4:1 gegen Lazio: Frankfurt im Europa-Rausch

Foto: Lars Baron/Getty Images

Eintracht Frankfurt steht bereits nach dem zweiten Gruppenspiel mit einem Bein in der nächsten Runde der Europa League: Gegen Lazio Rom setzten sich die Hessen mit einem leidenschaftlichen Auftritt am Donnerstag mit 4:1 (2:1) durch und führen die Gruppe H nun mit der Optimalausbeute von sechs Punkten an.

4:1 gegen Hannover hatte sich die Eintracht zuletzt in der Liga durchgesetzt, dennoch nahm Adi Hütter drei Veränderungen an seiner Startelf vor. In der Abwehrreihe startete Simon Falette für Evan N’Dicka, im Mittelfeld durfte Mijat Gaćinović anstelle des nicht spielberechtigten Allan Souza ran, und im Sturm begann zunächst Luka Jović. Eingangs nur auf der Bank saß Ante Rebić, der gegen Hannover bei seinem Comeback eine Gala hingelegt hatte. Gleich fünf Veränderungen im Vergleich zum jüngsten Liga-Auftritt, einem 1:3 gegen die AS Rom, nahm Lazio-Coach Simone Inzaghi vor. Unter anderem saß Luis Alberto zunächst nur auf der Bank.

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Mit unheimlicher Power startete die Eintracht in die Partie, bei zahlreichen Tempoläufen war schon in den ersten Minuten die Europapokal-Lust der Hessen zu sehen. Und dieser Aufwand wurde früh belohnt: Jović eroberte nach starker Körpertäuschung eine Ecke, die anschließende Hereingabe nagelte Danny da Costa unter die Latte (4.). 1:0, die Eintracht-Fans waren selig und erhöhten noch mal den ohnehin schon beträchtlichen Lautstärkepegel. Die Römer hingegen schienen nicht zu wissen, wie ihnen geschah.

Parolo gleicht aus, Kostić antwortet

Anschließend berappelte sich Lazio und verbuchte erhöhten Ballbesitz. Die Eintracht aber betrieb hohen Aufwand: Schon auf Höhe der Mittellinie wurde der jeweils ballführende Spieler angelaufen, lange Bälle blieben daher oft das Mittel der Wahl bei den Italienern. Kevin Trapp war eingangs nur sporadisch gefordert. Gegen Dušan Basta (9.) und Ciro Immobile (10.) hatte der Frankfurt-Keeper keine Mühe. Schlechte Nachrichten gab für Inzaghi zudem in personeller Hinsicht: Riza Durmisi verletzte sich in einem Zweikampf mit da Costa am Arm, den Linksverteidiger ersetzte Senad Lulić (17.). Taktisch diszipliniert stand die Eintracht, agierte allerdings etwas zu passiv.

Die erste Unordnung in der Frankfurter Organisation nutzte Lazio dann prompt. Lucas Torró war in der Mitte nicht auf dem Posten, über links brach bei einem schnellen Gegenangriff Joaquín Correa nach Immobile-Pass durch. Den Querpass des 24-Jährigen drückte Marco Parolo zum 1:1 über die Linie (23.). Lazio schien nun im Vorteil, die Eintracht schließlich war tief in die eigene Hälfte gedrängt worden. Der zweite Angriff der Hessen aber brachte gleich wieder die Führung: Sébastian Haller eroberte und behauptete den Ball am Strafraum der Römer und bediente Gaćinović. Dessen Ablage in den Rückraum nahm der aufgerückte Filip Kostić auf und schoss zum 2:1 ein (28.).

Jović nutzt die Überzahl

Und die Frankfurter schienen gelernt zu haben. Offensiv engagierter nämlich blieben die Gastgeber dieses Mal und beeindruckten mit ihrem laufintensiven und kombinationsreichen Spiel die Römer ein ums andere Mal. Teilweise schon am eigenen Strafraum wurden die Lazio-Spieler angelaufen. Kaum mal kontrolliert über die Mittelinie kamen die Gäste daher. Stattdessen musste Rom angesichts des Eintracht-Tempos aufpassen, nicht noch Gegentor Nummer drei zu kassieren. Bei einem der Frankfurter Gegenstöße leistete sich Basta ein taktisches Foul an Kostić und sah Gelb-Rot (45.+3). Angesichts der Überzahl und der 2:1-Pausenführung war die Frankfurter Europapokal-Party endgültig eröffnet.

Ohne Wechsel ging es in Hälfte zwei weiter, den Platzverweis kompensierte Inzaghi durch die Umstellung auf eine Viererkette. Am Spielbild aber änderte sich nichts, die Eintracht blieb bissig und spielfreudig. Und in Überzahl waren die Konter brandgefährlich: Nachdem der erste Abschluss Jovićs noch Zentimeter am langen Pfosten vorbeigestrichen war (49.), saß der zweite Abschluss des Serben. Perfekt von Haller bedient, stand Jović frei vor Keeper Silvio Proto und löffelte den Ball zum 3:1 über diesen hinweg ins Tor (52.). Die Frankfurter Chancenverwertung war beinahe makellos, das Kombinationsspiel der Offensive auch in Abwesenheit Rebićs brillant.

Lazio sieht noch mal Rot

Und die schlechten Nachrichten für die Römer rissen nicht ab: Correa grätschte am Mittelkreis von hinten in die Beine Jonathan de Guzmáns, und der niederländische Schiedsrichter Serdar Gözübüyük zog Rot (59.) – eine harte, aber keineswegs falsche Entscheidung. Frankfurt hielt nun endgültig alle Trümpfe in der Hand. Während der Bundesligist anschließend entspannt den Ball kreiseln ließ, gab sich Lazio keineswegs auf. Mehr als Verzweiflungsangriffe allerdings brachten die Römer nicht mehr zustande, Immobile etwa blieb ein Elfmeter verwehrt (67.). Wenig später wechselte Hütter erstmals: Rebić ersetzte den starken Jović (68.). Viele Highlights bot die Partie in der Schlussphase nicht mehr, den Frankfurt-Fans war das aber natürlich herzlich egal. Sie feierten ihr Team für einen nahezu perfekten Auftritt. Rebić (74., 88.), de Guzmán (79.), Haller (85.) und der eingewechselte Marc Stendera (90.+3) waren anschließend noch glücklos im Abschluss, da Costa setzte dann den Schlusspunkt: Der Rechtsverteidiger besorgte nach Flanke Taleb Tawathas das 4:1 (90.+4). Wenige Sekunden später war Schluss, zumindest auf dem Rasen. Die Eintracht-Anhänger dürften nach dem berauschenden Auftritt ihres Teams noch etwas gefeiert haben.

Mit der Optimalausbeute von sechs Punkten führt die Eintracht nun durchaus überraschend die Tabelle der Gruppe H an. Erster Verfolger ist Lazio mit drei Punkten. Mächtig strecken, um noch die Runde der letzten 32 Teams zu erreichen, müssen sich Olympique Marseille und Apollon Limassol. Beide Teams trennten sich am Donnerstag 2:2 und haben je nur einen Zähler auf dem Konto. Die nächsten beiden Partien der Eintracht steigen gegen Limassol – im Falle von zwei weiteren Siegen wäre das Ticket für die nächste Runde bereits gebucht.