Arnold: „Schade, dass die Länderspielpause kommt“

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Bruno Labbadia war anzumerken, dass ihm das Ende der schwarzen Serie gegen Bayer 04 Leverkusen besonders gutgetan hatte. Im 13. Anlauf gelang dem Ex-Nationalspieler endlich der erste Sieg gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber.

„Es war rundherum ein guter Tag für uns“, kommentierte der Cheftrainer des VfL Wolfsburg den überraschenden, aber verdienten 3:1 (1:1)-Erfolg beim Werksklub. Irgendwie scheinen die Niedersachsen durch ein halbes Dutzend Jungväter in den letzten Wochen und Monaten beflügelt worden zu sein. In Leverkusen wurde Stammtorwart Koen Casteels von Labbadia kurzfristig nach Hause geschickt, weil der Belgier ebenfalls Vaterfreuden entgegenblickt. Pavao Pervan machte als Ersatzmann seine Sache mehr als ordentlich, die Babyboomer haben die „Wölfe“ offenbar noch mehr zusammengeschweißt.

- Anzeige -

„Ich freue mich am meisten darüber, dass die Mannschaft auch nach dem Rückstand sattelfest und stabil geblieben ist. Das ist die Erkenntnis des Spiels“, resümierte Geschäftsführer Jörg Schmadtke, dessen Team erstmals seit April 2017 wieder drei Auswärtstore schoss. Die unerwartete Höhenluft für den Relegations-Teilnehmer der letzten beiden Saisons hat alle in Wolfsburg überrascht. Schließlich hießen die ersten beiden Gegner Vizemeister FC Schalke 04 (2:1) und Europa League-Starter Bayer. Zwei Spiele, zwei Siege und 5:2 Treffer – die „Wölfe“ halten mit Abonnementmeister FC Bayern München Schritt. „Schade, dass die Länderspielpause kommt“, meinte Maximilian Arnold schmunzelnd. Aber der nächste Gegner Hertha BSC zu Hause ist auch nicht unschlagbar, die Positivserie könnte also weitergehen.

„Aber die Mannschaft muss realistisch bleiben“

„Es war eine große Freude, wie geschlossen die Mannschaft aufgetreten ist, und dass sie sich auch für die Leistung belohnt hat“, meinte Labbadia. „Im letzten Jahr hätten wir ein solches Spiel noch verloren“, ergänzte Arnold. Dass die Euphorie beim VfL nun überhandnehmen könnte, sieht Schmadtke nicht: „Die Fans dürfen träumen, aber die Mannschaft muss realistisch bleiben. Ich sehe keine Gefahr.“ Der Verantwortliche bewies im Übrigen ein gutes Händchen bei seinen Verstärkungen. Dem niederländischen Angreifer Wout Weghorst (55.) gelang sein erster Bundesliga-Treffer. Zuvor hatte der starke Yannick Gerhardt Bayer-Keeper Ramazan Öczan mit seinem fulminanten Schuss von der Grundlinie zu einem Eigentor (36.) gezwungen. Der Schweizer Renato Steffen (60.) schloss einen Konter mit dem 3:1 ab und sorgte für die Entscheidung.

„Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey“, skandierten die VfL-Fans unter den 26.247 Zuschauern in der BayArena. Aber die Tabellenführung hielt am Samstag nur drei Stunden, dann zogen die Bayern (3:0 in Stuttgart) wieder vorbei. „Wir sollten den Ball flach halten“, appellierte Arnold ohnehin. Labbadia hat erkannt: „Wir haben aus der Relegation viel Kraft gezogen, außerdem hat die Mannschaft sehr hart und intensiv in der Vorbereitung gearbeitet.“ Dabei wurde der Coach laut Arnold sogar zum „Feindbild“ bei den Spielern und leistete damit einen besonderen Beitrag beim Teambuilding. Einiges deutet in Wolfsburg darauf hin, dass es diesmal keine Zittersaison für den VfL geben wird.