Weidenfeller über BVB-Anschlag: „Das hat mein Leben verändert“

Der Sprengstoffanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund belastet die betroffenen Spieler und Betreuer weiterhin. Das erklärten mehrere Leidtragende bei der Fortsetzung des Prozesses gegen Sergej W. am Montag vor dem Landgericht Dortmund in teilweise sehr persönlichen Aussagen.

„Das ist immer noch ein Thema in der Mannschaft. Ich kenne Spieler, die noch immer darunter leiden. Das war ein Anschlag auf das Leben“, sagte Torwart Roman Weidenfeller und fügte an: „Das hat mein Leben verändert.“ Er selbst nehme seitdem psychologische Hilfe in Anspruch. Marcel Schmelzer erklärte, er zucke bei lauten Geräuschen immer noch zusammen. „Ich versuche, es wegzuschieben. Aber es gibt Momente, in denen man denkt, was für ein Glück wir hatten“, erklärte er.

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Für den ehemaligen Dortmunder Sven Bender waren der Anschlag und der Umgang damit sogar ein Grund für seinen Wechsel zu Bayer 04 Leverkusen im vergangenen Sommer. Das traumatische Erlebnis „habe auch Einfluss“ darauf gehabt, größtenteils hätten aber sportliche Gründe den Ausschlag gegeben. Bender bezeichnete es im Nachhinein als „Fehler“, dass die Mannschaft am Tag nach dem Attentat zum Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen die AS Monaco angetreten sei. „Für mich wurde das Thema schnell abgehakt. Das war schade, deshalb hat man auch nicht so viel drüber gesprochen“, sagte Bender.

Tuchel noch BVB-Trainer? „Davon würde ich ausgehen“

Neben Weidenfeller, Schmelzer und Bender sagten auch der inzwischen bei 1899 Hoffenheim spielende Felix Passlack sowie mehrere Mitglieder des Betreuerteams aus. Darunter auch Ex-Trainer Thomas Tuchel. „Davon würde ich ausgehen“, sagte der Fußballlehrer auf die Frage des Oberstaatsanwaltes Carsten Dombert, ob er ohne das Attentat am 11. April über den Sommer hinaus BVB-Trainer geblieben wäre. Hintergrund ist der Streit mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke über den richtigen Umgang mit dem Anschlag. Das Verhältnis zwischen Watzke und Tuchel galt am Ende als zerrüttet, auch wegen Meinungsverschiedenheiten bei diesem Thema. Nach dem Ende der vergangenen Saison trennten sich die Wege von Dortmund und Tuchel, obwohl dieser mit dem BVB den DFB-Pokal gewonnen hatte.

„Aki (Watzke; Anm. d. Red.) hat das ja öffentlich schon gesagt, dass es großen Dissens gegeben hat. Das stimmte auch so“, sagte Tuchel. „Der große Dissens bestand darin, dass ich im Bus saß und Aki nicht. Deshalb gab es auch eine andere Herangehensweise mit dem Umgang. Ohne das Aki jetzt vorhalten zu wollen.“ Er selbst spüre keine Nachwirkungen des Attentats, auch keine psychologischen Folgen. Allerdings sei er „absolut davon überzeugt“, dass das Erlebnis Auswirkungen auf die Leistungen der Spieler gehabt habe. Es seien nach dem Attentat viele Gespräche notwendig gewesen, „um eine Atmosphäre zu schaffen, in der wir uns wieder kritisieren konnten“, sagte er. Die folgenden Leistungen seien „erstaunlich“.

Angeklagter hat die Tat gestanden

Der Angeklagte Sergej W. hat inzwischen gestanden, vor der Abfahrt des BVB zum Spiel gegen Monaco am 11. April am Teamhotel der Dortmunder drei Sprengsätze gezündet zu haben. Er bestreitet allerdings jegliche Tötungsabsicht. Das Motiv soll Habgier gewesen sein, mutmaßlich wollte Sergej W. nach seiner Tat am sinkenden Kurs der BVB-Aktie verdienen.

(sid)