Eggestein spielt sich in den Mittelpunkt

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Die Begeisterung ob des Bremer Saisonstarts ist nach dem 3:1 gegen Hertha BSC noch weiter angewachsen. Das dominante Auftreten der Grün-Weißen hängt nicht unwesentlich mit der Personalie Maximilian Eggestein zusammen. Mittlerweile werden sogar Stimmen laut, die den 21-Jährigen in der DFB-Elf sehen.

Ungeschlagen und mit elf Punkten aus fünf Partien schwingt sich Werder auf, die hochgesteckten Saisonziele anzugehen. Die Norddeutschen setzen die Segel früh auf Kurs Europa und scheinen nach den mageren letzten Jahren endlich auch wieder die Voraussetzungen dafür geschaffen zu haben. Ein entscheidender Faktor ist Eggestein, der im zentralen Mittelfeld neben Rekord-Neuzugang Davy Klaassen nicht nur in ordnender Funktion besticht, sondern auch seinen Torinstinkt entdeckt hat. Drei Treffer gelangen dem Rechtsfuß in den ersten sechs Pflichtspielen, mindestens fünf Ligatreffer will er am Ende verbuchen. Die gestiegenen Ansprüche des Vereins übertragen sich auch auf die einzelnen Profis – Werder prescht kollektiv voran.

- Anzeige -

Auch wenn ihm gegen die Hertha selbst kein Treffer gelang, zeigte Eggestein auch am Dienstagabend, warum Trainer Florian Kohfeldt nicht auf ihn verzichten will: Der Mittelfeldspieler zog vor allem im ersten Durchgang die Fäden im Bremer Angriffsspiel und öffnete durch Vorstöße in die Tiefe immer wieder Räume für seine Mitspieler. Dabei musste Eggestein gegen Berlin ungewohnt viel in der Defensive arbeiten: Kohfeldt hatte den zweikampfstarken Philipp Bargfrede auf der Sechs durch Nuri Şahin ersetzt, dessen Stärken eher im Passspiel liegen. Doch auch nach hinten erfüllte er die ihm gestellten Aufgaben souverän. Bremen egalisierte die „Alte Dame“ in der Spielfeldmitte – und Eggestein war mittendrin statt nur dabei.

Aus dem Schatten des jüngeren Bruders

Das war nicht immer der Fall: In der vergangenen Saison war Eggestein gegenüber Thomas Delaney in seiner Präsenz noch etwas abgefallen. Mit dem Abgang des Dänen zum BVB erhielt der U21-Nationalspieler mehr Verantwortung, Kohfeldt baut ihn still und heimlich zum Bremer Chef auf. Verwunderlich ist das nicht, der Aufstieg Eggesteins ist eng mit Kohfeldts Werdegang verbunden. In der Saison 2016/17 pendelte der 21-Jährige zwischen Bundesliga und dritter Liga hin und her. Der heutige Cheftrainer war damals noch Coach der zweiten Mannschaft und prägte Eggestein nachhaltig. Nach Kohfeldts Beförderung im November 2017 machte er aus seinem alten U23-Schützling einen unumstrittenen Stammspieler an der Weser.

Je größer die Rolle wird, die Eggestein für den Erfolg der Norddeutschen spielt, desto größer wird auch das öffentliche Interesse am gebürtigen Hannoveraner. Dies könnte eine Situation werden, mit der er sich erst noch zurecht finden muss. Schließlich lag der mediale Fokus in der Vergangenheit eher auf seinem jüngeren Bruder Johannes. Der 20-Jährige galt vor wenigen Jahren noch als eines der vielversprechendsten deutschen Talente und große Sturmhoffnung. Maximilian dagegen flog lange unter dem Radar und konnte sich ohne großen Druck entwickeln. Während Johannes mittlerweile stagniert und in Bremen kaum auf Einsatzzeit kommt, hat sich Maximilian unverzichtbar gemacht – vielleicht bald auch für die A-Nationalmannschaft.

Mittelfeldspieler schon einer für Jogi?

Sieben Spiele absolvierte Eggestein seit seinem Debüt im September letzten Jahres für die deutsche U21. Coach Stefan Kuntz setzt wie Kohfeldt auf den umsichtigen Organisator, der es ihm mit einem Treffer und drei Vorlagen dankte. Besonders beim 6:0 in Irland vor gut zwei Wochen überzeugte er mit zwei Assists. Eggestein scheint sich in jeder Mannschaft gewinnbringend integrieren zu können. Dementsprechend wurden in den vergangenen Wochen auch vermehrt Stimmen laut, die Bundestrainer Joachim Löw ans Herz legten, den Mittelfeldakteur für die kommenden Länderspiele in der Niederlande (13. Oktober) und in Frankreich (16. Oktober) zu nominieren. Die passenden Argumente hat Eggestein jedenfalls auf seiner Seite.