VfB-Test gegen Atlético: Härtetest und Wegweiser

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

Keine kleine Hürde hat sich der VfB Stuttgart in den Weg gelegt – aber eine, die die Denkrichtung der Schwaben bestens illustriert. Am Sonntag testet der Vorjahressiebte der Bundesliga gegen Atlético Madrid. Das spanische Top-Team soll zum Prüfstein werden, ob die Mannschaft von Trainer Tayfun Korkut an die Sensationsrückrunde anknüpfen kann.

So richtig mitmischen können hat Christian Gentner in den vergangenen Tagen bei den Stuttgartern nicht. Der Kapitän fehlt verletzt, statt Mannschaftstraining stehen nach wie vor nur individuelle Übungen im Trainingsplan des Routiniers. Vielleicht gerade deswegen aber hatte Gentner im Laufe des Trainingslagers die Möglichkeit, den Zustand der Mannschaft einzuschätzen. Und was der Mittelfeldspieler da im kleinen vereinseigenen Clip erzählt, dürfte jeder Fan gerne hören. „Was ich sehen konnte, macht mich sehr, sehr zuversichtlich“, erklärte Gentner als kleines Fazit des Trainingslagers.

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Intensive Tage liegen hinter der Mannschaft, eine Woche lang hatte Korkut das Team im bayerischen Grassau zusammen, um am Feinschliff für die neue Runde zu arbeiten. „Intensiv“ sei es gewesen, berichtete Gentner zum Abschluss der Tage am Chiemsee. Von der allgegenwärtigen Hitze ließen sich die Schwaben nicht unterkriegen. Denn: „Dafür ist ein Trainingslager ja da.“ Gentner selbst kann es nach seiner Knieprellung vergleichsweise relaxed angehen. Ist der 32-Jährige fit, hat er seinen Stammplatz sicher. Das aber, und das ist die große Erkenntnis des Trainingslagers, gilt für die wenigsten der VfB-Akteure. Der Kampf um die Plätze ist eng wie selten bei Stuttgart. „Konkurrenzkampf auf allen Positionen“ hat nicht nur Klubpräsident Wolfgang Dietrich während des Trainingslagers ausgemacht.

Gegen Atlético am „Tag des Brustrings“

Neben Gentner nämlich dürfen sich lediglich Keeper Ron-Robert Zieler, Mario Gómez und Benjamin Pavard ihrer Plätze einigermaßen sicher sein. Selbst erfahrene Neuzugänge wie Gonzalo Castro und Daniel Didavi sowie Vorjahresleistungsträger wie Santiago Ascacíbar und Holger Badstuber müssen derzeit um ihre Plätze kämpfen. Jede Position ist mindestens doppelt besetzt. Die Leistungsdichte kann im Saisonverlauf ein entscheidender Trumpf werden – oder aber zu Unfrieden führen. Dietrich daher warnt: „Ich erwarte von den Spielern, dass sie im Saisonverlauf die Entscheidungen des Trainers akzeptieren.“

Ein erster Fingerzeig, auf wen Korkut in den ersten Pflichtspielen der neuen Runde setzen wird, dürfte der Härtetest am Sonntag werden, wenn der VfB im Rahmen des „Tags des Brustrings“ auf Atlético Madrid trifft. Wer gegen den spanischen Top-Klub in der Startelf steht, darf sich gute Chancen ausrechnen, dies auch am ersten Bundesliga-Spieltag am 26. August in Mainz zu dürfen. Die bisherigen Testspiele jedenfalls liefen weitestgehend erfreulich für die Stuttgarter. Zweimal wurde in Grassau getestet, zweimal setzte sich der VfB durch: mit 2:1 gegen Eibar, mit 3:1 gegen Istanbul Başakşehir. Dass die Madrilenen nun ein ungleich stärkerer Gegner werden, liegt auf der Hand. Dabei dürfte Atlético aber keinesfalls nur kommen, um den Fans anlässlich des 125-jährigen Vereinsbestehens ein Spektakel zu bieten.

Dietrich will keinen konkreten Platz als Ziel ausgeben

Die Spanier sind als Prüfstein gedacht, um zu sehen, ob die Mannschaft die starke Rückrunde und Platz sieben aus der Vorsaison bestätigen kann. Mit Castro, Didavi und Co. hat sich der VfB zwar namhaft verstärkt. Die Erfahrung der Vorjahre mit dem Abstieg 2016 hat die Verantwortlichen aber vorsichtig werden lassen. In Stuttgart scheinen sie gelernt zu haben, dass die Bäume nicht sofort in den Himmel wachsen. Er wolle keinen konkreten Tabellenplatz als Ziel ausgeben, sagte etwa Vereinschef Dietrich: „Ich erwarte aber, dass jeder Mitarbeiter das Optimale aus seinem Potenzial herausholt, wie dies auch in der vergangenen Saison der Fall war. Wenn das eintrifft, dann wird es eine gute Saison und der gesamte Verein wird wieder einen Schritt nach vorne machen.“

Davon überzeugt ist jedenfalls Gentner. Der Kapitän, der „in den nächsten Tagen“ wieder voll einsteigen will, hat die Mannschaft in Grassau auf einem guten Weg gesehen. „Es ist eine gut funktionierende Gruppe, die fußballerische Qualität mitbringt und hoffentlich eine gute Rolle in der Liga spielen kann“, sagte er. Gar noch etwas mutiger formulierte es Castro, der den VfB auf dem Weg zurück nach Europa wähnt: „Über kurz oder lang sicher“, sagte der Mittelfeldspieler der Bild.