Bičakčić: „Mentalität kannst du nicht lernen“

Verteidiger Ermin Bičakčić von der TSG 1899 Hoffenheim ist bekannt für seine kompromisslose Zweikampfführung und seine kämpferische Mentalität. Der 28-Jährige sprach nun über seine Art, Fußball zu spielen, die ausbaufähige Saison seines Teams und die neue Generation der Profis.

„Vor allem Mentalität ist sicher ein Merkmal, das mich als Spieler und Mensch charakterisiert. Mentalität kannst du nicht lernen. Entweder du bist so ein Typ – oder nicht“, stellte Bičakčić im Interview auf der Vereinshomepage klar. Diese Mentalität und sein oftmals harter Spielstil brachten ihm den Spitznamen „Eisen-Ermin“. Der Hoffenheimer selbst sieht darin etwas Positives: „Ich habe gemerkt, dass in dem Namen ein Kompliment steckt, er also eine Anerkennung für die Arbeit ist, die ich leiste. Deswegen empfinde ich es in jeder Hinsicht als Ehre.“

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Den Ursprung dieser Mentalität sieht der Defensivakteur in seiner Herkunft und Erziehung: „Dieses Bissige habe ich wohl in die Wiege gelegt bekommen. Vielleicht hat es sich aber auch durch meinen persönlichen Werdegang so entwickelt. Meine Eltern sind ja nach Deutschland geflüchtet, wir hatten kaum etwas, wir mussten immer kämpfen.“
Um Erfolg zu haben, muss für Bičakčić das Zusammenspiel der individuellen Stärken aller Spieler innerhalb der Mannschaft funktionieren. „Am Ende muss alles zusammenpassen: Meine Mentalität im Zweikampf, die Gier von Kerem Demirbay beim Freistoß, die Emotion von Andrej Kramarić beim Hakenschlagen – dann steht am Ende des Tages der Erfolg“, meinte der gebürtige Jugoslawe überzeugt.

Bosnier nimmt Vereine bei Talentförderung in die Pflicht

Dass die TSG im Vergleich zur Vorsaison eine etwas schwächere Spielzeit spielt, kann sich der Innenverteidiger auch nicht so recht erklären. „Das ist nicht so einfach. Du kannst dir einen Plan zurechtlegen, wie du den Gegner bespielen willst, aber der Fußball hat auch mal seine eigenen Pläne“, sagte Bičakčić, fügte aber etwas kritischer an: „Wir haben uns zu sehr darauf verlassen, dass wir genug Qualität haben und gedacht: ‚Das wird schon, das haben wir in der Vergangenheit auch hinbekommen‘. Es darf uns nicht mehr passieren, dass wir von der Maxime abweichen, vom Anfang bis zum Ende alles dafür zu tun, den Sieg einzufahren.“

Die aktuelle Tendenz der jungen Fußballer hin zum schönen Spiel und weg von den kämpferischen Tugenden erklärt sich Bičakčić durch die Ausbildung: „Das sind viele ähnliche Jungs, die alle durch dieselbe Maschinerie gehen. Ich habe das Gefühl, dass die freie Entfaltung, das Bilden einer eigenen Persönlichkeit, oftmals zu kurz kommen. Es werden Verhaltensmuster vorgegeben und du sollst nach einem bestimmten Schema funktionieren, es gibt immer weniger Profis mit Ecken und Kanten.“ Um diese Entwicklung einzudämmen, nimmt der Bosnier die Vereine in die Pflicht.

Hoffenheimer Trio absolviert nur Laufeinheit

Auch am Montag stand der Ex-Stuttgarter wieder auf dem Platz, um sich mit der Mannschaft auf das kommende Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg vorzubereiten. Nicht mit von der Partie waren dagegen Stürmer Mark Uth, Rechtsverteidiger Pavel Kadeřábek und Mittelfeldspieler Dennis Geiger. Das Trio absolvierte unter der Betreuung von Präventivtrainer Christian Neitzert nur eine Laufeinheit.