brann Bergen nahmen die „Roten“ Leo Weinkauf vom FC Bayern München als neue Nummer drei ins Visier. Der Wechsel zerschlug sich, stattdessen rückt U23-Keeper Marlon Sündermann ab sofort zu den Profis auf. Mit der internen Lösung ist Breitenreiter allerdings nicht gerade glücklich. „Da ist keiner, der die Position ausfüllen kann“, kommentierte er die Torwart-Situation im eigenen Unterbau. Vertrauen klingt anders.