Breitenreiter will „an die guten Dinge erinnern“

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Martin Kinds Kampf um die Allmacht bei Hannover 96 wird für den Klub zur Zerreißprobe, das Team wirkt verunsichert. Gegen den ungeliebten Nachbarn aus Wolfsburg soll die sportliche Wende gelingen.

96-Trainer André Breitenreiter blieb auf der Pressekonferenz am Donnerstag völlig cool. Jetzt in der Krise bloß keine Hektik zeigen, war wohl sein Motto vor dem so wichtigen Nachbarschaftsduell gegen den VfL Wolfsburg am Freitag (20.30 Uhr). „Es gilt, weiterzumachen, an die guten Dinge zu erinnern“, sagte Breitenreiter, die Mannschaft „zu stärken. Aber natürlich auch an Schwächen zu arbeiten.“ Der Übungsleiter streichelte sein Team, das bisher so selten abgeliefert hat. Der 45-Jährige sah noch nicht die Zeit gekommen, um die verbale Keule zu schwingen. Hannover habe schon „das ein oder andere gute Spiel gemacht“, erinnerte er seine Mannschaft vor dem Spiel gegen den VfL, aber „unter dem Strich zu wenig Punkte.“

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Und deshalb wird es trotz des coolen Herrn Breitenreiters langsam ungemütlich in Hannover. Zum einen tobt ja weiter der Richtungsstreit im Klub, eine Opposition wehrt sich vehement und mit allen Mitteln gegen Präsident Kinds Streben nach der Allmacht bei 96. Hinzu kommt die derzeitige Schwäche des Teams: Sechs Punkte nach zehn Spieltagen sind Hannovers schlechteste Ausbeute seit 30 Jahren – damals stieg 96 am Ende ab. Zuletzt sorgte die IG Pro Verein 1896 mit einer Unterschriftenaktion für Aufsehen. Das Ziel: Eine außerordentliche Mitgliederversammlung erzwingen, auf der der Aufsichtsrat neu besetzt werden soll, um Kind zu stürzen.

Kind stärkt dem Trainer den Rücken

Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, in diesem Spielchen „Fake News“ zu verbreiten. Vereinspolitische Querelen lässt Kind aber nicht als Ausrede für sportlichen Misserfolg gelten. „Die Mannschaft soll sich auf den Fußball konzentrieren. Das ist ihr Thema“, sagte der Unternehmer. „Jetzt gilt es, dass wir den Klassenerhalt sichern. Das ist viel wichtiger.“ Kind sprach unter der Woche von einer „kritischen Situation. Wir kennen die Punktzahl, wir kennen die Tabelle und wir wissen, dass jetzt Siege notwendig sind, damit wir den Anschluss halten“. Er sah sich sogar gezwungen, öffentlich zu bekunden, dass Breitenreiter nicht zur Diskussion steht.

Der Trainer genieße trotz der schwierigen Lage „unser volles Vertrauen. Er leistet eine sehr engagierte Arbeit, er erreicht die Mannschaft“, sagte Kind. „Die Mannschaft kann mehr, als sie zurzeit zeigt. Und jetzt gilt es, dieses Potenzial zu aktivieren und auszuschöpfen.“ Weil auch Wolfsburg zuletzt gehörig geschwächelt hat, wird es ein Duell der Krisenklubs. Die „Wölfe“ holten nur einen Sieg aus den vergangenen acht Ligapartien. Für 96 ist es auch die Chance auf Wiedergutmachung für die 0:2-Niederlage im DFB-Pokal.