Dárdai: „Zu Hause gewinnen, auswärts punkten“

Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Nach einer Woche wie im Rausch schien Pál Dárdai regelrecht froh über den kleinen Tritt auf die Euphoriebremse bei Hertha BSC. Auf dem Weg zu einem Spitzenteam in der Bundesliga sei man nach dem ziemlich biederen 0:0 beim 1. FSV Mainz 05 dennoch voll im Soll.

„Du musst die Heimspiele gewinnen und auswärts punkten“, sagte Dárdai. „Dann bleibst du automatisch oben.“ Was nach dem Sieg gegen FC Bayern München (2:0) passiert war, sei „nicht ganz koscher“ gewesen. Und so trauerten die Berliner der vertanen Chance, mit einem weiteren Dreier noch lauter als bisher große Ambitionen anzumelden, gar nicht lange nach. Obwohl man trotz spielerischer Unterlegenheit die besseren Chancen gehabt hatte. Und obwohl zwischenzeitlich sogar ein Sprung an die Tabellenspitze gewinkt hatte, sprachen auch die Spieler anschließend von einem „Punkt, den wir mitnehmen“ (Marvin Plattenhardt), mit dem man „zufrieden sei“ (Valentino Lazaro) und „gut leben“ (Niklas Stark) könne.

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Das überragende Spiel gegen die Bayern, das stellten alle Herthaner immer wieder heraus, sei nicht so leicht zu verarbeiten gewesen. „Es war nicht einfach, das aus den Köpfen zu bekommen“, sagte Dárdai und Abwehrchef Stark bekannte, dass es „etwas völlig anderes“ sei, nach so einem Highlight-Duell in Mainz anzutreten. „Gegen Bayern steckt man von der ersten bis zur letzten Sekunde die ganze Kraft rein“, erklärte der Innenverteidiger. „Hier wird dann nicht jede gelungene Aktion euphorisch bejubelt.“ Mit dem kleinen Strauchler nach dem großen Sieg, befindet sich die Hertha ohnehin in bester Gesellschaft. Von den letzten zwölf Mannschaften, die in der Bundesliga die Münchner bezwangen, konnte nur RB Leipzig in der Vorsaison sein darauffolgendes Spiel gewinnen.

Mainz kann mit Punkt gegen Berlin leben

Dárdai jedenfalls freute sich uneingeschränkt über den Punktgewinn und hoffte auf neue Impulse während der Länderspielpause. „Andere Mitspieler, anderer Trainer, andere Gegner“, sagte er. „Da kommst du mit einer mentalen Frische zurück.“ Bereit auch für neue Großtaten. Zufrieden waren mit dem Ergebnis am Ende auch die Mainzer, obwohl sie zum vierten Mal in Folge ohne eigenen Treffer geblieben waren. „Wir verfallen nicht in Panik“, sagte Sportvorstand Rouven Schröder. Trainer Sandro Schwarz meinte: „Wenn du das Torverhältnis von 4:4 siehst, denkst du, wir parken den Bus vor dem Tor. Aber so ist es nicht.“ Ohnehin sei es wichtig, das Unentschieden gegen den Gegner aus der Hauptstadt als Punktgewinn einzuordnen, wie Schröder meinte: „Denn Hertha ist auf dem Weg nach oben.“

Schwarz übte nach einem nicht gegebenen Foulelfmeter scharfe Kritik am Video-Schiedsrichter. „Wenn du diese Situation nicht siehst, dann brauchst du das auch nicht. Sonst regst du dich nur darüber auf“, sagte der 39-Jährige, der Haupt-Schiedsrichter Daniel Schlager derweil keinen Vorwurf machen wollte. Der Mainzer Youngster Jonathan Burkhardt war in der 43. Spielminute in den Sechzehner eingedrungen und dort von Per Skjelbred elfmeterreif zu Fall gebracht worden. „Das ist eine glasklare Fehlentscheidung“, sagte Schwarz und forderte eine deutlichere Regelung für die Interventionen aus der Video-Schiedsrichter-Zentrale: „Es muss klar sein: In Köln müssen sie eingreifen.“