Bobic: „Es ist ein sukzessives Weiterentwickeln“

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic hat sich am Sonntag zu verschiedenen Themen rund um seinen Klub und die Bundesliga geäußert. Der 46-Jährige sprach bei „Wontorra – der Fußball-Talk“ auf Sky über…

…die Aussage von Uli Hoeneß: „Meine Wortwahl wäre es nicht. Die Wortwahl gehört sich nicht, weil Karim Bellarabi kein Spieler ist, der so hart spielt. Er wollte den Spieler nicht verletzen. Ihm jetzt vorzuwerfen, dass er drei Monate eingesperrt werden soll, das gehört sich einfach nicht. Fußball ist ein zweikampfbetontes Spiel. Das tut mir auch leid für die Jungs, aber dass Verletzungen passieren, ist leider normal. Uli wird bestimmt gewusst haben, wie schwer die Verletzungen sind und dann ist der Ballon noch größer geworden – bis er geplatzt ist. Es wird eine längere Sperre werden für Bellarabi, vor allem aufgrund der Verletzung. Aber definitiv keine drei Monate.“

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…das Spiel der Eintracht beim BVB vergangenen Freitag: „So ein Spiel kann man verlieren, aber nach dem Spielverlauf war es ein engeres Ding, als es das Ergebnis aussagt. Nach dem 1:1 waren wir zu gierig und haben dann einen Konter kassiert. Das ist schade für die Jungs, weil sie wirklich ein super Spiel gemacht haben.“

…die Situation bei Eintracht Frankfurt: „Geduld müssen wir immer haben bei der Eintracht. Es ist normal, dass nicht alles perfekt laufen kann. Die Pokal-Niederlage war nicht eingeplant, das ist klar. Aber wir müssen die Ruhe bewahren und unseren Weg weiter gehen. Uns hat ein richtiger Spielmacher verlassen mit Niko Kovač. Wir waren unheimlich verschworen und so ein ‚Wir-gegen-alle-Gefühl‘ war da. Aber es ist klar, dass sich etwas verändert. Mit Adi Hütter haben wir einen Mann gefunden, der absolut zur Eintracht passt. Das Gesicht der Mannschaft hat sich verändert. Es ist ein sukzessives Weiterentwickeln und du willst immer versuchen, das Optimale heraus zu holen. Wir haben Spieler gehabt, denen wir im Juni schon gesagt haben, wir werden deinen Vertrag nicht verlängern. Der eine oder andere Spieler wollte dann wieder kämpfen und beweisen, dass er bleiben sollte. Wir haben die Gruppe im Training separiert, um mit den Spielern zu arbeiten, mit denen wir fest geplant haben. Die anderen Spieler haben wir aber absolut nicht ausgegrenzt. Sie haben trotzdem die gleiche Betreuung bekommen und haben alle professionell trainiert. Sie wurden aber keineswegs abgeschoben.“

…Kevin-Prince Boateng: „Wir haben ihn ablösefrei bekommen und damals schon gesagt, du kannst immer gehen, wenn du willst. Er wollte zurück zu seiner Familie nach Italien, das habe ich ihm versprochen. Er ist ein super Typ, der auch der Bundesliga fehlen wird. Boateng wollte unbedingt unter Kovač trainieren. Am Anfang hat jeder gesagt: ‚Wie konntest du diesen Spieler holen?‘. Aber er hat immer 150% gegeben und er geht als Held – jeder wird sagen, er ist ein super Typ. Das hat er auch verdient.“

…Niko Kovač: „Man hat versucht, mir beizubringen, dass ich den Kovač rauswerfen sollte, weil er zu Bayern geht. Das wäre aber totaler Schwachsinn gewesen, weil er ja ein super Job gemacht hat bei uns – und den Pokal geholt hat. Die Leute, die das gefordert haben, sind danach auf Knien zu mir gekommen.“

…die bevorstehende Europa League: „Ich finde, dass es absolut schade ist, auch für unsere Fans, dass wir in Marseille im leeren Stadion spielen müssen. Ich finde, dass es Blocksperren geben sollte, aber nicht das gesamte Stadion. Wir freuen uns riesig auf die Europa League-Spiele. Wir werden alles reinhauen, aber wir werden auch nicht die Bundesliga vergessen. Unsere Ziele sind, in der Bundesliga konkurrenzfähig zu sein und auch in Europa die Gruppenphase zu überstehen.“

…die Diskussion über Heiko Herrlich: „Der Fußball lebt von Emotionen und Hintergründen, aber wichtig ist, dass wir alle solidarisch miteinander umgehen. Die Trainerkollegen unterstützen ihre Kollegen und das sind Dinge, die der Liga guttun. Heiko Herrlich hat vergangene Saison eine super Arbeit gemacht. Und jetzt nach zwei bis drei Spielen fängt es langsam an, dass man versucht, ihn zu demontieren, bis er das auch irgendwann selber glaubt. Deshalb ist es wichtig, dass ein Rudi Völler und ein Jonas Boldt kein Blatt Papier dazwischen lassen und nicht im Hintergrund versucht wird, etwas zu streuen. Die Journalisten rufen Spieler an, die nicht spielen und die sind natürlich total unglücklich. Am Ende des Tages versucht man, eine Stimmung zu erzeugen, die sehr kontraproduktiv ist. Aber der Schneeball wird dann immer größer und größer, bis die negative Stimmung im Verein und im Team zu sehen ist. Die Frage ist, wie stark man selber ist, gegen diese Stimmung anzugehen.“

…die Aussage von Kovač, dass seine Mannschaft „Freiwild“ sei: „Er war selber ein Spieler, der körperbetont gespielt hat und auch bei uns immer gepredigt hat, sehr körperbetont zu spielen. In der Champions League geht es auch richtig zur Sache. Man sagt nicht, dass man sich gegenseitig kaputt treten muss. Bei den Verletzungen jetzt, zum Beispiel von Corentin Tolisso, da war einfach jede Menge Pech dabei.“

…Kriterien für eine Trainerentlassung: „Das Entscheidende ist, dass dir die Mannschaft folgt. Wenn das fehlt, ist es einfach schwierig, auch für die Führung. Du kannst nicht 15 bis 20 Spieler rauswerfen, sondern musst einfach einen neuen Reiz setzen. Man muss dann einfach im Sinne des Vereins denken, das fällt einem natürlich nicht einfach. Ich hatte eine Situation, bei dem die Spieler in der Ansprache durch den Trainer hindurch geschaut hatten. Da habe ich in der Halbzeit schon gedacht, heute Abend werde ich länger arbeiten müssen und den Trainer entlassen.“

…die Dominanz des FC Bayern: „Du kannst es vielleicht in einem Spiel schaffen, die Bayern zu schlagen. Pokal und Meisterschaft sind fest eingeplant. Aber das Thema Champions League, das reizt sie und da wird es auf Niko ankommen, daran wird er gemessen, wie weit er kommt. Wenn sie mal rotieren, dann kann man sie packen. Aber in Normalform – über 34 Spieltage – hat in Deutschland keiner die Chance, ihnen die Meisterschaft zu nehmen.“