Ballack hatte Trennung von Löw favorisiert

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Im Sommer wurden viele Stimmen laut, die tief greifende Änderungen in der deutschen Nationalmannschaft forderten. Bundestrainer Joachim Löw hätte nach Meinung des früheren DFB-Kapitäns Michael Ballack als Konsequenz aus dem WM-Desaster in Russland seinen Hut nehmen müssen.

„Ich war wie viele andere Leute auch überrascht, dass er seinen Job behalten hat. Er hat lange mit dem Team gearbeitet. Manchmal funktioniert es einfach nicht mehr, wenn jemand so lange mit einer Mannschaft zusammen ist wie er“, sagte Ballack der Deutschen Welle. Letztlich sei Löw für das Scheitern verantwortlich zu machen und sollte „professionell genug sein“, um die richtigen Konsequenzen für seine Zukunft zu ziehen, ergänzte Ballack: „Es war ganz offensichtlich, dass einige Spieler nicht auf der Höhe waren. Und man konnte es schon vorher sehen, dass eine oder mehrere Positionen nicht optimal besetzt waren. Deshalb sollten die Verantwortlichen beurteilen, ob Löw immer noch der richtige Mann ist.“

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Toni Kroos bejahte diese Frage mit Nachdruck. „Ich bin überzeugt, dass wir jetzt wieder die Kurve mit Jogi Löw kriegen. Er hat über viele Jahre bewiesen, dass er bereit ist, sich selbst weiterzuentwickeln. Das ging stetig nach oben“, sagte der Real-Profi. Löw habe diese Chance „absolut verdient“. Ballack hingegen kritisierte auch das Vorgehen der DFB-Spitze, Löw voreilig das Vertrauen ausgesprochen zu haben: „Die Weltmeisterschaft war eine große Enttäuschung, und dafür gab es Gründe. Man sollte sie ernsthaft analysieren und nicht sagen ‚Wir analysieren das‘, während in Wahrheit bereits beschlossen ist, am Trainer festzuhalten. Das ist keine echte Analyse.“

„Niemand braucht so etwas vor einer Weltmeisterschaft“

Nach Ballacks Meinung hat auch die Affäre um die Fotos der Nationalspieler Mesut Özil und İlkay Gündoğan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ihren Teil zum WM-Aus in der Vorrunde beigetragen. „Niemand braucht so etwas vor einer Weltmeisterschaft“, sagte der 42-Jährige. Ballack empfahl Özil, sich auf den FC Arsenal zu konzentrieren. Fußballer sollten „Schlagzeilen auf dem Spielfeld machen, nicht abseits davon“. Ballack war 2002 Vize-Weltmeister und von 2004 bis 2010 Kapitän der Nationalmannschaft. Er schied im Unfrieden aus der DFB-Auswahl, nachdem Löw das Amt des Kapitäns an Philipp Lahm übertragen hatte.