Atlético und der China-Deal mit Carrasco

Zu Wochenstart hat der spanische Tabellenzweite Atlético Madrid die Wechsel der beiden Mittelfeldspieler Yannick Carrasco und Nicolas Gaitán zum chinesischen Klub Dalian Yifang bekanntgegeben. Auf den ersten Blick wirkt zumindest der Verkauf des Belgiers merkwürdig. Auf den zweiten Blick erklärt sich so einiges.

Carrasco war 2015 für etwas mehr als 17 Millionen Euro aus Monaco zu den „Rojiblancos“ gekommen. Seither hatte sich der 24-Jährige zum Stammspieler bei Atlético entwickelt. In 124 Pflichtspielen erzielte er 23 Treffer und bereitet weitere 17 vor. In der laufenden Saison stand Carrasco 28 Mal für die „Colchoneros“ auf dem Feld, schoss vier Tore und legte sieben auf. Eine ordentliche Ausbeute für den schnellen Linksaußen. Im Champions League-Finale 2016 gegen den Stadtrivalen Real Madrid traf er sogar zum 1:1-Ausgleich, Atlético unterlag später im Elfmeterschießen. Große europäische Vereine wie der FC Bayern München wurden in den letzten Jahren immer wieder mit dem Flügelspieler in Verbindung gebracht.

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Und trotzdem wird dieser in Zukunft in der chinesischen Super League auflaufen. Carrasco ist noch weit entfernt davon, seine Karriere in einer sportlich etwas weniger anspruchsvollen Liga gegen ein gutes Honorar ausklingen zu lassen. Lukrativ ist der Deal für den Offensivspieler allerdings allemal. Bis 2024 hat er im Reich der Mitte unterschrieben und wird pro Jahr rund zehn Millionen Euro verdienen. Der finanzielle Aspekt ist aber nur die halbe Wahrheit hinter diesem Transfer. Denn Dalian Yifang zahlt gerade mal 30 Millionen Euro für den Belgier und 18 Millionen Euro für Gaitán. Von den 30 Millionen für Carrasco darf der spanische Hauptstadtklub nur 22 behalten. Der Rest geht an die Ex-Vereine AS Monaco und KRC Genk.

Chef des neuen Vereins ist Anteilseigner der „Rojiblancos“

Es entsteht also beinahe der Eindruck, dass Atlético kein besonders gutes Geschäft abgeschlossen hätte. Zustande gekommen ist es, weil der Besitzer des chinesischen Vereins, Wang Jianlin, einer der reichsten Männer der Erde, auch 15 Prozent der Anteile an Atlético Madrid hält. Seine Firma, die Dalian Wanda Group, ist Hauptsponsor und Namensgeber des neuen Stadions Wanda Metropolitano. Bis vor kurzem hielt Jianlin sogar noch 32 Prozent der Anteile an den „Rojiblancos“, ehe er 17 Prozent verkaufte, um Schulden in Übersee zu tilgen. Im Falle des Gaitán-Transfers machen die „Colchoneros“ durch diesen Deal sogar noch Verlust. Der Argentinier war 2016 für 25 Millionen Euro von Benfica Lissabon geholt worden.

Carrasco selbst interessieren die Klüngeleien herzlich wenig. „Die chinesische Liga boomt, die Arbeitsbedingungen sind fantastisch, die Spieler und Fans können eine moderne Infrastruktur nutzen und das Spielniveau wird jede Saison besser“, meinte der belgische Nationalspieler in einer Pressemitteilung. Im Hinblick auf die Weltmeisterschaft im Sommer hat er keine großen Bedenken: „Mein Weggang aus Europa bedeutet nicht, dass ich nicht mehr motiviert bin, zur WM zu fahren. Ich werde alles dafür tun, um dem Nationaltrainer in den kommenden Monaten zu zeigen, dass ich bereit bin für Russland.“ Bleibt für Carrasco nur zu hoffen, dass Coach Roberto Martínez auf seinem Endgerät die chinesische Liga empfängt.