Da Costa: „Dann haben wir nichts zu verlieren“

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Die ersten zwei Pflichtspiele der neuen Saison gingen für Danny da Costa und Eintracht Frankfurt in die Hose. Dennoch ist der Außenverteidiger überzeugt davon, dass die Hessen eine gute Runde spielen werden. Im Lattenkreuz-Interview spricht da Costa über das Pokal-Aus, den Spielstil Adi Hütters und seine persönliche Entwicklung.

Erst im vergangenen Jahr war da Costa zur Eintracht gewechselt und legte mit den Frankfurtern eine starke Saison hin, die im DFB-Pokal-Triumph und der damit verbundenen Qualifikation für die Europa League gipfelte. Nach einem Sehnenanriss zu Beginn seiner Zeit in Hessen hatte sich der 25-Jährige in der Rückrunde ins Team gekämpft. Insgesamt blickt da Costa auf bislang 46 Bundesliga-Einsätze zurück. Im Eintracht-Trikot verbuchte der Rechtsverteidiger im vergangenen Jahr sein Premierentor im deutschen Oberhaus beim 1:0 gegen Hannover 96. Da Costas Vertrag in Frankfurt läuft noch bis 2021.

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Wir müssen natürlich über den DFB-Pokal reden. Können Sie das Thema überhaupt noch hören?
Ehrlich gesagt: Nein, kann ich nicht mehr. Ich bin froh, dass inzwischen ein paar Tage vergangen sind. Wir müssen uns jetzt auf die Liga konzentrieren, auf die Aufgaben, die noch vor uns liegen.

Nach dem 1:2 gegen Ulm haben Sie sich als einer der wenigen direkt nach dem Spiel gestellt. Was war die Motivation dahinter?
Es war klar, dass nach dem Spiel nach Erklärungen gefragt werden würde. Die habe ich versucht zu geben. Auch wenn es natürlich schwer war, die richtigen Worte zu finden. Wir dürfen jetzt einfach nicht in Hektik, nicht in Panik verfallen.

Wie sehr belastet diese Niederlage denn noch die Mannschaft? Steckt das Spiel noch in den Köpfen?
In der Mannschaft denken alle ähnlich, wir richten gemeinsam den Blick nach vorne. Natürlich sitzt der Schmerz über das Ausscheiden tief. Nichtsdestotrotz ist das Pokalspiel inzwischen aufgearbeitet. Wir haben uns anschließend im Team schnell darauf verständigt, nicht lange zu hadern, sondern beschlossen, uns jetzt auf die kommenden Aufgaben und zu aller erst auf Freiburg zu konzentrieren.

Was bedeutet die Niederlage gegen Ulm und das 0:5 gegen Bayern im Supercup denn für den Bundesliga-Auftakt?
Ich glaube, es sind zwei völlig unterschiedliche und unabhängige Wettbewerbe. In der Vergangenheit haben wir oft erlebt, dass es umgekehrt läuft: dass eine Mannschaft in der Liga nicht gut spielt, dafür aber im Pokal weit kommt. Wir sind nun im Pokal ausgeschieden, wollen aber trotzdem in der Liga eine gute Rolle spielen. Dafür haben wir die richtigen Lehren aus den ersten beiden Spielen gezogen. Entsprechend wichtig ist jetzt ein positiver Start in die Bundesliga.

Adi Hütter bekannte, viele Beobachter sähen die Eintracht als „Abstiegskandidat Nr. 1“. Für wie dramatisch halten Sie die Situation?
Im vergangenen Jahr wurde doch ähnliches gesagt. Auch damals hatten wir einen Umbruch. Und trotzdem haben wir alle überrascht. Entsprechend gibt es auch jetzt keinen Grund für Untergangsstimmung. Man kann es auch so sehen: Wenn die Erwartungshaltung wirklich derart gering ist, haben wir nichts zu verlieren. Dann können wir ja fast schon nur noch positiv überraschen.

Nach nur zwei Spielen steht Coach Hütter bereits massiv in der Kritik. Wie erleben Sie den Trainer? Verändert ihn dieser Druck?
Ich kann keinen Unterschied erkennen. Er kam im Sommer hoch motiviert zu uns und hat gesagt, dass er sich sehr freut, jetzt bei der Eintracht zu sein und einen Bundesliga-Klub zu trainieren. Seitdem arbeitet er sehr akribisch, spricht viel mit den Spielern und weist uns immer sofort darauf hin, wenn wir etwas besser machen können. Wir dürfen jetzt nicht verzweifeln, sondern müssen konzentriert weiterarbeiten. Und genau das lebt er vor.

