Doppelrolle setzt Rangnick zu

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Ralf Rangnick ist bei RB Leipzig derzeit enorm gefordert. Das Doppelamt stellt den Workaholic vor einige Probleme. Der Saisonstart verlief nicht so, wie ihn sich Rangnick vorgestellt hatte.

Der Verantwortliche besitzt bei RB Rangnick eine enorme Machtfülle, doch die Doppelrolle als Sportdirektor und Trainer setzt dem 60-Jährigen auch zu. Rangnick legt sich mit den Spielern an, überrascht mit immer neuen Meinungen zum Thema Rotation und schlägt einen schärferen Ton an. Man merkt: Der Stress geht an dem Fußball-Enthusiasten nicht spurlos vorüber.

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Vielleicht täte dem RB-Macher gerade auf der Trainer-Position eine Entlastung gut, zumal die Saison samt Doppelbelastung noch lang ist. Doch Stand jetzt ist erst im nächsten Sommer mit dem Einstieg von Julian Nagelsmann Entlastung für Rangnick in Sicht, der im September 2011 auf Schalke wegen eines Burnout-Syndroms hingeschmissen hatte. Bis dahin warten auf den Fußball-Professor harte Zeiten, will er doch seinem Nachfolger eine Mannschaft übergeben, die im internationalen Geschäft spielt.

Verzicht auf Transfers ein möglicher Fehler

Dazu hätte es auch eines größeren Kader bedurft. Der Verzicht auf weitere Neuzugänge zur Schlussphase der Transferperiode könnte sich als großer Fehler Rangnicks erweisen. 18 Feldspieler dürften für die Doppelbelastung nicht ausreichen, zumal die drei jungen Neuzugänge noch an die Mannschaft und die Profibedingungen herangeführt werden müssen. Manchmal hat man auch das Gefühl, Rangnick verzettelt sich. Das wird beim Thema Rotation deutlich. Zunächst brachte Rangnick Ende August eine bahnbrechende Idee ins Spiel. Er wolle wegen der Doppelbelastung durch Liga und Europa League jeweils mit zwei nahezu unterschiedlichen Kadern in jedem Wettbewerb antreten, um die Frische der Spieler zu sichern.

Nur einen Monat später kommt Rangnick zu einem anderen Entschluss. Man werde jetzt nicht mehr nach der Frische, sondern nach dem Willen der Spieler aufstellen. „Bisher war ich davon ausgegangen, dass alle 18 Spieler die gleichen Chancen in den Wettbewerben auf Einsatzzeiten haben“, sagte Rangnick. Das werde sich ändern, kündigte er nach der Niederlage gegen Red Bull Salzburg (2:3) an: „Wir werden jetzt mit den Spielern ins Rennen gehen, von denen wir glauben, dass wir eine Chance haben zu gewinnen.“ Es werde nicht mehr heißen: Wer frisch ist, spielt.

Umgang mit Spielern schwieriger als gedacht

Überhaupt das Salzburg-Spiel: Der Ärger um die Franzosen Jean-Kévin Augustin und Nordi Mukiele in der Handy-Affäre hat Rangnick generell zugesetzt. Der Trainer schlug ungewohnt scharfe Töne an, sprach davon, dass der Zustand „pervers“ sei, weil einige Spieler die Europa League als „lästige Pflicht“ ansehen. Man werde die Spieler „nachhaltig auf die Spur bringen“. Deftige Worte von Rangnick, der sich als Trainer wieder mehrmals pro Woche in kraftraubenden Pressekonferenzen erklären muss, nachdem er sich in den letzten Jahren schon über längere Strecken aus der Öffentlichkeit herausgezogen hatte.

Offenbar hatte sich Mr. RB auch den Umgang mit den Spielern einfacher vorgestellt. Als er im Juli die Doppelrolle übernahm, meinte Rangnick über sein Verhältnis zur Mannschaft: „Die Hälfte der Spieler kennt mich ja noch als Trainer. Alle anderen habe ich als Sportdirektor selbst geholt.“