Barça: Trotz Tabellenführung in der Krise

Foto: Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images

Der FC Barcelona führt die Tabelle der spanischen La Liga nach sieben Spieltagen an. Soweit nicht ungewöhnlich und prinzipiell Zeichen eines guten Saisonstarts – dennoch herrscht bei den Katalanen derzeit gedrückte Stimmung. Der amtierende Meister scheint das Gewinnen verlernt zu haben.

Vier Siege aus vier Partien, 14:3 Tore, Rang eins mit fünf Punkten Vorsprung auf den Drittplatzierten: Der FC Barcelona legte in der neuen Spielzeit einen Auftakt nach Maß hin. Einzig Real Madrid schien das Tempo, mit dem die „Blaugrana“ in der Liga vorpreschte, einigermaßen mithalten zu können. Als dann auch noch das erste Champions League-Spiel gegen die PSV Eindhoven vor heimischem Publikum mit 4:0 gewonnen wurde, schien es mal wieder eine Saison zu werden, in der Barça nach den Sternen greifen kann – und zwar nach allen. Zwei Wochen später hat sich das Bild in der katalanischen Metropole verändert. Die Tabellenführung ist zwar noch in blau-roter Hand, die Leichtigkeit ist dagegen abhandengekommen.

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Aus den vergangenen drei Ligaspielen holte Barcelona lediglich zwei Punkte, dreimal in Folge blieben die „Culés“ sieglos. Eine derartige Durststrecke durchlebten die Katalanen letztmals in der Schlussphase der Saison 2015/16. Dass sie damals am Ende dennoch spanischer Meister wurden, hatten sie einem dicken Punktepolster zu verdanken. Aktuell ist der Vorsprung auf die „Königlichen“ auf vier Treffer zusammengeschmolzen. Die „Blaugrana“ ist überhaupt nur noch an der Spitze, weil Real beim FC Sevilla (0:3) und im Derbi madrileño gegen Atlético Madrid (0:0) zuletzt ebenfalls Punkte liegen ließ. Die La Liga-Elite ist zusammengerückt, Barcelona hat seinen Vorteil verspielt.

Messi und wer? Die Offensive lahmt

2:2 gegen den FC Girona, 1:2 beim CD Leganés, 1:1 gegen Athletic Bilbao – die letzten Gegner waren allesamt keine Übermannschaften und begegneten dem Titelverteidiger spielerisch bei Weitem nicht auf Augenhöhe. Und trotzdem konnte Barça sich nicht durchsetzen. Neben individuellen Fehlern in der Defensive, vor allem durch den formschwachen Gerard Piqué, lahmt auch die hochgelobte Offensive der „Azulgranas“. Vier Treffer in den vergangenen drei Partien entsprechen nicht dem Selbstverständnis der Katalanen. Gegen Bilbao musste Trainer Ernesto Valverde Lionel Messi in der 55. Minute beim Stande von 0:1 einwechseln, obwohl er den Argentinier mit Blick auf das Champions League-Duell bei Tottenham Hotspur eigentlich schonen wollte.

Messi bereitete letztlich den Ausgleich von Munir El Haddadi fünf Minuten vor Schluss vor, mehr war aber nicht drin. Luis Suárez, Philippe Coutinho, Ousmane Dembélé – sie alle können ihre unbestritten vorhandene Qualität momentan nicht abrufen. Die Spielfreude des Saisonstarts, die sich insbesondere beim 8:2 gegen Aufsteiger SD Huesca am dritten Spieltag offenbarte, ist verloren gegangen. Am Mittwochabend (21 Uhr) winkt in der Königsklasse eine kleine Abwechslung vom derzeit tristen Liga-Alltag. Im Wembley-Stadion trifft Barcelona mit Tottenham aber auch zum ersten Mal in dieser Saison auf einen absoluten Hochkaräter. Dort müssen die „Culés“ nachweisen, dass das zuletzt gezeigte nicht ihr wahres Gesicht ist.