Adlers Kampf ums Mainzer Tor

Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

Seit dem Abgang von Loris Karius im Sommer 2016 nach Liverpool standen beim 1. FSV Mainz 05 fünf Torhüter zwischen den Pfosten. Ex-Nationaltorwart René Adler wurde wieder zum Pechvogel.

An Adler kommt keiner vorbei. Im Kloster Eberbach, dem Drehort des Klassikers „Der Name der Rose“, steht der Torwart des 1. FSV Mainz 05 in klassischer Pose und beschützt riesige Weinfässer. Das Bild, das der 33-Jährige in den sozialen Medien verbreitete, wirkt allerdings auch ein bisschen tragisch – schließlich hat Adler, der als Nummer eins geholt worden war, seit Monaten kein Spiel mehr für die Rheinhessen absolviert. Die Verpflichtung des früheren Nationaltorwarts im Sommer 2017 sollte beim FSV endlich Ruhe bringen auf der nach dem Abgang von Karius zum FC Liverpool 2016 immer wieder vakanten Position des Stammtorwarts. Ein Trugschluss.

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Nachdem Adler in der vergangenen Saison die ersten neun Bundesliga-Partien im Tor stand, folgte der Rückschlag. Der gebürtige Leipziger musste sich Ende Oktober an der Sehne operieren lassen, es folgten Adduktorenbeschwerden und ein grippaler Infekt. Im April stand er kurzzeitig wieder im Tor, ehe die nächste Verletzung am Knie folgte. Während Adlers Abwesenheit hütete zuerst Robin Zentner das Mainzer Tor. Doch die Mainzer Torwart-Odyssee, die den Klub in der Vergangenheit im Fall von Ex-Keeper Heinz Müller sogar schon vor Gericht geführt hatte, ging weiter.

Knieverletzung schien Karriereende zu bedeuten

Der damals 22 Jahre alte Zentner verletzte sich Ende Februar 2018, die Zeit von Florian Müller war gekommen. Der damalige U20-Nationalspieler zeigte bei seinem Debüt gegen den Hamburger SV am 25. Spieltag eine Glanzleistung. „Er hat die Ruhe weg, man könnte meinen, der hat schon ein paar Bundesliga-Spiele auf dem Buckel“, sagte Teamkollege Daniel Brosinski. Bei den folgenden Spielen zeigte Müllers Formkurve aber eher wieder nach unten und so übernahm der wiedergenesene Adler das Tor der Mainzer. Bis zu einer schwerwiegenden Knieverletzung. Berichte über ein drohendes Karriereende wies er im Juni entschieden zurück: „Die Ärzte sind hoch zufrieden, die Beweglichkeit des Knies ist top.“

Seitdem gehört das FSV-Tor wieder dem 20 Jahre alten Müller. Der Saarländer setzte sich im Sommer im internen Dreikampf gegen Zentner und den zurückgekehrten Jannik Huth durch. Und er überzeugte wieder. Als Belohnung erhielt Müller eine Einladung zur U21-Nationalmannschaft. Dass Schwarz viel von Müller hält, wurde schon im Dezember 2016 deutlich, als der damalige Trainer der zweiten Mannschaft des FSV sagte, Müller habe „alle Techniken, die ein Torwart braucht, um den Weg zu gehen, den wir uns alle von ihm erhoffen“. Allerdings fehle ihm noch ein wenig die „absolute Besessenheit“. Müller selbst sieht sich eher als ruhiger Typ. Zumindest abseits des Platzes. Auf dem Feld „gehe ich auch schon aus mir raus. Aber ich bin jetzt nicht der völlig Verrückte, sondern versuche immer, relativ cool zu bleiben.“ Adler wird sich strecken müssen, wenn er den selbstbewussten Jungspund bei seiner Rückkehr verdrängen will.