Abwehr-Alarm: Hoffenheim gehen die Alternativen aus

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Den 3:1-Heimsieg gegen den SC Freiburg musste die TSG 1899 Hoffenheim teuer bezahlen. Gleich drei Innenverteidiger verletzten sich während des Spiels, die Personallage im Abwehrzentrum spitzt sich durch die Ausfälle zu.

Schon zur Halbzeit hatte TSG-Coach Julian Nagelsmann im Baden-Duell sein Wechselkontingent ausgeschöpft – und seine Hintermannschaft dreimal umgestellt. Nach 19 Minuten war für Ermin Bičakčić Schluss, der Bosnier verletzte sich ohne Einwirkung des Gegners an der Achillessehne, die ihn zuletzt schon zur Pause gezwungen hatte. Kurz vor der Pause folgte Kassim Adams Nuhu, den ein Zusammenprall mit Freiburgs Jérôme Gondorf außer Gefecht setzte. Und das Verletzungspech perfekt machte der erst für Bičakčić eingewechselte Kevin Akpoguma, der zur Halbzeit nach einem Schlag gegen den Kopf in der Kabine bleiben musste. „Dass drei Innenverteidiger ausfallen, ist schon sehr dramatisch“, meinte Nagelsmann nach Abpfiff der Partie nachdenklich. Die am Sonntag folgenden Diagnosen zu den Blessuren des Trios verstärkten die Sorgenfalten des Trainers wohl noch zusätzlich. Akpoguma erlitt einen Bruch der Augenhöhle sowie eine Gehirnerschütterung und wird der TSG in den nächsten Wochen ebenso nicht zur Verfügung stehen wie Adams, bei dem Verletzungen am Bandapparat des Sprunggelenks sowie am Innenknöchel festgestellt wurden. Der ghanaische Nationalspieler muss seine Länderspielreise absagen.

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Die zwei spielfreien Wochen kommen nicht nur dem 23-Jährigen entgegen. Auch Nagelsmann wird die Pause freuen. So besteht zumindest bei Bičakčić die Hoffnung, dass er in der kommenden Partie bei Fortuna Düsseldorf am 15. September wieder mitwirken kann. Nach dem Schlag auf seine lädierte Achillessehne kann der zweikampfstarke Abräumer die Zeit zur Rehabilitation nutzen. Nichtsdestotrotz bleibt die Personaldecke im Abwehrzentrum dünn. Die Rückkehr von Benjamin Hübner, der schwerer als erwartet mit einer Gehirnerschütterung zu kämpfen hat, ist noch ungewiss. Bleiben mit Kapitän Kevin Vogt, der in der vergangenen Woche ebenfalls noch angeschlagen war, Håvard Nordtveit und Stefan Posch noch drei etatmäßige Alternativen. Beim 20-jährigen Justin Hoogma darf bezweifelt werden, ob er bereits über Bundesliga-Format verfügt.

Rosen: „Uns fehlt aktuell eine komplette Bundesliga-Mannschaft“

Sportdirektor Alexander Rosen ist trotz der Verletzungsmisere weit davon entfernt, Frust zu schieben. „Unser Glück in diesem schon fast absurden Unglück ist es, dass wir in unserem Kader außergewöhnliche Defensivspieler haben, die variabel eingesetzt und sofort in verschiedenen Systemen agieren können“, meinte er und stellte damit eine mögliche Umstellung auf eine Viererkette in den Raum. Dadurch müssten nur zwei Innenverteidigerplätze belegt werden. Rosen betonte zudem, „wie wichtig es ist, angesichts der anstehenden Herausforderungen über solch einen breiten und ausgeglichenen Kader zu verfügen, wie wir ihn zusammengestellt haben.“ Tatsächlich erfahren die Kraichgauer schon früh in der Saison den Wert von qualitativ gleichwertigen Back-ups für alle Positionen. Denn nicht nur in der Innenverteidigung geht die Seuche um.

Seit dem Saisonstart muss die TSG auf vier potenzielle Stammspieler im zentralen Mittelfeld verzichten. Dennis Geiger (Oberschenkelverletzung), Lukas Rupp (Kreuzbandriss), Nadiem Amiri (Ermüdungsbruch) und Kerem Demirbay (Außenbandriss im Sprunggelenk) werden in absehbarer Zeit auch nicht auf den Platz zurückkehren. „Uns fehlt aktuell eine komplette Bundesliga-Mannschaft, und zwar eine gute, aber wir gehen diese Herausforderung an wie wir auch in der Vergangenheit mit Widerständen umgegangen sind“, gab sich Rosen kämpferisch und stellte klar: „Wir werden nicht jammern, halten zusammen und kämpfen auch für die Jungs, die gerade nicht auf dem Platz stehen können. Trotz unserer unglaublichen Verletztenmisere können wir eine spielstarke und […] außergewöhnlich charakterstarke Mannschaft auf den Platz schicken.“ Bleibt für die TSG zu hoffen, dass sich die Personallage spätestens mit Beginn der englischen Wochen wieder entspannt.