Costa knackt das iranische Bollwerk

Spanien bezwang den Iran am Mittwochabend im zweiten Gruppenspiel nach hartem Kampf mit 1:0 (0:0) und holte den ersten WM-Sieg. Die „Furia Roja“ machte damit einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale.

Irans Nationaltrainer Carlos Queiroz nahm nach dem 1:0-Sieg gegen Marokko drei Änderungen an seiner Startelf vor: Majid Hosseini, Saeid Ezatolahi und Mehdi Torabi ersetzten Rouzbeh Cheshmi, Masoud Shojaei sowie Alireza Jahanbakhsh. Spaniens Interimscoach Fernando Hierro wechselte gegenüber dem 3:3 gegen Portugal auf zwei Positionen. Daniel Carvajal rückte nach überstandener Oberschenkelverletzung für Nacho Fernández auf die rechte defensive Seite und Lucas Vázquez verdrängte Koke auf die Bank. Dort nahm auch Bayern Münchens Thiago Alcántara erneut Platz.

- Anzeige -

Die Spanier versuchten, den Iran von Beginn an in die eigene Hälfte zu drängen, und ließen das Spielgerät in den ersten Minuten wie beim Handball um den gegnerischen Strafraum zirkulieren. Die Perser wollten sich dem Tiki Taka des Favoriten allerdings nicht kampflos ergeben und suchten zu ausgewählten Anlässen selbst den Weg nach vorne. Der erste Abschluss gehörte „Team Melli“: Karim Ansarifard setzte einen Flachschuss aus der Distanz deutlich rechts neben das Tor (15.). Die Iberer taten sich in der Anfangsphase schwer, Struktur in ihr Spiel zu bekommen. Die Iraner zogen sich immer weiter zurück, begingen viele kleine Fouls und machten die Schotten dicht. Nach 20 Minuten agierten sie mit einer Sechserkette in letzter Linie und einer Dreierkette wenige Meter davor.

Costa bricht den iranischen Bann

Der erste spanische Schuss aufs Tor ließ fast 25 Minuten auf sich warten. David Silva trat einen Freistoß aus rund 24 Metern allerdings direkt in die Arme des iranischen Keepers Alireza Beiranvand (25.). Das Team vom persischen Golf hatte seine offensiven Ausflüge mittlerweile eingestellt und fokussierte sich beinahe ausschließlich auf das Verteidigen. Nach einer knappen halben Stunde war es erneut Silva, der für etwas Gefahr sorgte. Diego Costa legte den Ball per Kopf auf, der Seitfallzieher des City-Profis geriet zu hoch (30.). Der Weltmeister von 2010 verzeichnete über 80 Prozent Ballbesitz im ersten Durchgang, fand aber einfach keine Lücken im stabil stehenden iranischen Abwehrbollwerk. Nur Silva blieb gefährlich, doch auch seinem abgefälschten Schuss in der Nachspielzeit fehlte ein gutes Stück zum Führungstreffer (45.+2).

Nach dem Seitenwechsel bot sich den Zuschauern in der Kasan-Arena zunächst das altbekannte Bild: Der Iran verteidigte mit Mann und Maus, die Spanier suchten den Weg in den Strafraum. Allerdings wurden die Aktionen beider Teams zielstrebiger. Beiranvand musste gegen Sergio Busquets‘ Direktabnahme parieren (50.) und Ansarifard traf auf der anderen Seite mit einem wuchtigen Versuch nur das spanische Außennetz (53.). Eine Minute später war der Bann dann gebrochen: Costa kam nach einem Zuspiel von Andrés Iniesta an den Ball, setzte zum Drehschuss an und wurde beim Klärungsversuch von Ramin Rezaeian angeschossen. Vom Bein des Stürmers sprang das Spielgerät schließlich ins Tor (54.). Kurz darauf traf Ezatolahi nach einer Freistoßflanke – der Treffer fand wegen einer vorangegangenen Abseitsstellung aber keine Anerkennung (62.).

Irans Schlussoffensive wird nicht belohnt

Nach knappen 70 Minuten wartete Spanien mit einer einfallsreichen Eckballvariante auf, die Iraner schmissen sich kurz vor der Linie gegen den Ball und verhinderten das zweite Gegentor (70.). Wer dachte, „Team Melli“ würde nach dem 0:1 in sich zusammenfallen, sah sich getäuscht. Coach Queiroz ersetzte Ansarifard durch Jahanbakhsh und läutete zur Schlussoffensive (74.). Vahid Amiri verpasste eine Hereingabe von der linken Seite nur haarscharf (76.). Die große Gelegenheit zum Ausgleich bot sich Torabi: Der Mittelfeldspieler kam nach einer Flanke von Amiri aus kurzer Distanz zum Kopfball, setzte den Versuch allerdings knapp über das spanische Gehäuse (82.). In den letzten Minuten gingen dem Iran die offensiven Kräfte aus.

Die Spanier holen verdiente drei Punkte gegen aufopferungsvoll kämpfende Iraner. Damit zieht der frühere Weltmeister mit Portugal an der Spitze der Gruppe B gleich. Spanien kann das Achtelfinale am 25. Juni gegen Marokko perfekt machen, der Iran hat das Weiterkommen im letzten Gruppenspiel gegen Portugal immer noch selbst in der Hand.