Bremen gegen Hertha: Spitzenspiel wider Willen

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Der Vierte gegen den Zweiten: SV Werder Bremen gegen Hertha BSC am Dienstagabend (18.30 Uhr) ist tabellarisch gesehen ein Spitzenspiel, auch wenn Werder-Coach Florian Kohfeldt der Partie diesen Charakter im Vorfeld absprach. Auch sein Gegenüber Pál Dárdai hat sich der Realität verschworen.

Acht Punkte aus vier Spielen: Der Bremer Saisonstart ist gelungen und dennoch herrscht keine uneingeschränkte Zufriedenheit an der Weser. In der vergangenen Woche war die lahmende Offensive das große Thema, nach dem 3:2-Sieg beim FC Augsburg ist es die fehlende Konstanz. Die Grün-Weißen mussten nach einer 2:0-Führung zwischenzeitlich den Ausgleich hinnehmen. Die Norddeutschen hatten die Dominanz besonders um die Halbzeitpause herum vermissen lassen. „Ein Spiel über 90 Minuten zu dominieren, ist extrem schwer. Es ist aber unser Ziel, das zu schaffen“, formulierte Kohfeldt den eigenen Anspruch. Da diese Vorgabe noch nicht perfekt umgesetzt wird, hielt der 35-Jährige den Ball vor der Partie gegen die „Alte Dame“ flach: „Es kommt eine sehr starke Mannschaft auf uns zu. So früh in der Saison würde ich aber nicht von einem Spitzenspiel reden.“ Die Hertha besteche durch „hohes Offensivpotenzial“, für Bremen komme es darauf an, „die Struktur zu behalten, wenn das Spiel freier wird“. Dabei kann Kohfeldt wieder auf den Ex-Berliner Sebastian Langkamp zurückgreifen. Hinter Yūya Ōsako (Magen-Darm-Probleme) steht noch ein kleines Fragezeichen.

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Bei der Hertha verlief der Auftakt in die neue Spielzeit noch besser: Mit zehn Punkten grüßen die Berliner derzeit von Rang zwei und sind ärgster Bayern-Verfolger der Frühphase. Am vergangenen Samstag schlugen die Hauptstädter Borussia Mönchengladbach mit 4:2. Von übertriebener Euphorie hält Coach Dárdai allerdings nichts. „Der Großteil der Berliner Fans kennt mich: Realität ist das Wichtigste“, sagte er, fügte aber hinzu: „In den letzten drei Jahren haben wir für große Stabilität gesorgt. Jetzt haben wir eine Mannschaft, die man genießen kann.“ Die Partie im Weserstadion bezeichnete der Ungar als „anspruchsvolle Aufgabe“. Aufgrund der englischen Woche ist diese Aufgabe sogar noch größer, Dárdai deutete Rotation an: „Ohne Wechsel wird es in einer englischen Woche wohl nicht gehen.“ Karim Rekik war nach seiner Adduktorenverletzung am Sonntag wieder ins Training eingestiegen und könnte eine Option werden. Ob mit oder ohne den Niederländer, die Hertha bringt eine ordentliche Portion Selbstvertrauen mit. „Wir spielen im Moment so, wie wir uns das alle gewünscht haben“, meinte Geschäftsführer Michael Preetz.

SV Werder Bremen: Pavlenka – Gebre Selassie, Veljković, Moisander, Augustinsson – Şahin – Eggestein, Klaassen – Harnik, Kainz – Kruse

Hertha BSC: Jarstein – Lazaro, Stark, Lustenberger, Plattenhardt – Skjelbred, Maier – Kalou, Duda, Dilrosun – Ibišević

Die Bremer haben den Heimbonus, seit 15 Partien sind sie zuhause ungeschlagen. Hertha präsentiert sich in der bisherigen Saison allerdings etwas konstanter und hat nach Jahren der Souveränität auch endlich das schöne Offensivspiel für sich entdeckt. Für ein echtes Spitzenspiel zwischen diesen beiden Teams ist die Saison wohl tatsächlich noch etwas zu jung, einen richtungsweisenden Charakter hat die Partie aber alle mal.