Unterschiedliche Vorzeichen vor dem Derbi sevillano

Der FC Sevilla empfängt am Samstagabend (20.45 Uhr) den Stadtrivalen Real Betis zum Derbi sevillano im heimischen Estadio Ramón Sánchez Pizjuán. Grund genug, einen Blick auf die Ausgangssituation vor diesem brisanten Duell zu werfen.

Der klare Favorit in diesem Spiel ist natürlich der FC Sevilla. Das erklärt sich schon durch die Tabellensituation. Die Andalusier rangieren derzeit auf Platz fünf der spanischen Tabelle, zwei Punkte hinter dem amtierenden Champions League-Sieger Real Madrid. Obgleich 29 Punkte aus 17 Partien eine respektable Ausbeute darstellen, dürfte es mit der erneuten Qualifikation zur Königsklasse schwierig werden. Dafür agierte das Überraschungsteam FC Valencia bislang zu stark. Betis dagegen muss eher nach unten denn nach oben blicken. Die „Béticos“ stehen auf Rang 14 und haben nur sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Ein sicheres Polster sieht anders aus. Umso süßer wäre es, den Abstand nach unten im Stadion des Erzrivalen vergrößern zu können.

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Die Voraussetzungen dafür stehen allerdings mäßig. Der FC ist in dieser Spielzeit zuhause noch ungeschlagen und holte aus acht Partien starke 20 Zähler. Betis dagegen konnte in der Fremde bislang erst sieben Punkte holen. Der Tiefpunkt der Auswärtsschwäche war die herbe Niederlage bei der SD Eibar (0:5) am zwölften Spieltag. Auch historisch gesehen gab es für das Team von Trainer Quique Setién bei den „Sevillistas“ nicht viel zu holen. Von 49 Spielen in der ersten spanischen Liga beim FC konnten nur zehn gewonnen werden. Die aktuelle Form spricht allerdings für Betis. In den letzten drei Partien konnten sie drei Punkte verbuchen, der FC nur einen. Der Rekord-Europa-League-Sieger ist gar seit drei Spielen sieglos.

Gehobenes Bürgertum gegen Arbeiterklasse

Dennoch spricht auch das pure Potenzial des Kaders für die Hausherren. Mit Spielern wie Sergio Rico, Simon Kjær, Steven Nzonzi, Jesús Navas und Wissam Ben Yedder steckt viel internationale Erfahrung und Qualität in der Mannschaft des Tabellenfünften. Die Stars beim kommenden Gegner sind zumeist Spieler, die es bei größeren Vereinen nicht geschafft haben, wie Keeper Antonio Adán oder die beiden Stürmer Cristian Tello und Antonio Sanabria. Oder aber alternde Ex-Stars wie Kapitän Joaquín oder Mittelfeldspieler Javi García. Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in den finanziellen Aspekten wider. Der FC Sevilla gab in der vergangenen Transferperiode über 75 Millionen Euro aus, Betis nur 28.

Zwischen den beiden Klubs Sevillas klafft selbst gesellschaftshistorisch eine Kluft. Während Betis seine Heimat im Arbeiter-Stadtteil Heliópolis hat, kommt der FC aus dem im Osten gelegenen Nervión und gilt als traditioneller Repräsentant des Bürgertums und der Oberschicht. Wenn die beiden Vereine aus der andalusischen Hauptstadt auch viele Aspekte unterscheiden mögen, so gleichen sie sich doch in einem Punkt: Beide wurden erst ein einziges Mal spanischer Meister. Und das ist jeweils lange her. Der FC durfte sich 1946 bestes Team Spaniens nennen und Betis schloss 1935 die Saison als Meister ab. Auch in dieser Spielzeit werden beide Mannschaften weiter auf den zweiten Titelgewinn warten müssen. Das macht das Derbi sevillano kommenden Samstag allerdings nicht minder spannend.