Die Kluft zwischen Mannschaft und Anhängern

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Das verkorkste WM-Jahr 2018 hat auch den Fans der deutschen Nationalmannschaft spürbar zugesetzt. In den beiden letzten Länderspielen des Jahres waren das Interesse und die Stimmung in den Stadien mau, obwohl die DFB-Auswahl auf und neben dem Platz ein anderes Gesicht zeigte.

Als die Oranje-Fans ihre Spieler nach dem Abpfiff lautstark feierten, hatten viele deutsche Anhänger ihrem Team bereits den Rücken gekehrt. Das historisch schlechte WM-Jahr 2018 belastet auch die Beziehung zwischen Nationalmannschaft und Fans, das wurde zum Abschluss am Montagabend in Gelsenkirchen noch mal deutlich. Obwohl die neue Turbo-Generation um Leroy Sané, Serge Gnabry und Timo Werner beim 2:2 (2:0) in der UEFA Nations League gegen die Niederlande phasenweise brillierte, sprang der Funken nur selten auf die Ränge über – so wie schon beim 3:0-Sieg vier Tage zuvor in Leipzig gegen Russland.

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„Heute war das sehr wenig“, sagte der Dortmunder Marco Reus überrascht. Auch Toni Kroos gab zu, dass die Stimmung „schon mal besser war“. Der Profi von Real Madrid ergänzte: „Wir müssen anscheinend dafür sorgen, dass sie wieder besser wird.“ Innerhalb des Teams ist man der Meinung, zuletzt viel für die Fans geleistet zu haben. „Wir haben nach der WM ein paar Dinge verändert, auch was die Nähe zu den Fans betrifft. Wir haben uns in allen Spielen wirklich zerrissen. Ich denke, die Fans dürfen ruhig auch wieder mitmachen“, sagte Thomas Müller.

Bundestrainer Löw zeigt Verständnis

So wie kurz nach der 2:0-Führung, als sogar die La Ola-Welle durch die Arena kreiste. „Da hatten wir die Zuschauer durch unsere Spielweise ein bisschen wachgeküsst“, meinte Jubilar Müller nach seinem 100. Länderspiel. Doch selbst der personelle und spielerische Neuaufbau konnte die Fan-Müdigkeit nicht ganz vertreiben. Auch mit einem öffentlichen Training in Berlin, einem Schul- und Vereinsbesuch in Leipzig und mehr Zeit für Autogramme ist das Problem allein nicht aus der Welt zu schaffen. Lediglich 42.186 Zuschauer kamen in Gelsenkirchen, in Leipzig waren es sogar nur 35.288. Die 8,5 Millionen TV-Zuschauer beim Spiel gegen die Niederlande sind auch keine Quote, bei der die Programmdirektoren jubelnd an die Decke springen.

„Man kann nicht erwarten, dass uns die Fans nach diesem Jahr die Bude einrennen“, zeigte Bundestrainer Joachim Löw Verständnis. Auch DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff gestand den Anhängern zu, dass auch ihnen „das Jahr in den Knochen“ steckt. Außerdem betonte er, ein Spiel um 20.45 Uhr sei für den Stadionbesuch alles andere als förderlich. Die TV-Anstalten allein verantwortlich zu machen, das tat aber niemand. Mittelfeldspieler Joshua Kimmich betonte sogar, die Mannschaft trage „allein die Schuld“ an der Misere: „Mit besseren Leistungen können wir das ändern.“ Dafür braucht es aber ganz offensichtlich Zeit.