Der FC im offenen Konflikt mit seinen Ultras

Kaum ein anderer deutscher Verein hat mit seinen Fans so häufig gravierende Probleme wie der 1. FC Köln. Seit Jahren benehmen sich Teile der sogenannten „aktiven Fanszene“ immer wieder daneben, was für den Klub teils saftige Geldstrafen zur Folge hat. Ein Überblick über einen zwischen Klubspitze und Anhängerschaft verwurzelten Streit, der zur absoluten Unzeit seinen Höhepunkt erreicht.

Vor knapp zwei Wochen veröffentlichte das Klub-Präsidium eine von Geschäftsführung, Beirat und Teilen des Mitgliederrates unterzeichnete Stellungnahme. In diesem warfen die Verantwortlichen der Ultra-Szene wiederholte, massive Verstöße gegen Absprachen und Sicherheitsvorschriften vor. Zudem wird bemängelt, dass die Gruppierungen nach Sanktionen gegen einzelne Mitglieder den Dialog mit dem Verein abbrachen. Zwei Personen aus dem Vorstand der „Südkurve 1. FC Köln e.V.“ wurden derweil namentlich erwähnt, was prompt die Initiative ProFans auf den Plan rief.

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Die Historie des Fehlverhaltens der Kölner Fangruppen ist lang. Im Februar 2015 stürmten Ultras in Maleranzügen das Derby gegen Borussia Mönchengladbach. Im April 2017 wurde Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp auf einem Banner („Vater Nazi, Mutter Hure“) in indiskutabler Weise beleidigt. Absoluter Tiefpunkt war das Europa League-Spiel bei Roter Stern Belgrad im Dezember, als mitgereiste „Fans“ mit Pyrotechnik um sich schossen. Hinzu kommen andauernde Vergehen mit Feuerwerkskörpern oder Randalen wie vor etwas mehr als zwei Wochen in Frankfurt.

Entschlossen vorgehen

Der FC hat nun ein deutliches Zeichen gesetzt und klar gemacht, sich das Verhalten dieser Sorte Anhänger nicht länger bieten lassen zu wollen. Der Express berichtete im Dezember, in Belgrad wurden Tage vor der Partie anlässlich des 21. Geburtstags der „Wilden Horde“ massenweise Pyrotechnik, Böller und dergleichen über die Grenze geschleust. Beamte sollen bestochen worden sein, im Stadion wurden unter anderem Sitze angezündet. Kein Verein kann dieses Benehmen dulden.

Nun gibt es im deutschen Fußball seit langer Zeit die Diskussion über Kollektivstrafen gegen Fans. Der DFB verhängt solche von Zeit zu Zeit beispielsweise in Form eines Geisterspiels, doch für gewöhnlich beschränken sich die Sanktionen seitens der Vereine auf Stadionverbote gegen einzelne Übeltäter. Hinzu kommen eventuelle zivilrechtlichte Strafen. Nach mittlerweile unzähligen Ausschreitungen und Verfehlungen sind jedoch auch Strafen gegen größere Gruppen denkbar.

Stimmung ist nicht gefährdet

Oft wird von Seiten der Fan-Verbände bemängelt, sie würden von den Klubs zu sehr kontrolliert. So ist in Köln etwa eine Anmeldung und Genehmigung nötig, wenn eine Choreografie aufgeführt werden soll. Für Aufregung sorgte ein Vorfall nach dem Spiel gegen Hoffenheim: Die Polizei durchsuchte einen Raum im Stadion, der dem Fan-Projekt der Ultra-Gruppen zur Vorbereitung der Choreo zur Verfügung gestellt wurde. Dabei wurde eine Fahne beschlagnahmt. Im Nachgang warfen die Mitglieder von „Südkurve 1. FC Köln e.V.“ dem Verein vor, nicht gegen diese Durchsuchung vorgegangen zu sein. Das wäre allerdings auch gar nicht möglich gewesen – das Stadion gehört der Kölner Sportstätten GmbH.

Mit der veröffentlichten Stellungnahme riskiert der FC den engültigen Bruch mit den problematischen Teilen der Anhängerschaft. Einigen „normalen“ Fans wird auch nicht gefallen, dass die Klubspitze die Ultras öffentlich an den Pranger stellt. Doch eindeutige, öffentliche Positionierung ist das einzige wirksame Mittel, denn durch die letzten Vorfälle ist das Image der Kölner Fans ohnehin schon schlecht genug. Zudem ist unwahrscheinlich, dass die Vorgehensweise der Stimmung im Stadion schadet. Die ist seit Saisonbeginn bestens, trotz der sportlichen Krise, in der sich die Kölner derzeit befinden.