DFB-Elf startet den Neuaufbau mit Remis gegen Frankreich

Foto: Franck Fife/AFP/Getty Images

Das Projekt Neustart nach dem WM-Debakel von Russland hat die deutsche Nationalmannschaft mit einem Unentschieden gegen den Weltmeister begonnen. Zum Auftakt der Nations League gab es am Donnerstagabend ein 0:0 gegen Frankreich.

Vorab hatte Joachim Löw bereits angekündigt, trotz des geplanten Neustarts auf den ganz großen Umbruch verzichten zu wollen. Entsprechend war es nur wenig überraschend, dass gegen Frankreich kein Neuling in der Startelf stand. Die taktische Ausrichtung hingegen war es sehr wohl: Mit vier nominellen Innenverteidigern ließ der Bundestrainer spielen, Mats Hummels und Jérôme Boateng im Zentrum sowie Antonio Rüdiger und Matthias Ginter auf den Außenpositionen. Im Mittelfeld sollten Joshua Kimmich, Toni Kroos und Leon Goretzka walten, vorne Timo Werner und Thomas Müller sowie Marco Reus als Mittelstürmer für die Tore sorgen. Die erstmals berufenen Thilo Kehrer, Nico Schulz und Kai Havertz saßen zunächst auf der Bank.

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Eine neue Defensivordnung hatte Löw seinem Team verpasst, zudem wollte sich die DFB-Elf mit einfachen Pässen Sicherheit holen. Da Frankreich auf die bereits bei der WM erfolgreich praktizierte Kontertaktik setzte, dauerte es zehn Minuten, ehe die Begegnung langsam Fahrt aufnahm. Die erste Torchance gab es nach 18 Minuten: Timo Werner setzte sich gegen Benjamin Pavard durch, der Schuss des Leipzigers war aber kein Problem für Alphonse Aréola (18.).

Frankreich nach einer halben Stunde stärker

Beide Teams zeigten durchaus ihren Willen, auch in der Offensive in Erscheinung zu treten, insgesamt aber lag der jeweilige Fokus auf Stabilität. Deutschland verbuchte mehr Ballbesitz, Frankreich lauerte tief in der eigenen Hälfte. Chancenarm, aber nicht ohne Spannung schritt die Partie voran. Die erste Gelegenheit für den Weltmeister verbuchte Olivier Giroud, beim Kopfball des 31-Jährigen war Manuel Neuer aber zur Stelle (36.). Kurz vor der Pause zogen die Gäste das Tempo noch mal an, mehr als ein Freistoß Kylian Mbappés (43.) und ein Giroud-Abschluss mit der Hacke, der am langen Pfosten vorbei ging (45.+1), gab es nicht zu sehen.

Diesen Schwung konservierten die Franzosen in der Pause, mit viel Dynamik starteten sie in Hälfte zwei. Insbesondere im Mittelfeld war die DFB-Elf in dieser Phase oftmals einen Schritt langsamer als der Gast. Die erste Chance nach Wiederanpfiff gehörte Antoine Griezmann: Der Angreifer von Atlético Madrid kam frei im Strafraum zum Schuss, Neuer parierte trotz kleinerer Probleme (49.). Zuvor hatte die deutsche Hintermannschaft den Ball trotz eines Hummels-Befreiungsschlags nicht wegbekommen. Hummels und Co. präsentierten sich im Vergleich zur WM zwar verbessert, der französische Ideenreichtum stellte sie aber vor einige Probleme.

Aréola pariert mehrfach stark

Offensiv hingegen tat sich die Löw-Elf erst nach rund einer Stunde wieder hervor. Nachdem Werner (57.), Müller (61.) und Kimmich (62.) bei Mini-Chancen noch glücklos geblieben waren, sorgte Reus für ein Ausrufezeichen. Der Schlenzer des Dortmunders wurde von Aréola entschärft (65.). Zuvor hatte sich Neuer zum wiederholten Mal gegen Griezmann auszeichnen müssen (64.). Nach und nach aber biss sich die DFB-Auswahl zurück in die Begegnung, in der Schlussphase wurde sie zudem immer mutiger.

Die erste Großchance zur Führung verbuchte Hummels: Wunderbar von Reus freigespielt, kam der Verteidiger über Umwege erneut an den Ball, sein Schuss jedoch war zu zentral, sodass Aréola zur Stelle war (71.). Anschließend war der Keeper gleich mehrfach gefordert, auch gegen Müller (74.) und aus kurzer Distanz gegen Ginter (75.) blieb Aréola aber Sieger. Löw brachte mit Leroy Sané in den letzten Minuten zudem noch mal einen frischen Angreifer (83., für Reus). Frankreich hingegen wirkte in der Schlussphase weitestgehend kraftlos, Vorstöße blieben Seltenheiten. Ein Tor glückte letztlich keinem der beiden Teams mehr. Dennoch durfte sich die deutsche Auswahl um 22.37 Uhr beglückwünschen, den ersten Schritt aus der Krise gemacht zu haben.