Der DFB sucht den Maulwurf

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Reinhard Grindel war in Eile, das half dem DFB-Präsidenten dabei, die brisante Frage nach dem „Maulwurf“ im Deutschen Fußball-Bund abzubügeln. Er ließ aber durchblicken, dass die Debatte über die geleakten E-Mails, die vor allem ihn in ein schlechtes Licht rücken, längst nicht abgeschlossen ist.

„Das ist eine ziemlich absurde Diskussion“, sagte der 56-Jährige nach dem Länderspiel gegen Peru (2:1). „Intern, nicht in der Öffentlichkeit“ werde das besprochen, betonte Grindel. Wer dem Spiegel den E-Mail-Verkehr zwischen Grindel, dessen Vize Rainer Koch und Generalsekretär Friedrich Curtius, in dem Grindel ein mindestens eigenwilliges Verhältnis zur Fanszene offenbart, zugespielt hat, dürfte für den früheren Bundestagsabgeordneten von hoher Bedeutung sein.

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Schließlich wird in weniger als drei Wochen in Nyon die EM 2024 vergeben, der einzige Konkurrent des DFB ist der türkische Verband TFF. Von der Entscheidung des Exekutivkomitees der UEFA könnte dem Vernehmen nach Grindels weitere Zukunft an der DFB-Spitze abhängig gemacht werden – ein Scheitern wäre nach dem WM-Debakel die nächste, riesige Enttäuschung. Wie sehr beim DFB alles auf den 27. September ausgerichtet ist, wurde am Montag erneut deutlich, als Grindel betonte, dass auch die Vertragsverlängerung mit dem Sportartikelhersteller adidas bis 2026 ein „wichtiges Signal“ sei, dass der DFB den „Anforderungen an einen Turnierausrichter“ gerecht werde.

„Dieser Mann war und ist untragbar“

Die bis zu 18 UEFA-Funktionäre, die derzeit wohl leicht in Richtung DFB tendieren, dürfte der genaue Inhalt der geleakten Mails zwar nicht unbedingt interessieren. Grindel hat offenbar auch aus Furcht vor möglichen Störungen durch die Eintracht-Ultras das Peru-Spiel von Frankfurt am Main nach Sinsheim verlegen lassen. Dass jemand aus dem vielleicht sogar inneren Kreis versucht, dem Amtsinhaber massiv zu schaden, offenbart aber tatsächlich absurde Ränkespiele innerhalb des weltgrößten Fußballeinzelverbandes, der sich als perfekter Gastgeber präsentieren will.

Die Frankfurter Fanszene forderte am Sonntag schon Grindels Rücktritt. „Kein ernstzunehmender Fanvertreter kann mit einem Verband unter diesem Präsidenten auch nur ein weiteres Wort wechseln. Dieser Mann war und ist untragbar“, schrieb der Nordwestkurve-Rat. Grindels „Panik“ sei „völlig realitätsfern“. Auch die Eintracht wird sich noch beim DFB melden. „Irritierend und daher auch erklärungsbedürftig“ seien einige Passagen aus dem Mailverkehr, teilte der Klub mit.

Leipzig-Spiel als Auslöser?

Hintergrund von Grindels Bedenken war unter anderem eine Protestaktion der Frankfurter Fans vor dem Anpfiff eines Montagsspiels gegen RB Leipzig Mitte Februar. Der Klub hatte seine Anhänger bei einem friedlichen Platzsturm gewähren lassen. „Ich halte das Risiko, dass wir bei dem Länderspiel ein Desaster erleben und dies kurz vor der Euro-Vergabe negative Auswirkungen hat, einfach für zu hoch, weil für mich die Frankfurter Ultraszene viel zu unberechenbar ist“, schrieb Grindel an Koch und Curtius neun Tage später. Koch, der sich am Sonntag dagegen verwehrte, selbst die Quelle des Magazins zu sein, hatte Grindel kurioserweise in seiner Mail davor gewarnt, dass „insbesondere gegen dich persönlich“ Stimmung gemacht werden könne, sollte rauskommen, dass Frankfurt wegen der Ultras abgelehnt worden sei. „Es bleibt ja nichts geheim“, schrieb der DFB-Vize. Grindel antwortete, dass er das für „abwegig“ halte. Er hatte unrecht.