Deutscher WM-Fehlstart gegen Mexiko

Die deutsche Nationalmannschaft hat ihren Auftakt in die Fußball-Weltmeisterschaft verpatzt. Die DFB-Elf musste sich Mexiko nach einer weitestgehend schwachen Leistung mit 0:1 (0:1) geschlagen geben. Damit steht der Titelverteidiger bereits im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden am 23. Juni unter Druck.

Bundestrainer Joachim Löw nahm zwei Wechsel an seiner Anfangsformation nach dem 2:1 gegen Saudi-Arabien vor. Mesut Özil rückte für Marco Reus ins offensive Mittelfeld und Marvin Plattenhardt musste den kurzfristig erkrankten Kölner Jonas Hector (grippaler Infekt) auf der Position des Linksverteidigers ersetzen. Mexikos Coach Juan Carlos Osorio setzte auf Carlos Salcedo (Eintracht Frankfurt) und veränderte seine Startelf gegenüber dem 0:2 in Dänemark auf vier offensiven Positionen: Miguel Layún, Carlos Vela, Hirving Lozano und Javier Hernández begannen anstelle von Jonathan dos Santos, Giovani dos Santos, Jesús Corona sowie Oribe Peralta. Außerdem liefen die Mexikaner im 4-2-3-1-System statt im 4-1-4-1 auf.

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Die Partie nahm direkt ordentlich Fahrt auf. Lozano steckte auf Vela durch, dessen Schuss wurde von Jérôme Boateng im letzten Moment noch geblockt (1.). Auch die anschließende Ecke sorgte für Gefahr, Schlussmann Manuel Neuer packte allerdings beherzt zu (2.). Nur kurz darauf traten die Deutschen erstmals offensiv in Erscheinung: Joshua Kimmich schickte Timo Werner in den mexikanischen Sechzehner, der Leipziger verfehlte aus spitzem Winkel das lange Eck (3.). In der Folge waren Mats Hummels für die DFB-Elf (7.) und Layún (9.) sowie Héctor Herrera (11.) auf der anderen Seite zu unpräzise. Die Mexikaner machten dem Weltmeister das Leben schwer und fanden immer wieder Lücken im deutschen Mittelfeld. Neuer musste nach einem Kopfball von Héctor Moreno retten (14.).

DFB-Elf zu fehleranfällig, Mexiko kontert zur Führung

Nach einer Viertelstunde brachte Kimmich eine Flanke von rechts in die Mitte, der Frankfurter Salcedo lenkte den Ball beinahe ins eigene Tor (15.). Julian Draxlers Abschluss wenige Sekunden später stellte Mexikos Keeper Guillermo Ochoa vor keine großen Probleme (16.). Kurz darauf bediente erneut Kimmich Werner im Strafraum, dessen Drehschuss aus aussichtsreicher Position zu harmlos geriet (20.). Den Deutschen mangelte es an Präzision, auch der Distanzversuch von Toni Kroos war zu zentral (23.). Die „El Tri“ stand defensiv solide und setzte nach vorne immer wieder Nadelstiche, die die deutsche Hintermannschaft in arge Bedrängnis brachten. Mexiko spielte seine Angriffe allerdings nicht konsequent zu Ende.

Die Lateinamerikaner kontrollierten die Partie über weite Strecken der ersten Halbzeit. Der Titelverteidiger leistete sich zu viele Unsicherheiten und Fehler im Aufbauspiel. Oftmals fehlten den Mexikanern lediglich Nuancen, um frei vor Neuer aufzutauchen. In der 35. Minute gelang es ihnen dann: Sami Khedira verlor den Ball kurz vorm gegnerischen Sechzehner, die Mexikaner schmissen den Turbo an und überflügelten das löchrige deutsche Mittelfeld zügig. Am Ende ließ Lozano Özil aussteigen und vollendete wuchtig ins kurze Eck (35.). Die DFB-Elf war um die schnelle Antwort bemüht, Kroos setzte einen direkten Freistoß aus 20 Metern an die Latte (39.). Deutschland wurde offensiv engagierter und bekam mehr Kontrolle in das Geschehen, der Ausgleich vor der Pause blieb aber aus. Mexiko kam durch Vela noch zu einer Schusschance (45.).

Deutschland mit Kontrolle, es mangelt an Kreativität

Deutschland agierte nach dem Seitenwechsel spielbestimmend, ohne sich jedoch große Möglichkeiten zu erarbeiten. Plattenhardt probierte es aus der Distanz, das Spielgerät landete in Ochoas Armen (48.). Dem Favoriten fehlte weiterhin die gewohnte Ballsicherheit. Löws Mannschaft ackerte sich aber nach und nach in die Partie hinein und verschob das Geschehen zunehmend in die mexikanische Hälfte. Draxlers Abschluss von halblinks wurde knapp neben das Tor abgefälscht (55.). Mexiko blieb gefährlich, Hernández und Vela spielten einen vielversprechenden Konter nicht sauber genug aus (57.). Der Bundestrainer sorgte für mehr Offensive im Personal und brachte Reus für Khedira (60.). Kimmichs Fallrückzieher nach guter Hereingabe von Boateng senkte sich auf das mexikanische Gehäuse, Ochoa musste nicht eingreifen (65.).

Wenig später visierte Draxler den langen Pfosten an, sein Versuch wurde noch zur Ecke gelenkt (67.). Reus brachte frischen Wind in das behäbige deutsche Spiel, sein Volleyschuss aus spitzem Winkel verfehlte das Ziel allerdings (72.). Kroos traf mit einem Schlenzer aus 18 Metern knapp rechts neben das Tor (76.), Draxlers Abschluss im Strafraum wurde zum wiederholten Male zur Ecke geklärt (77.). Knappe zehn Minuten vor Schluss warf Löw alles nach vorne und ersetzte Linksverteidiger Plattenhardt durch Mittelstürmer Mario Gómez (79.). Deutschland war spürbar am Drücker, die ganz klaren Gelegenheiten blieben der DFB-Elf aber verwehrt. Stattdessen vergab Layún nach einem Konter die Entscheidung (82.).

Mexikos Defensive hält deutschem Angriff stand

Die Möglichkeiten der deutschen Mannschaft beschränkten sich zumeist auf Schüsse aus der Entfernung. Ochoa hatte mit dem Versuch von Kroos (84.) genauso wenig Mühe wie mit den Vorherigen. Knappe fünf Minuten vor dem Ende zog Löw seinen letzten Joker und brachte Julian Brandt für den leicht angeschlagenen Werner (86.). Gómez konnte seinen Kopfball nach präziser Flanke von Kimmich nicht vernünftig platzieren (87.). Deutschland machte weiter Druck: Erst rettete Ochoa gegen Gómez (89.), dann touchierte Brandts Fernschuss den linken Pfosten (89.). Die Deutschen versuchten alles, investierten in der Schlussphase eine Menge und mussten sich letztlich doch verdientermaßen geschlagen geben.