„Besinnliche“ Proteste gegen den Montagsfrust

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Vor dem ersten Montagsspiel (20.30 Uhr) der laufenden Bundesliga-Saison haben sich die Fans von Bayer 04 Leverkusen eine ungewöhnliche Aktion einfallen lassen. Schon am Wochenende hatten die Anhänger in den Stadien kollektiv gegen die fortschreitende Kommerzialisierung im Fußball protestiert.

Nürnberger Lebkuchen und Glühwein statt Randale: Die Leverkusener Fans haben gegen den Montagsfrust zu einem „besinnlichen“ Advents-Protest aufgerufen. Vor der ersten Saisonpartie zu Wochenbeginn beim 1. FC Nürnberg organisieren die Anhänger von Bayer für alle Auswärtsfahrt-Verweigerer einen Weihnachtsmarkt mit fränkischen Spezialitäten, der Leverkusener Fanblock im Max-Morlock-Stadion in Nürnberg dürfte deshalb weitgehend leer bleiben. Selbst Bayer-Geschäftsführer Rudi Völler hat für die ungewöhnliche Aktion der eigenen Anhänger, die so ganz nebenbei noch Spenden für Obdachlose sammeln wollen, Verständnis.

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Er sei auch „kein Fan“ der ungeliebten Montagsspiele, sagte er der Bild am Sonntag, „unsere Fans müssen 400 Kilometer nach Nürnberg fahren am Montagabend“. Auch wenn die Klubs der DFL bereits eingelenkt haben und es ab der Saison 2021/22 keine Ausweichspiele am Montag mehr geben soll: Der Protest der aufgebrachten Anhänger bleibt bestehen und weitet sich längst aus. Der Zorn richtet sich inzwischen vor allem gegen die zunehmende Kommerzialisierung im Profi-Fußball. Deshalb schwiegen die Fans bei den Bundesliga-Spielen am Wochenende in den Stadien über weite Strecken.

Favre: „Würde alle Spiele total verbieten“

Auch die Nürnberger Ultras haben zu einem stillen Protest über 45 Minuten aufgerufen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Es sei jedenfalls „Zeit, die Proteste wieder deutlich hochzufahren“, hieß es im Nürnberger Fan-Forum Ya basta. Er könne „die Fans verstehen“, sagte FCN-Coach Michael Köllner vor dem Montagsspiel. Auch in Trainer Lucien Favre von Spitzenreiter Borussia Dortmund haben die Anhänger einen prominenten Fürsprecher gefunden, zumindest in Bezug auf die Montagsspiele. „Ich würde alle Spiele am Montag total verbieten. Das ist lächerlich“, sagte Favre im Anschluss an das 2:0 des BVB gegen den SC Freiburg, nachdem auch die Dortmunder Fans in der ersten Halbzeit weitestgehend geschwiegen hatten.

Er bedauere dies „für uns, weil sie uns viel bringen, wenn sie da und laut sind. Wir haben das gern und brauchen das“, sagte Favre, betonte aber auch: „Ich verstehe die Leute, die protestieren, total.“ Die Entwicklung, wonach sich die Klubs immer mehr von der Basis entfernen würden, dürfe „nicht hingenommen werden, denn nur wir können mit geschlossenem und starkem Protest diesem Trend entgegenwirken. Im Sinne eines Fußballs für die Fans und nicht eines des finanziellen Profits“, hieß es zuletzt in einer Erklärung, die von vielen Ultra-Gruppen unterstützt wird. Bereits im September hatten die Fans der ersten drei Ligen durch demonstratives Schweigen über mehrere Minuten ihren Unmut kundgetan.

DFL plant weitere Entlastung am Sonntag

Es droht aber bereits neuer Ärger. Mit Blick auf die Teilnehmer in der Europa League seien pro Saison „fünf weitere und insgesamt zehn Entlastungsspiele am Sonntag geplant“, hatte die DFL bekannt gegeben. Obwohl die Anstoßzeiten noch nicht feststehen, soll es mit großer Wahrscheinlichkeit aber keine vierte Uhrzeit für den Spielbeginn an Sonntagen geben. Gegen Ersatztermine am Sonntag hatte sich zuletzt der DFB ausgesprochen. „Der Sonntagnachmittag gehört dem Amateurfußball“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel. Der DFB werde mit aller Kraft dafür argumentieren, „dass die Spiele nicht in Konkurrenz zum Amateurfußball und damit nicht am Sonntagnachmittag gespielt werden“.