Derbi madrileño und das wechselnde Momentum

Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Am Samstagabend (20.45 Uhr) kommt es in der spanischen La Liga einmal mehr zum großen Stadtderby zwischen Real Madrid und Atlético Madrid. Die Vorzeichen haben sich in der englischen Woche gedreht: Die „Königlichen“ müssen nur drei Tage nach der jüngsten Ernüchterung im Spitzenspiel antreten.

Reals Saisonstart war zunächst nach Plan verlaufen: Die „Blancos“ holten vier Siege aus den ersten fünf Ligaspielen und blieben ungeschlagen. Nur durch die Tordifferenz vom FC Barcelona getrennt standen die Madrilenen auf dem zweiten Rang. Zumindest Letzteres ist immer noch der Fall – das königliche Selbstverständnis musste am Mittwochabend aber einen herben Tiefschlag einstecken. Das „Weiße Ballett“ unterlag beim FC Sevilla mit 0:3, Real war vor allem in der ersten Hälfte chancenlos. Die „Sevillistas“ fanden immer wieder Lücken in der Madrider Hintermannschaft, offensiv lief bei Gareth Bale, Karim Benzema & Co. auch nicht viel zusammen. Der Ausfall von Isco (Blinddarmentzündung) wog schwerer als erwartet.

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Bei Atlético ist die Stimmungslage vor dem prestigeträchtigen Hauptstadt-Duell ungleich besser: Die „Colchoneros“ bezwangen die SD Huesca am späten Dienstagabend souverän mit 3:0 und setzten sich auf den dritten Tabellenplatz. Damit rückten sie in Schlagdistanz zu Barça und Real. Am siebten Spieltag wollen die „Blanquirrojos“ nun auch tatsächlich zuschlagen und die Steilvorlage des Erzrivalen verwerten. Dabei sah es bis vor Kurzem nicht so aus, als könnte Atlético Real in absehbarer Zukunft tabellarisch gefährlich werden. Die Mannschaft von Trainer Diego Simeone hatte Anlaufschwierigkeiten und startete mit nur fünf Punkten aus den ersten vier Partien in die neue La Liga-Saison.

Atlético mit dem psychologischen Vorteil

Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison, dass die Machtverhältnisse in der spanischen Hauptstadt wechseln könnten: Die beiden Spitzenteams trafen sich vor dem Ligastart bereits im Rahmen des UEFA-Supercups. Diego Costa hatte Atlético Mitte August bereits in der ersten Minute in Führung gebracht, Benzema und Sergio Ramos drehten die Partie aber zwischenzeitlich. Costa schnürte einen Doppelpack und führte die Verlängerung herbei, in der Saúl Ñíguez und Koke platte „Blancos“ besiegten. Es ging über 120 Minuten bei beiden Mannschaften auf und ab, die Vorteile wechselten teilweise im Minutentakt. Sollte diese Partie ein Versprechen gewesen sein, können sich die Zuschauer im Estadio Santiago Bernabéu auf Spektakel freuen.

Real gegen Atlético – das ist auch Ramos gegen Diego Godín, Bale gegen Antoine Griezmann, Benzema gegen Costa und Luka Modrić gegen Koke. Der psychologische Vorteil liegt bei den Gästen: Die „Matratzenmacher“ treten als formstarker Herausforderer an, mit einem Sieg könnten sie in der Tabelle am amtierenden Champions League-Sieger vorbeiziehen. Die Hausherren dürfen dagegen ob der Pleite in Sevilla nicht allzu sehr ins Grübeln kommen: Der neue Trainer Julen Lopetegui hat nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt und fuhr damit eigentlich gut. Die madrilenische Krone wird am Samstag wieder mal vergeben – und selten machten die Voraussetzungen derart gespannt.