Dicke Überraschung in Berlin: Hertha schlägt die Bayern

Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Ist das schon eine Krise? Drei Tage nach dem 1:1 gegen Augsburg hat der FC Bayern München erneut Punkte liegen gelassen. Am Freitagabend unterlag der deutsche Rekordmeister zum Auftakt des sechsten Spieltages mit 0:2 (0:2) bei Hertha BSC. Die Tabellenspitze ist damit wohl erst mal futsch. Es war die erste Pflichtspielniederlage für Niko Kovač als Bayern-Coach.

Mächtig gewechselt wurde für das Topspiel zwischen dem Tabellenvierten und dem Ersten auf beiden Seiten. Notgedrungen verzichten musste Hertha-Coach Pál Dárdai auf seinen Keeper: Rune Jarstein hatte zuletzt gegen Werder eine Oberschenkelverletzung erlitten, ihn ersetzte der Ex-Münchner Thomas Kraft. Zudem schickte Dárdai im Vergleich zum 1:3 gegen Werder drei weitere Neue ins Rennen. Maximilian Mittelstädt, Per Skjelbred und Salomon Kalou starteten anstelle von Marvin Plattenhardt, Fabian Lustenberger und Palko Dárdai. Fleißig gewechselt wurde auch beim FC Bayern: Im Vergleich zum 1:1 gegen Augsburg startete David Alaba für den verletzten Leon Goretzka als Linksverteidiger. Zudem rückten Jérôme Boateng, Thiago, James Rodríguez, Franck Ribéry und Robert Lewandowski für Mats Hummels, Javi Martínez, Thomas Müller, Serge Gnabry und Sandro Wagner in die Startformation.

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Intensiv ging es vom Anpfiff weg zur Sache, beide Teams starteten hoch konzentriert in die Partie. Dabei lieferte die Hertha in Hälfte eins einen tadellosen Auftritt ab, mit starker Defensivarbeit wurden Ribéry und Co. vom Tor ferngehalten. Strafraumszenen gab es zu Beginn nur vereinzelt. Erst nach einer Viertelstunde wurde der FC Bayern stärker, die erste nennenswerte Torchance setzte Boateng über das Tor (15.). Nach und nach erhöhte der Rekordmeister den Druck, die Partie schien ihren erwarteten Gang zu gehen – dann jedoch schlug die Hertha zu.

Ibišević trifft vom Punkt, Duda kurz vor der Pause

Einen Kopfball von Vedad Ibišević hatte Manuel Neuer zunächst noch abwehren können, im Nachsetzen jedoch wurde Kalou von Boateng gefoult. Den fälligen Strafstoß verwandelte Ibišević zum 1:0 für die Hauptstädter (23.). Wütende Angriffe der Bayern waren die Folge, durchaus kombinationsfreudig zeigte sich der Rekordmeister – an der Strafraumgrenze allerdings war regelmäßig Schluss für die Münchner. Mehr als ein Schuss von Joshua Kimmich, bei dem Ribéry im Weg stand (25.), war zunächst nicht zu sehen. Nach und nach schien sich Frust breitzumachen. Exemplarisch bei Ribéry: Nachdem dem Franzosen ein Stockfehler bei der Ballannahme unterlaufen und der Ball im Toraus gelandet war, drosch er diesen wütend gegen die Werbebande (30.).

Das aggressive und laufintensive Spiel der Hertha mit Überzahlsituationen beim ballführenden Spieler zeigte Wirkung. Die Berliner setzten zudem ihrerseits immer wieder Nadelstiche, Niklas Stark etwa köpfte nach einer Ecke knapp drüber (32.). Zwar bestimmten die Bayern das Spiel, gefährlich aber wurde es vor dem Hertha-Tor nur selten. Robben (40.) und Lewandowski (42.) verbuchten zumindest kleinere Gelegenheiten, eingreifen allerdings musste Kraft jeweils nicht. Was Effektivität bedeutet, demonstrierten dagegen die Berliner: Kalou und Valentino Lazaro kombinierten sich über rechts durch, den anschließenden Pass des Österreichers in den Rückraum drosch Ondrej Duda zum 2:0 unter die Latte (44.). Wenig später ging es in die Pause, und die Hertha hatte den Münchnern einigen Stoff zum Nachdenken mit in die Kabine gegeben.

Dominant, aber ohne Durchschlagskraft

Ohne Wechsel ging es zunächst in Hälfte zwei weiter. Nur wenige Minuten allerdings vertraute Kovač auf die Elf des ersten Durchgangs, dann gab es doch eine Veränderung: Thomas Müller ersetzte Robben (52.). In der Kabine schien der Bayern-Trainer die richtigen Worte gefunden zu haben, deutlich mehr Abschlüsse nämlich produzierte der Favorit nach Wiederanpfiff. Allein, das 1:2 wollte nicht fallen. Renato Sanches (48.), Thiago (50.), Alaba (53.) und Müller (57.) hatten kein Glück. Immer mehr Bälle erreichten nun aber den Hertha-Strafraum. Und Kovač erhöhte noch mal den Druck: Sanches, der erneut ein belebendes Element im Münchner Spiel war, wurde durch Gnabry ersetzt (63.). Von den Berlinern hingegen war offensiv kaum noch etwas zu sehen, massiert stand die Hertha um den eigenen Strafraum.

Die erste Großchance hatte, wie schon in Hälfte eins, Boateng: Nach einer Ecke köpfte der Innenverteidiger, Kraft jedoch erwischte den Ball mit der Hand, Lewandowski und James flogen vorbei (68.). Der Anschlusstreffer lag zwar in der Luft, nach und nach lief den Bayern aber die Zeit davon, weshalb Kovač mehr Risiko ging: Für James kam Wagner (72.). Die Brechstange sollte es in der Schlussphase richten, auch Wagner (80.), Gnabry (83.) und Niklas Süle (86.) war ein Treffer aber nicht vergönnt – der Ball wollte an diesem Abend einfach nicht über die Linie. Mit letzter Kraft überstand die Hertha auch die vierminütige Nachspielzeit.

Durch die erste Saisonniederlage könnte der FC Bayern am Wochenende die Spitzenposition einbüßen. Sowohl Dortmund (in Leverkusen) als auch Bremen (in Stuttgart) weisen derzeit 11 Punkte auf und würden daher mit einem Sieg am Samstag an den Münchnern vorbeiziehen. Die Hertha hingegen schloss durch den Dreier zum Rekordmeister auf, beide haben nun 13 Zähler.