Bäuchlein-Diskussion um Kruse: Bremen schlittert in die Krise

Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

Der SV Werder Bremen ist auf dem erhofften Weg nach Europa in die erste Krise geschlittert. Diskutiert wird deshalb auch wieder über die Fitness von Max Kruse.

Ob der Angreifer mit nacktem Oberkörper eine gute Figur macht, weiß sein Trainer Florian Kohfeldt nicht. „Wie er unter der Dusche aussieht, kann ich nicht sagen. Ich dusche nicht mit den Jungs“, sagte der Coach schmunzelnd zur neuen Bäuchlein-Diskussion um den Star des Teams. Klar, Kruse tue sich wie nahezu alle Bremer derzeit schwer, aber er habe „alles auf den Platz geworfen, was er hatte“, sagte Kohfeldt verteidigend. „Ich werde die Niederlage nicht an ihm festmachen.“ Mit dem 1:3 (0:1) gegen Borussia Mönchengladbach ist Werder endgültig in seine erste kleine Krise geschlittert – und erneut wirkte Kruse bei der dritten Pleite in Serie irgendwie schwerfällig. Der Kapitän konnte seiner Mannschaft gegen die zugegeben furiosen „Fohlen“ nicht helfen, der 30-Jährige verlor viele Bälle und vergab seine Chancen. Kruses allgemeine Fitness sei aber gut, sagte Kohfeldt: „Ich werde zu 1000 Prozent zu Max stehen, das werden wir gemeinsam wieder hinkriegen.“

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In Bremen wird immer mal wieder darüber diskutiert, ob Kruse vielleicht ein paar Kilo zuviel um die Hüften mit sich herumträgt. Besonders gern aber in Phasen, in denen der oft geniale Angreifer das Tor nicht trifft. Und das hat er jetzt schon seit fünf Spielen nicht mehr. Vor der Saison habe Kohfeldt „ihm gesagt, dass er sich nicht verändern soll“. Er bat Kruse, sich das „Freche und Unbekümmerte“ zu bewahren. Doch im Moment ist davon „vielleicht etwas verloren gegangen“, gab Kohfeldt zu. Kruse selber nimmt die Kritik an ihm stoisch zur Kenntnis. „Ich versuche, meine Arbeit zu machen, mich auf die Mannschaft zu konzentrieren und vorneweg zu gehen“, sagte der Ex-Nationalspieler. „Ob ich dann Tore dazu beitrage oder nicht, spielt keine Rolle.“

„Straftraining wäre absoluter Humbug“

Das stimmt allerdings nur bedingt. Auf dem erhofften Weg zurück nach Europa soll Kruse für Werder den Unterschied ausmachen. Doch dabei muss ihm auch die Mannschaft helfen. „Wir sind alle gefordert, ihn besser in die Positionen zu bringen“, sagte Frank Baumann. Der Sportchef und Kohfeldt waren nicht nur im Fall Kruse um Ruhe und Souveränität bemüht. Trotz der drei Niederlagen in Folge mit elf Gegentoren liegen die Hanseaten ja noch auf Platz sieben, die europäischen Ränge sind weiter in Reichweite. „Wir dürfen nicht durchdrehen und werden bei uns bleiben. Straftraining oder Ähnliches wäre absoluter Humbug“, sagte Kohfeldt deshalb. Die DNS seines Teams wolle er nicht verhindern und weiter spielerische Lösungen suchen. „In meinen Augen haben wir keinen dramatischen Leistungsabfall, aber individuelle Fehler, die wir klar ansprechen und aufarbeiten müssen“, sagte Kohfeldt. Damit Werder bald wieder eine gute Figur macht.