Witsel-Verpflichtung: Beide Seiten wollen profitieren

Foto: Clive Rose/Getty Images

Endlich ist er da: Nach wochenlangem Hin und Her verkündete Borussia Dortmund am Montag die Verpflichtung von Axel Witsel. Der Belgier soll den in der Vorsaison über weite Strecken leblosen BVB wieder auf Vordermann bringen.

Witsel, der Dortmund als einen „der besten Klubs auf dem Kontinent“ bezeichnete, könnte bei den Westfalen seine bewegte Karriere ausklingen lassen, in der er nicht selten gegen den Strom geschwommen ist. „Chaloupe“ (kleines Boot), wie der Mittelfeldspieler mit der Afrofrisur wegen seiner gemächlichen Spielweise gerufen wird, kehrt nicht zuletzt wegen seiner Familie nach nur anderthalb Jahren China wieder den Rücken. Seine Frau Rafaela wollte wieder zurück nach Europa.

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Im Januar 2017 war der Sohn einer weißen Belgierin und eines dunkelhäutigen Franzosen trotz eines Angebots von Juventus Turin von Zenit St. Petersburg ins Reich der Mitte zu Tianjin Quanjian weitergezogen. „Ich bin vor allem wegen des Geldes nach China gewechselt. Es war eine sehr schwere Entscheidung. Auf der einen Seite ein Top-Verein wie Juventus und auf der anderen ein Angebot, das ich für meine Familie nicht ablehnen konnte“, begründete er seine Entscheidung. Bereits vor seinem Engagement im fernen Osten hatte Witsel interessante Offerten europäischer Spitzenklubs ausgeschlagen. Nach nur einem Jahr bei Benfica Lissabon zog es ihn nach St. Petersburg, wo er viereinhalb Jahre blieb und Meister und Pokalsieger wurde. Seine Karriere in der Nationalelf blieb sowohl in Russland als auch in China unbeschadet.

Ein Foul, das alles veränderte

Dass Mentalitätsmonster Witsel in seiner Karriere selten den geraden Weg bevorzugte, mag mit seinen Lehrjahren im Profifußball zu tun haben. Bereits als 17-Jähriger feierte er 2006 in seiner Geburtsstadt Lüttich bei Standard sein Debüt im bezahlten Fußball. In der Saison 2007/08 bildete er unter anderem mit Marouane Fellaini, mit dem er vor wenigen Wochen in Russland WM-Dritter wurde, das Mittelfeld von Lüttich und wurde erstmals belgischer Meister. Zudem wurde Witsel in Belgien als bester Spieler der Liga mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet und zum Nachwuchsfußballer des Jahres gewählt. Nachdem es für Witsel drei Jahre stetig bergauf gegangen war, beendete ein böses Foul am 30. August 2009 seinen Höhenflug. Gegen den RSC Anderlecht kam Witsel gegen Marcin Wasilewski zu spät und brach dem Polen bei seinem brutalen Einsteigen das rechte Schien- und Wadenbein. Acht Spiele Sperre und eine empfindliche Geldstrafe erhielt der damals 20-Jährige, dessen bis dahin tadelloser Ruf von heute auf morgen zerstört war.

Fans protestierten vor seinem Elternhaus, die Schlagzeile „Anschlag Witsels“ sagte alles über das neue Image des einstigen Wunderkinds aus. Sogar Sponsoren wendeten sich von ihm ab. „Dieser Vorfall hat Axel verändert. Es gab einen Axel vor diesem Foul, und einen danach. Er war gezeichnet von dem medialen und öffentlichen Sturm, wurde verschlossener“, sagte damals Witsels Vater Thierry. Seit Jahren ist Witsel, der sich damals öffentlich bei Wasilewski und dessen Familie entschuldigte, mit sich und der Welt wieder im Reinen. Als Mitglied der goldenen Generation der „Roten Teufel“ genießt er nicht nur wegen seiner starken Leistungen bei der WM weltweit allerhöchsten Respekt. Nun will der BVB davon profitieren.

(cbe/sid)