Überraschende Wende: Kind lässt Ausnahmeantrag ruhen

Hannover 96 und Präsident Martin Kind haben den Antrag auf Erteilung einer Ausnahme von der 50+1-Regel überraschend bis auf Weiteres zurückgezogen. Damit übernimmt der Klub-Boss die Mehrheit der Stimmrechte vorerst nicht. Das bestätigte die DFL am Montagnachmittag.

Wie der Verband mitteilte, ging am Vormittag vonseiten des Klubs ein Schreiben ein, in dem der 96-Vorstand mitteilte, den Ausnahmeantrag ruhen zu lassen. Kind hatte den Antrag im Oktober gestellt, nachdem er vom Aufsichtsrat die Mehrheit dafür bekommen hatte, mehr als 50 Prozent der Anteile an der Hannover 96 Management GmbH erwerben zu dürfen. Durch den Rückzug bleiben die Mehrheitsverhältnisse bei Hannover 96 vorerst unverändert. „Vor diesem Hintergrund ist bis auf Weiteres keine Entscheidung des DFL-Präsidiums in dieser Angelegenheit erforderlich“, teilte die DFL mit.

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Zuletzt waren Zweifel daran geäußert worden, dass Kind die Bedingung für die Ausnahmeregelung erfüllt habe, den Verein über 20 Jahre hinweg „erheblich“ gefördert zu haben. Ende der vergangenen Woche wurde bereits berichtet, dass die DFL den Antrag abgelehnt habe, was der Verband allerdings dementierte. Einer möglichen Ablehnung kam Kind durch seinen Rückzug nun offenbar zuvor. Unabhängig von der Causa Kind will die DFL in naher Zukunft über eine Anpassung der 50+1-Regel debattieren, um auf die Entwicklungen im Profifußball zu reagieren.

DFL will 50+1-Regel neu formulieren – 96 begrüßt Debatte

„Unabhängig davon erkennt das DFL-Präsidium – auch angesichts der zahlreichen internen und öffentlichen Diskussionsbeiträge von Klub-Vertretern in den vergangenen Tagen und Wochen – einstimmig die Notwendigkeit einer ergebnisoffenen Grundsatzdebatte innerhalb des DFL e.V. und seiner Gremien. Aus Sicht des DFL-Präsidiums erscheint es zweckmäßig, in den kommenden Monaten die Formulierung und Umsetzung der 50+1-Regel zu überprüfen und dabei zu erörtern, wie wichtige Prinzipien der gelebten Fußball-Kultur in Deutschland zukunftssicher verankert werden können und ob gleichzeitig neue Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen sind“, hieß es im Wortlaut in der Mitteilung des Verbands.

Hannover 96 äußerte sich zur Stellungnahme der DFL positiv: „Wir begrüßen die heutige Beschlussfassung der DFL als einen großen Schritt in die richtige Richtung. Damit ergeben sich gute Chancen, dass die DFL unter Einbeziehung der in ihr vereinten Klubs einerseits ihrem Gestaltungsauftrag durch eine Modernisierung der Regeln im deutschen Profifußball nachkommt und andererseits einen Weg einschlägt, vernünftiges und nachhaltiges wirtschaftliches Handeln im Profifußball mit dem Erhalt der uns allen wichtigen traditionellen Werte des Fußballs in Deutschland zu verbinden.“

Gleichzeitig bestritt der Klub, dass Zweifel an den Erfolgsaussichten des Antrags die Entscheidung herbeigeführt hätten. „Hannover 96 hat seinen Antrag heute ‚auf Ruhend gestellt‘. Wir sind […] von unserem Hannover-Modell mit ausschließlich regionalen Geldgebern nach wie vor fest überzeugt, denn nur so können wir sicherstellen, dass Profi- und Breitensport bei 96 sich weiterhin und wie bisher erfolgreich entwickeln. An unserer Überzeugung, dass Martin Kind den Verein 20 Jahre ununterbrochen und erheblich gefördert hat, hat sich nichts geändert“, teilte der Verein mit.