Boateng: „Wo waren die Mitspieler, die sich bei Mesut bedankt haben?“

Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Jérôme Boateng lagen offensichtlich ein paar Dinge auf der Seele. In einem Interview bezeichnete der Abwehrspieler sein Laissez-faire-Image in der Öffentlichkeit als „lächerlich“, er beklagte die fehlende Unterstützung seines Vereins FC Bayern München und kritisierte Kollegen der Nationalmannschaft für ihr Verhalten gegenüber Mesut Özil.

„Wo waren die Mitspieler, die sich bei Mesut bedankt haben? Anscheinend haben viele sich nicht zu äußern getraut, weil sie gedacht haben, dass das bei den deutschen Fans nicht so gut ankommt“, sagte Boateng im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „Da geht es um einen tollen Spieler, der mit uns Weltmeister geworden ist, der super Länderspiele gemacht hat, der den deutschen Fußball auch ein Stück weit verändert hat. Eine Nummer 10 mit Migrationshintergrund! Dem muss man Danke sagen. Sich dann zu enthalten, das finde ich schade.“ Der Bayern-Profi war einer der wenigen Nationalspieler, die Özils Rücktritt, der einer Abrechnung auf mehreren Ebenen gleichkam, öffentlich bedauert hatten.

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Das „Erdogate“ um Özil und İlkay Gündoğan bezeichnete Boateng als „nerviges Thema“, das die Stimmung während der WM belastete. „Erst haben wir das Thema unterschätzt, und dann haben wir es mit zur WM genommen“, sagte der 30-Jährige. „Das war belastend für alle, auch für die beiden Spieler.“ Doch auch Boateng selbst stand nach dem historischen Vorrunden-Aus in der Kritik – nicht nur wegen seiner wenig überzeugenden Leistungen. „Da hieß es, ich sei nicht völlig fokussiert, weil ich beim Südkorea-Spiel auf der Tribüne Ohrringe und Sonnenbrille trage, wenn die Sonne scheint“, sagte Boateng. Die Vorwürfe, er würde zu oft in der Welt herumjetten und sich von anderen Dingen ablenken lassen, nannte der Weltmeister „lächerlich“. Ja, er trage viele Tattoos und kleide sich anders als andere Spieler, „das heißt aber doch nicht, dass ich mich nicht auf den Fußball fokussiere“.

Bayern-Profi sucht das Gespräch mit Hoeneß und Rummenigge

Karl-Heinz Rummenigge hatte Boatengs Image vor knapp zwei Jahren mit seiner „Back-to-earth“-Forderung manifestiert. Damals, aber auch nach der WM, habe er sich mehr Rückendeckung aus seinem Klub gewünscht, verriet Boateng. Es sei „nicht so schön“, wenn „überall Sachen über mich erzählt werden und man dann keine öffentliche Unterstützung vom Verein bekommt“. Deswegen wolle er mit Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß „demnächst noch mal reden“. Dann dürfte auch der geplatzte Wechsel im Sommer zu Paris Saint-Germain noch mal Thema sein. Er habe sich mit einer Trennung beschäftigt, gab Boateng zu. Weil sich beide Vereine aber nicht einigen konnten und der neue Bayern-Trainer Niko Kovač „mich unbedingt halten wollte“, sei er geblieben. „Ein, zwei Tage“ habe ihn das beschäftigt, „aber jetzt geht es mir wirklich gut“.