BVB-Weg wirft Fragen auf

Borussia Dortmund hat eine enttäuschende Saison hinter sich. Die Verstärkungen für die kommende Spielzeit werfen aktuell noch ein paar Fragen auf. Ein Kommentar von Lattenkreuz-Chefreporter Lukas Eisenhut.

Medial wurden in den letzten Wochen viele Spieler mit den kriselnden Westfalen in Verbindung gebracht. Angefangen von Mario Balotelli, den Dortmunds neuer Trainer Lucien Favre angeblich aus Nizza zum BVB mitbringen sollte, bis hin zu Außenstürmer Anthony Martial, der bei Manchester United unglücklich ist, wurde die Liste der Namen immer länger. Und mit dem Wachsen dieser Liste wurden auch die Hoffnungen der Dortmunder Fans größer. Es sollte ein Kracher werden, der im Sommer an die Ruhr wechselt und Schwarz-Gelb wieder in die Erfolgsspur bringt.

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Als dann Marius Wolf als Neuzugang vorgestellt wurde, war der Traum vom Top-Transfer vorerst geplatzt. Sicher ist der 23-Jährige mit 17 Torbeteiligungen (sechs Treffer, elf Assists) in 34 Pflichtspielen für Eintracht Frankfurt in der letzten Saison mehr als positiv aufgefallen. Das, was sich einige BVB-Anhänger gewünscht hatten, ist Wolf aber nicht. Nämlich ein Unterschiedspieler von internationalem Format. Nur fünf Millionen Euro kostete der Angreifer aufgrund einer Ausstiegsklausel; ebenso viel soll er Medienberichten zufolge pro Jahr verdienen. Ein hohes Gehalt für einen Spieler, dessen Potenzial zwar deutlich wurde, der sich zeitgleich aber auch erst in einer Saison bewiesen hat.

Der BVB muss ein gewisses Risiko gehen

Auch Thomas Delaney wurde nach der Bekanntgabe seines Wechsels von Werder Bremen zum BVB kritisch beäugt. Der Däne kostet Dortmund dem Vernehmen nach rund 20 Millionen Euro. Sicher hat der Mittelfeldspieler Qualitäten, die er in Bremen auch oft auf den Platz gebracht hat. Dennoch aber wirkt die Ablöse zu hoch – jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung. Denn Delaney ist ein unauffälliger Spieler, dessen Stärken genau da liegen, wo sie nicht jeder mitbekommt. Ob der Däne die Ablösesumme in der kommenden Saison rechtfertigen kann, bleibt dennoch fraglich. Der Grund: Delaney ist wie auch Wolf kein Spieler internationalen Formats, bei dem der BVB außergewöhnliche Leistungen sicher einplanen kann.

Im Großen und Ganzen sind Wolf und Delaney vor allem eines: Der Beweis dafür, dass Borussia Dortmund einen anderen Kurs fährt, als sich viele Fans erhoffen. Große Namen, große Summen – genau das wird es beim BVB so schnell wohl nicht geben. Eine Marschroute, die wirtschaftlich sicher Sinn macht, sportlich aber einige Fragen aufwirft. Denn wenn Dortmund auf Dauer wieder mindestens die Nummer zwei in Deutschland sein will, muss die sportliche Leitung Risiken eingehen und mehr Geld in die Hand nehmen. Es wird auf Dauer nicht immer funktionieren, Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang oder Ousmane Dembélé günstig einzukaufen und im Laufe der Zeit zu Stars zu entwickeln. Durch beide hat der BVB aktuell aber immerhin viel Geld, das er nun nutzen sollte, um ein Zeichen zu setzen. Es wäre eine Antwort auf die vielen Fragen.