Sie haben bereits einige Trainer erlebt, unter anderen Roger Schmidt, Tayfun Korkut, Ralph Hasenhüttl, Niko Kovač und nun Adi Hütter. Welcher hat Ihnen bislang am meisten mitgegeben?
Das lässt sich natürlich nur schwer vergleichen, alle haben ihre ganz eigenen Vorstellungen. Man möchte ja auch keinem Trainer unrecht tun. Wenn ich aber auf meine persönliche Entwicklung schaue, dann habe ich unter Niko Kovač den größten Schritt gemacht. In der vergangenen Hinrunde hatte ich noch Pech, da habe ich verletzt gefehlt. In der Rückrunde wurde es dann immer besser und Niko hat mir das Vertrauen geschenkt. Von Spiel zu Spiel hatte ich ein besseres Gefühl, wurde immer sicherer. Daran hatte der Trainer einen riesen Anteil.

„Es ist ein Prozess, der natürlich eine Weile dauert“ – Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Apropos Kovač: Schafft er es, sich beim FC Bayern durchzusetzen?
Davon bin ich absolut überzeugt. Er ist ein sehr guter Trainer, dem viel Dank für das hier Geleistete gebührt. Ich habe bereits mit einigen Bayern-Spielern gesprochen, die sind ebenfalls von seiner Arbeit überzeugt. Er muss sich jetzt auf diesem Niveau durchbeißen. Die Qualität dafür hat er auf jeden Fall.

Kommen wir zurück zur Eintracht. Ist der von Hütter vorgesehene Offensivfußball nicht das falsche Rezept in der aktuellen Situation?
Er kam im Sommer und sagte, genau das sei seine Art, Fußball spielen zu lassen. Seitdem hat er uns versucht, diese näherzubringen. Es ist ein Prozess, der natürlich dauert. Aber inzwischen tun wir uns immer leichter damit – auch wenn die Ergebnisse das derzeit noch nicht widerspiegeln. Aber deswegen können wir ja jetzt nicht alles über den Haufen werfen.

Zu wie viel Prozent hat die Mannschaft diesen Stil denn bereits verinnerlicht?
Das lässt sich derzeit noch schwer einschätzen. Erst die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie weit wir schon sind.

Der Verein hat im Sommer zahlreiche Leistungsträger verloren. Wie lässt sich ein Kevin-Prince Boateng als Schaltzentrale ersetzen?
Mit ihm hat uns ohne Frage ein wichtiger Spieler verlassen. Kevin-Prince Boateng ist das Paradebeispiel für einen Anführer. Aber ich glaube, wir haben genügend Spieler, die diese Rolle nun übernehmen können. Natürlich ist jeder charakterlich ein bisschen anders. Dennoch werden wir den Verlust als Team auffangen.

Ist der aktuelle Kader schlechter oder besser aufgestellt als der aus der Vorsaison?
Schlechter auf keinen Fall. Wir haben einige Neuzugänge dazubekommen, die ihr Potenzial immer wieder andeuten. Sie brauchen jetzt noch etwas Zeit, um sich an die Mannschaft und den Fußball in Deutschland zu gewöhnen. Aber ihre Zeit wird kommen. Die Mannschaft hat immer noch viel Qualität. Und sie ist in der Lage, so ziemlich allen Teams in der Bundesliga das Leben schwerzumachen.

Lassen Sie uns über Ihre persönliche Situation reden. Sie sind jetzt seit einem Jahr in Frankfurt. Zeit, ein Zwischenfazit zu ziehen…
Wir haben einen Titel gewonnen, so schlecht kann es also nicht gewesen sein (lacht). Den Wechsel zur Eintracht würde ich wieder ganz genauso machen, es war der richtige Weg. Ich bin hierhergekommen, um Woche für Woche spielen zu können. Und das hat weitestgehend geklappt, wenn man mal von meiner Verletzungspause absieht. Ich habe viel gespielt und mich daher in diesem Jahr weiterentwickelt und noch mal einen Schritt nach vorne gemacht.

In den ersten beiden Pflichtspielen haben Sie jeweils durchgespielt. Welche Perspektive hat Adi Hütter Ihnen bei Dienstantritt eingeräumt?
Er musste in den ersten Tagen und Wochen natürlich erst mal einen Eindruck von dem Verein und von der Mannschaft gewinnen. Dazu hat er viel mit den Spielern geredet. Zudem spricht er im Training immer gleich an, wenn er etwas sieht, das er verbessern möchte. Ich hoffe einfach, dass es für mich persönlich so weitergeht. So viele Spiele wie möglich zu machen, ist mein Anspruch. Und ich glaube, dass ich noch Potenzial für eine weitere Entwicklung habe.