Bremen stemmt sich verbal gegen die Talfahrt

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Eine spontane Rede von Kapitän Max Kruse, eine Bilanz mit schwarzen Zahlen und Geschäftsführer Frank Baumann in Angriffslaune: Nun will der SV Werder Bremen auch die sportliche Talfahrt stoppen – mit einem Sieg gegen den taumelnden Rekordmeister FC Bayern München am kommenden Samstag (15.30 Uhr).

Die ersten der 283 stimmberechtigten Mitglieder drängten schon zur Garderobe, da ließ Baumann den Werder-Anhang plötzlich aufhorchen. „Am Wochenende werden wir wieder das gallische Dorf sein, das die römischen Truppen aus Bayern mächtig ärgert“, versprach der Geschäftsführer dem Bremer Publikum bei der Jahresversammlung am Montag mit für ihn ungewohnt kämpferischer Attitüde. Langsam, ganz langsam will man an der Weser wieder an das europäische Fußballgeschäft heranrücken. Da käme am Samstag der erste Sieg seit mehr als einem Jahrzehnt gegen den zuletzt arg schwächelnden FC Bayern München gerade recht. Er wäre ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zurück zu alter sportlicher Stärke.

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Finanziell, davon konnte sich die interessierte Mitgliederschaft überzeugen, ist die Wende an der Weser bereits vollzogen. „Es sind kleine schwarze Zahlen, aber natürlich müssen wir uns weiter anstrengen“, kommentierte Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode die Saisonbilanz 2017/2018. Die Hanseaten erwirtschafteten einen Überschuss von 500.000 Euro. Was jedoch auf Dauer nicht reichen wird, um sich auch wirtschaftlich in der oberen Hälfte der Bundesliga-Tabelle zu etablieren. Schon jetzt musste eine Million Euro für den Fall zurückgelegt werden, dass die Norddeutschen gemeinsam mit der DFL den Rechtsstreit mit der Bremer Innenbehörde über die Kostenübernahme bei Risikospielen verlieren sollten.

Kruses Spontaneität am Rednerpult

Auch deshalb bleibt der Verkauf des Stadionnamens, in welcher Form auch immer, ein Thema am Osterdeich. Der Umbau der Arena muss abbezahlt werden, „und wir sind nicht so auf Rosen gebettet, dass wir jedes Jahr ausgleichen können, dass der letzte entsprechende Vertrag ausgelaufen ist“, sagte Vorstandsvorsitzender Klaus Filbry. Ein Energiekonzern hatte das Weserstadion für kleineres Geld lediglich mit dem Zusatz „powered by EWE“ versehen lassen. Dass die Bremer Profis auch auf dem Rasen nach nur einem Punkt aus den letzten vier Spielen wieder mit mehr Energie auftreten wollen, das versprach Spielführer Kruse – spontan und höchstpersönlich am Rednerpult, eine Premiere in der 119-jährigen Vereinsgeschichte.

„Ich kann Euch nicht versprechen, dass wir am Ende einen internationalen Platz belegen, aber wir werden alles dafür tun. Unser Plus ist der große Zusammenhalt der Mannschaft und der Fans“, formulierte der Angreifer unter lautem Beifall. Zustimmung für diesen Auftritt erntete er auch von Bode: „Eine tolle spontane Aktion.“ Aber es gab auch Grenzen der Spontaneität. „Haste schon verlängert?“ – auf diese lautstarke Frage nach einem neuem Vertrag zwischen Kruse und dem Verein ging der zuletzt wegen seines Fitnesszustands kritisierte Stürmer lieber nicht ein. Aber der Nutella-Fan setzte ein anderes Zeichen: Wie auch seine Teamkollegen verschmähte er demonstrativ die traditionell gereichten und alles andere als kalorienarmen Frikadellen.