Der BVB will Wiedergutmachung leisten

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Bundesligist Borussia Dortmund strebt auch in der laufenden Saison wieder hohe Ziele an. Der BVB will endlich wieder attraktiven Fußball spielen und seiner Rolle als erster Jäger von Rekordmeister FC Bayern München gerecht werden.

Was war das für ein Jahr? Diese Frage stellten sich viele Fans der Westfalen am Ende der abgelaufenen Spielzeit. Und in der Tat legte der BVB eine Runde hin, die der Verein am liebsten aus seiner Geschichte streichen würde. Unter Tuchel-Nachfolger Peter Bosz lief es unrund, unter Peter Stöger noch mehr. Im DFB-Pokal war im Achtelfinale beim FC Bayern (1:2) Endstation, in der Champions League schon nach einer sehr durchwachsenen Gruppenphase und in der Europa League ebenfalls im Achtelfinale gegen den FC Red Bull Salzburg. In der Liga reichte es zum Saisonende mit Mühe und Not noch für Tabellenplatz vier.

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Mit Lucien Favre soll nun alles besser werden. Sein Pflichtspiel-Debüt setzte der Schweizer mit seiner Mannschaft allerdings um Haaresbreite in den Sand. Bei der SpVgg Greuther Fürth bewahrten Neuzugang Axel Witsel und Kapitän Marco Reus den BVB mit zwei sehr späten Toren in der regulären Spielzeit beziehungsweise der Verlängerung vor einem peinlichen Ausscheiden in Runde eins des DFB-Pokals. Vom Schweizer wird erwartet, dass er den Westfalen wieder mehr Kreativität und Tempo einhaucht. Zwei Attribute, die die Borussia unter Stöger noch vermissen ließ.

Neuzugänge kosteten viel Geld

Um wieder attraktiveren und erfolgreicheren Fußball zu spielen, griff Dortmund im Sommer tief in die Tasche. Innenverteidiger Abdou Diallo kam vom 1. FSV Mainz 05 (28 Millionen Euro), Mittelfeldmotor Thomas Delaney vom SV Werder Bremen (20 Millionen Euro), WM-Fahrer Witsel von Tianjin Quanjian (20 Millionen Euro) und Senkrechtstarter Marius Wolf von Eintracht Frankfurt (5 Millionen Euro). Drei der Zugänge standen in Fürth in der Startelf, der Belgier Witsel wurde eingewechselt. Bei aller Qualität, die die neuen Spieler mitbringen, haben sie alle eines gemeinsam: sie sind keine Stürmer.

Im Angriff hat der BVB nach wie vor seine größte Baustelle. Es gibt im Kader nach dem Abgang von Pierre-Emerick Aubameyang (FC Arsenal) und dem Ende der Ausleihe von Michy Batshuayi (FC Chelsea) keinen nominellen Neuner mehr. Maximilian Philipp kann diese Position spielen, ist aber eigentlich auf dem Flügel zu Hause. Reus startete in Fürth im Sturmzentrum, kann seinen Spielwitz und seine Ideen dort aber nicht zu einhundert Prozent entfalten. Nach dem Auftritt bei den Franken wird immer wahrscheinlicher, dass die Westfalen im Sturm personell noch etwas tun. Derzeit geistern die Namen von Paco Alcácer (FC Barcelona), Ex-Kölner Anthony Modeste (Tianjin Quanjian) und Divock Origi (FC Liverpool) durch die BVB-Gerüchteküche. Noch bleiben den Verantwortlichen neun Tage, um die schier endlose Suche nach einem Mittelstürmer erfolgreich abzuschließen.

Champions League muss das Ziel sein

Trotz der Schwäche im Angriff zählt der BVB-Kader zu den stärksten der gesamten Liga. Der zweite Platz muss das erklärte Ziel der Schwarz-Gelben sein. Der FC Bayern wird auch in diesem Jahr schwer einzuholen sein. Den Anspruch, wieder zweite Kraft zu werden, muss der BVB allerdings haben. Noch wichtiger als die Platzierung am Ende – vorausgesetzt sie ermöglicht die Teilnahme an der Champions League – ist jedoch die Art und Weise, mit der die Westfalen auftreten. Die Fans des BVB wollen endlich wieder attraktiven Fußball in ihrem Westfalen-Stadion sehen und stolz auf die Mannschaft sein können. Das ist es, was wirklich zählt.