Bender: „Absolutes Endspiel gegen Mainz“

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Lars Bender war der Verzweiflung nahe, Rudi Völler ungewohnt schmallippig. Drei Spiele, null Punkte. Der schlechteste Saisonstart in der Geschichte von Bayer 04 Leverkusen ist perfekt und ließ Spieler und Verantwortliche ratlos zurück.

„Jetzt ist Leidenschaft gefragt, wir müssen uns zusammenreißen. Wir sind ja noch im Urlaub, vom Gefühl her“, sagte Kapitän Lars Bender nach dem schwachen Auftritt beim 1:3 (1:2) beim FC Bayern München. „Was mich ein bisschen enttäuscht, ist, dass uns das 1:0 nicht aufgebaut hat“, fügte Völler, Leverkusens Sport-Geschäftsführer, hinzu. Trotz aller Aufregung über die enttäuschende Leistung nach der frühen Führung durch Wendell (5.) fand Lars Bender in der Analyse klare Worte: „Ab Donnerstag beginnt die Saison für uns richtig. Danach muss man von einem absoluten Endspiel gegen Mainz reden.“

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Bayer dürfe „nicht so früh den Anschluss verlieren“, ergänzte Lars Bender. Verantwortlich dafür ist Trainer Heiko Herrlich. Seine Taktik mit defensiver Fünferkette und nur drei Offensivspielern hatte ihre Wirkung verfehlt. „Da haben wir ein Stück weit Anschauungsunterricht bekommen“, sagte Herrlich und stellte sich als Schutzschild vor seine junge Mannschaft. Eklatant war die Bayer-Zweikampfschwäche an der Isar. Hinzu kam das dumme Foul von Ex-Nationalspieler Karim Bellarabi an Rafinha, das zu Recht mit der Roten Karte (80.) geahndet wurde. Angesprochen auf die sich weiter verschärfende Kritik an seiner Person, sagte Herrlich: „Ich habe dafür keinen Raum, keine Zeit und keinen Platz, mich damit zu befassen. Besser die Kritik wird an mir geübt, als an den Spielern, weil ich glaube, ich kann damit besser umgehen. Die Jungs sind jetzt nicht gerade vom Selbstvertrauen gesegnet.“

„Es gibt nichts schönzureden“

Am Donnerstag (21 Uhr) in der Europa League in Bulgarien bei Ludogorez Rasgrad und am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) gegen den 1. FSV Mainz 05 stehen richtungweisende Spiele für Herrlich auf dem Programm. Schließlich gibt es auf dem Trainermarkt in Ralph Hasenhüttl, Peter Stöger, Markus Weinzierl und Hannes Wolf durchaus Alternativen, die für den Bayer-Cheftrainerposten infrage kommen. „Es gibt nichts schönzureden. Wir haben für uns untypischen Fußball gespielt“, sagte Lars Bender und forderte fortan „Mentalität, Wille, Glauben, Überzeugung“. Der Kapitän musste mit einer Wadenverletzung bereits nach 27 Minuten ausgewechselt werden. Für ihn kam Nationalspieler Julian Brandt in die Partie, der zunächst überraschend auf der Bank saß, sich dem desaströsen Auftritt seiner Mitspieler aber nahtlos anschloss.

Nach der saisonübergreifend fünften Niederlage im siebten Bundesliga-Spiel spotteten die Leverkusener offen und ehrlich über die eigene Leistung. „Wir haben Geschenke verteilt und sie auch noch schön verpackt“, brachte es Sven Bender etwas zynisch auf den Punkt. Bayern-Präsident Uli Hoeneß spottete über den wehrlosen und überforderten Gegner: „Was ich mir gewünscht hätte, dass die anderen auch mal versuchen, ein Tor zu schießen, weil die Zuschauer ja für zwei Mannschaften kommen.“ Der Spott muss nun in eine Trotzreaktion umgewandelt werden, die „Werkself“ ist am Tabellenende angekommen.

„In der Europa League ein Zeichen setzen“

Ganz neu ist die Situation aber nicht. Schon in der vergangenen Saison war Leverkusen mit einem Punkt aus den ersten drei Spielen schwach gestartet. Am Ende verfehlte die „Werkself“ nur knapp die Champions League-Plätze. „Wir müssen in der Europa League ein Zeichen setzen, dass wir eine Mannschaft sind, in der sehr viel mehr steckt“, sagte Lars Bender und trottete mit hängenden Schultern in Richtung Bus.