Delaney wird zur Schlüsselfigur im BVB-Mittelfeld

Foto: Ronny Hartmann/AFP/Getty Images

Obwohl Thomas Delaney erst in diesem Sommer vom SV Werder Bremen zu Borussia Dortmund gewechselt ist, nimmt der Däne bei den Schwarz-Gelben bereits nach wenigen Wochen eine Schlüsselrolle im Aufbauspiel ein. Ein Blick auf Delaneys Karriere zeigt, dass diese Rolle jedoch nichts Neues für ihn ist.

Mit einem Vater als Spielerberater ist der Weg zumindest zu Beginn schon klar vorgegeben: Delaney, 1991 geboren in Frederiksberg, eine wohlhabende Stadt bei Kopenhagen, ist ausgestattet mit der dänischen und der amerikanischen Staatsbürgerschaft. Er begann seine Fußballkarriere in der Jugend des Kjøbenhavns Boldklub, dessen Profimannschaft mit dem FC Kopenhagen fusioniert. Delaney wurde zur Saison 2009/2010 erstmals in den Profikader des dänischen Hauptstadtklubs berufen und spielte dort bis zum Januar 2017. Mit Kopenhagens A-Mannschaft wurde er viermal dänischer Meister und dreimal Pokalsieger, spielte sowohl Europa als auch Champions League. In Kopenhagen ist er längst eine Legende, der Verein widmete ihm bereits eine 45-minütige Dokumentation und ließ ihn zum Saisonende, als Delaney schon bei Werder Bremen spielte, mit einem Helikopter und dem Meisterschaftspokal in das Stadion des Klubs einfliegen. Trotzdem war er zum Jahresbeginn 2017, als sein Wechsel zu Werder Bremen erfolgte, außerhalb der dänischen Liga kaum jemandem bekannt.

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Spätestens nach seinen ersten beiden Spielen im Werder-Trikot – gleich gegen den FC Bayern München und Borussia Dortmund – war Delaneys Name aber auch der Bundesliga ein Begriff. Werder verlor zwar beide Spiele, der Neuzugang aus Dänemark allerdings konnte seine Qualitäten bereits andeuten. „Ich möchte ein Anführer sein“, ließ Delaney gleich zum Start verlauten. Seinen Worten ließ er auf dem Platz umgehend Taten folgen. Auch dass Delaney schon nach einem halben Jahr von seinem damaligen Trainer Alexander Nouri zwischenzeitlich zum Mannschaftskapitän ernannt wurde, sagte einiges über sein Standing innerhalb der Mannschaft aus. Schnell war er trotz oder vielleicht sogar aufgrund seines aggressiven Führungsstils ein Sympathie- und vor allem Leistungsträger bei Werder.

Ducken verboten

Starkes Pressing, aggressive Zweikampfführung aber auch eine hervorragende Übersicht zeichnen das Spiel des 27-Jährigen aus. Am Ende der letzten Saison betrug Delaneys Passquote zwar lediglich 72 Prozent, der Wert ist aber vor allem darauf zurückzuführen, dass der Däne kaum Sicherheitspässe spielt – er geht am liebsten ins Risiko. Das trifft auch auf Delaneys Wechsel nach Dortmund zu. Auch wenn die BVB-Führungsriege um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc nach der unzufriedenstellenden Saison der Dortmunder schnell klarmachte, dass sie genau jemanden wie Delaney suchen – einen aggressiven Kämpfer und Leader –, so ist dies keine Garantie, sich als Stammspieler bei einem Verein wie dem BVB zu etablieren.

Bei Werder lief zwar alles nach Plan, Delaney aber wollte mehr. Mehr Siege, mehr Spiele, mehr internationale Auftritte – der Wille, immer oben zu stehen, eruiert aus seiner Zeit in Kopenhagen. Bisher geht der Deal für beide Seiten auf: Der BVB liefert die Champions League und Delaney die Grätschen. In sechs der bisherigen sieben Pflichtspiele wurde der Däne eingesetzt, Delaney scheint sich eingefunden zu haben in der Mannschaft und im Verein. Das dadurch gewonnene Selbstbewusstsein trägt der Mittelfeldspieler mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit auf den Platz. Noch ist es jedoch zu früh in der Saison, um finale Schlüsse zu ziehen. Ducken wird sich Thomas Delaney auf jeden Fall nicht.