Baumann: „Der Trainer ist der wichtigste Mitarbeiter“

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Geschäftsführer Frank Baumann hat seinen Vertrag beim SV Werder Bremen kürzlich bis 2021 verlängert und geht somit den grün-weißen Weg weiter. Der Ex-Profi äußerte sich nun zu seiner Arbeit an der Weser, dem Verhältnis zu Trainer Florian Kohfeldt und dem ausgegebenen Saisonziel Europa.

Der ehemalige Werder-Kapitän spielte selbst jahrelang in Bremen und identifiziert sich voll und ganz mit dem Verein. Von daher verwundert es nicht, dass Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode die Vertragsverlängerung auf emotionale Weise erklärte. Es seien „Menschen, über die ein Verein Werte transportiert“, meinte der 49-Jährige. Außerdem habe Baumann seit seinem Amtsantritt eine gute Entwicklung hingelegt. „Die Einschätzung freut mich“, sagte der Geschäftsführer dem Kicker. „Aber letztlich ist es doch Normalität, dass man sich in einem Job weiterentwickelt. Nach fünfeinhalb Jahren, in denen ich von Klaus Allofs und Thomas Eichin sehr viel lernen durfte, wusste ich ziemlich genau, was auf mich zukommt.“

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Seit Mai 2016 fungiert Baumann als Bremer Geschäftsführer, zuvor war er dreieinhalb Jahre als Direktor Profifußball tätig. Die Jahre nach seiner aktiven Karriere seien „generell intensiv“ gewesen, nicht alle Entscheidungen hätten sich als richtig herausgestellt. Dabei sei vor allem die Trainerfrage eine ganz entscheidende: „Der Trainer ist der wichtigste Mitarbeiter eines Klubs – auch wenn er aus meiner Sicht nicht der mächtigste sein sollte.“ Daher empfindet sich Baumann auch nicht als Chef des Trainers, sondern als dessen Partner.

Geschäftsführer lobt Zusammenarbeit mit Kohfeldt

Der 42-Jährige ist sehr froh darüber, dass die Chemie zwischen ihm und Coach Kohfeldt stimmt. „Natürlich hilft es da, dass Florian Kohfeldt und ich ein sehr großes Vertrauensverhältnis zueinander haben und eine sehr deckungsgleiche Ansicht davon, wofür Werder stehen sollte. Rein fußballerisch, aber auch unter anderen Aspekten“, sagte Baumann. Sehr hilfreich sei auch Kohfeldts Weitblick und Interesse an der Gesamtheit des Vereins: „Schon im Nachwuchsbereich hat Florian über den Tellerrand hinausgeschaut, sich mit vielen konzeptionellen und strukturellen Dingen beschäftigt. Das hat sich als Bundesliga-Cheftrainer nicht verändert. Seine Zusammenarbeit mit dem Leistungszentrum ist exemplarisch.“

Auch beim Transfer von Davy Klaassen waren Baumann und Kohfeldt auf einer Wellenlänge. Letztlich hätten weiche Faktoren beim Wechsel des Niederländers den Ausschlag gegeben. „Darauf sind wir angewiesen. Wir können nun mal nicht mit dem internationalen Geschäft dienen – zumindest noch nicht. Und wir können nicht die Gehälter zahlen wie die Top-Klubs. Also müssen wir die Jungs begeistern, auch mit positiven Beispielen wie Thomas Delaney, der nach anderthalb Jahren bei uns nicht irgendwohin gewechselt ist, sondern zu einem Top-Klub“, meinte Baumann. Im Fall Klaassen habe auch die Bremer Spielweise eine Rolle gespielt.

Saisonziel Europa soll psychologischen Effekt haben

Baumann hatte vor Saisonbeginn bereits das Erreichen eines europäischen Wettbewerbs als Ziel ausgegeben und erwartet sich davon einen psychologischen Effekt. „Das kann in vielen Phasen einer Saison helfen. Ohne dass die Spieler tagtäglich bewusst daran denken. Aber das Ziel ist im Hinterkopf verankert, jeder weiß, wofür er vielleicht auch mal leidet“, sagte der Ex-Nationalspieler. Aus dem schwachen Start der ambitionierten Vereine FC Schalke 04, Bayer 04 Leverkusen und RB Leipzig zieht Baumann derweil keine voreiligen Schlüsse: „Zu diesem Zeitpunkt hat das so gut wie keine Aussagekraft. So wenig diese drei sich im Abstiegskampf befinden, so wenig haben wir uns oben festgesetzt. Das zu glauben, wäre kompletter Schwachsinn.“