Bayern beim BVB unter Druck: Ein eisiger Winter droht

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Uli Hoeneß und Niko Kovač geben sich vor dem Klassiker betont gelassen – doch bei einem Gipfelsturz in Dortmund erwartet den kriselnden FC Bayern München ein eisiger Winter. Schon jetzt steht der Trainer in der Kritik, eine Niederlage im Bundesliga-Topspiel am Samstagabend bei Borussia Dortmund würde die Diskussionen weiter anheizen.

Mit dem Szenario einer Niederlage will sich Kovač gar nicht erst befassen. „Angst und Druck kenne ich nicht. Ich gehe davon aus, dass wir das Spiel nicht verlieren“, sagte der 47-Jährige am Freitag. Kovač baut auf die Erfahrung seiner Stars: „Der FC Bayern ist in solchen Spielen ganz groß. Ich bin überzeugt, dass wir unseren Mann stehen. Wir müssen sie jagen!“

- Anzeige -

Doch die Lage in München ist brenzlig. Schon jetzt befindet sich Präsident Hoeneß angesichts der anhaltenden Probleme beim Tabellendritten im Verteidigungsmodus. „Wir haben ihn nie infrage gestellt, müssen uns aber zunehmend dieser Fragen erwehren, die ich im Moment nicht verstehe“, sagte der 66-Jährige der Sächsischen Zeitung.

Wer will die Favoritenrolle?

Zu verstehen ist die Frage nach Kovačs Zukunft allemal, da die Münchner seit Wochen nicht Bayern-like auftreten. Kein Mia-san-Mia, keine Super-Bayern, wie selbst Manuel Neuer unter der Woche einräumte. „Deshalb fahren wir als Herausforderer nach Dortmund, und nicht als Favorit. Und in dieser Rolle fühlen wir uns sehr wohl“, sagte Hoeneß.

Der FC Bayern als Außenseiter? Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc reagierte auf die durchschaubare Taktik des angeschlagenen Rekordmeisters, der auf Altstar Arjen Robben verzichten muss, entspannt. „Es ist nicht wirklich wichtig, wer als Favorit ins Spiel geht. Natürlich haben wir die Situation der Bayern registriert – aber es ist eigentlich egal“, sagte Zorc.

Zorc: „Gehen selbstbewusst ins Spiel“

Im Gegensatz zum Verfolger läuft es beim BVB unter dem neuen Trainer Lucien Favre rund. Noch vor sieben Monaten war Dortmund bei den damaligen Heynckes-Bayern mit 0:6 untergegangen – und jetzt? Die Borussen mit ihren gefeierten jungen Wilden um Jadon Sancho führen die Tabelle mit vier Punkten vor dem Rekordmeister an. „Wir haben guten Grund – und das ist auch nötig –, aufgrund der Leistungen der letzten Wochen selbstbewusst in das Spiel zu gehen“, betonte Zorc.

„Pressen, sehr gut und intelligent verteidigen und intelligent angreifen“, lautet der Plan von Favre für das Spitzenspiel. Kovač forderte seine Profis gegen eine „dynamische und zielstrebige Dortmunder Mannschaft mit vielen Stärken und ganz wenigen Schwächen“ unmissverständlich auf, „noch viel mehr als sonst im Defensivverhalten mitzuarbeiten“.

Hoeneß erneuert Treueeid zu Kovač

Während Favre in Dortmund als Vater des Erfolgs gefeiert wird, steht Kovač in München nach einem furiosen Start mit sieben Siegen eher für Rückschritt. Entsprechend weiß er, „dass in diesem Prestigeduell viel auf dem Spiel steht“. Für den FC Bayern, aber auch für ihn selbst, obwohl Hoeneß seine „Bis aufs Blut“-Aussage am Mittwoch erneuert und um Geduld gebeten hatte.

Der Münchner Präsident war erstmals sogar so weit gegangen, die Meisterschaft des FC Bayern, zuletzt sechsmal in Folge Bundesliga-Primus, nicht zur obersten Pflicht zu erheben. Auch ohne diesen Titel würde der Verein „nicht untergehen“. Dies zeige „das absolute Vertrauen des Klubs“, meinte Kovač. Das hieße aber nicht, „dass wir nicht Meister werden wollen. Wir wollen Meister werden, aber die Gegner sind viel stärker als letztes Jahr.“