Deutschland besiegt Peru mit 2:1

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Die deutsche Nationalmannschaft feierte am Sonntagabend einen 2:1-Erfolg gegen Peru und setzte den Neuaufbau nach dem WM-Debakel fort. Den Siegtreffer erzielte ausgerechnet Neuling Nico Schulz.

Bundestrainer Joachim Löw schickte im Vergleich zum 0:0 gegen Frankreich fünf neue Spieler von Beginn an ins Rennen: Marc-André ter Stegen, Niklas Süle, Debütant Schulz, İlkay Gündoğan und Julian Brandt ersetzten Manuel Neuer (Bank), Mats Hummmels (Achillessehnenprobleme), Antonio Rüdiger (Bank), Leon Goretzka (Bank) und Thomas Müller (Bank). Perus Coach Ricardo Gareca bot mit Luis Advíncula (TSG 1899 Hoffenheim) und Kapitän Jefferson Farfán (FC Schalke 04) zwei ehemalige Bundesliga-Profis auf.

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Die deutsche Nationalmannschaft und ihre organisierten Fans nutzten die Gelegenheit und setzten ein Zeichen gegen Rassismus. Bei einer Choreographie vor dem Anpfiff in der Hoffenheimer Südkurve zeigte der „Fanclub Nationalmannschaft“ des DFB neben einer Deutschland-Blockfahne ein Banner mit der Aufschrift „#wirsindmehr“. Die Aktion sei „in Abstimmung mit dem Team“ geplant gewesen, teilte der DFB auf Anfrage mit. Die Mannschaft verbreitete ein Foto der Choreographie über ihre digitalen Kanäle. Mit dem Slogan #wirsindmehr stellten sich nach den Vorkommnissen in Chemnitz viele Bundesbürger gegen Rassismus.

Peru trifft aus dem Nichts – Brandt schlägt zurück

Die DFB-Elf begann spielstark und offensiv: Gündoğan steckte in den Strafraum auf Marco Reus durch, der Dortmunder scheiterte an Perus herauseilendem Keeper Pedro Gallese (2.). Deutschland präsentierte sich in der Anfangsphase durchaus zielstrebig, es fehlte aber oftmals die letzte Präzision. Außerdem zeigte der viermalige Weltmeister die ein oder andere Nachlässigkeit im Zweikampfverhalten und ließ Peru so ins Spiel kommen. Tormöglichkeiten boten sich zunächst allerdings nur den Gastgebern: Matthias Ginter kam nach einer Ecke von Toni Kroos völlig frei zum Kopfball, setzte diesen aber direkt auf Gallese (13.). Nach einer Viertelstunde schienen die Deutschen das Geschehen in den Griff zu bekommen.

Nach einem peruanischen Fehler im Aufbauspiel bediente Timo Werner Reus, der den Ball aus 15 Metern nicht voll traf und das Tor verfehlte (20.). In einer Phase, in der Deutschland eigentlich dominierte, gingen die Südamerikaner in Führung: Advíncula setzte sich auf dem rechten Flügel gegen den unglücklichen Schulz durch und auch ter Stegen sah beim anschließenden Schuss aufs kurze Eck nicht besonders gut aus (22.). Deutschland ließ sich vom Rückstand nicht aus dem Konzept bringen und schlug postwendend zurück. Kroos fand Brandt rechts im Sechzehner und der Bayer-Profi konnte Gallese trotz unsauberer Ballannahme überwinden (25.). Der schnelle Ausgleich verschaffte Löws Mannschaft eine Spur mehr Sicherheit.

Chancenverwertung weiterhin mangelhaft

Im Offensivspiel taten sich die Deutschen aber weiterhin schwer. Einigen vielversprechenden Angriffen mangelte es an Konsequenz, oft war noch ein peruanisches Bein dazwischen. Zehn Minuten vor der Halbzeit hatte Werner dann das 2:1 auf dem Fuß: Eingesetzt vom spielfreudigen Gündoğan fand der Leipziger aus aussichtsreicher Position seinen Meister in Gallese (35.). Drei Minuten später ereilte Gündoğan selbst nach feinem Zuspiel von Reus dasselbe Schicksal (38.). Die DFB-Elf kombinierte phasenweise ansehnlich, in puncto Chancenverwertung war aber keine Besserung zur WM zu erkennen. Auf der Gegenseite verbuchte Yoshimar Yotún den zweiten Torschuss für Peru (41.). Ter Stegen parierte sicher, kurz darauf war Pause.

Löw wechselte bereits zur Halbzeit zweimal: Julian Draxler und Rüdiger ersetzten Reus und Jérôme Boateng (46.). Die Peruaner wurden direkt nach Wiederanpfiff gefährlich. Nach einer scharfen Hereingabe von Miguel Trauco setzte Raúl Ruidíaz den Ball aus kurzer Distanz über das deutsche Gehäuse (48.). Nur wenig später musste ter Stegen bei einem Kopfball von Pedro Aquino retten (54.). Peru agierte nun spielbestimmend, Deutschland konterte: Werner lupfte den Ball nach schönem Pass von Brandt über Gallese – aber auch über das Tor (56.). Das Spiel nahm gewaltig an Fahrt auf. Advíncula bediente Farfán aus dem rechten Halbfeld, der peruanische Spielführer verpasste den erneuten Führungstreffer aus etwa zehn Metern (58.).

Schulz beschert DFB-Elf den Sieg

„La Blanquirroja“ war dem 2:1 nach einer Stunde näher als die deutsche Mannschaft. Das Spiel verflachte in der Folge aber wieder ein wenig, Löw reagierte und brachte Nils Petersen für Brandt (70.). Zwei Minuten später feierte Thilo Kehrer sein Länderspiel-Debüt (72.). Ginter verließ für den PSG-Profi den Platz. Nach einem Freistoß von Kroos herrschte kurz Konfusion in Perus Strafraum, Petersens Direktabnahme strich knapp am linken Pfosten vorbei (74.). Zehn Minuten vor Ende zielte Draxler aus der Distanz etwas zu hoch (83.). Deutschland erhöhte in der Schlussphase noch mal den Druck und wurde belohnt: Schulz versuchte es von der Strafraumgrenze per Flachschuss, Gallese rutschte der eigentlich harmlose Ball durch (85.).

Wenig später umkurvte Werner den peruanischen Schlussmann, traf aber aus spitzem Winkel nur das Außennetz (87.). Danach durfte Werner duschen gehen – mit Kai Havertz feierte auch der dritte Neuling sein Debüt (88.). Die letzten Minuten verliefen größtenteils ereignislos. Deutschland war mit dem Ergebnis zufrieden, Peru fehlten die Kräfte. Die DFB-Elf offenbarte zwei große Probleme, die bereits zum Vorrunden-Aus in Russland geführt hatten: Mangelnde Chancenverwertung und defensive Instabilität. Dennoch ging der 2:1-Sieg über 90 Minuten gesehen in Ordnung und war der nächste Schritt im deutschen Neuaufbau.