Ein halbes Dutzend in der Warteschleife

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Sebastian Langkamp absolvierte beim 2:0 des SV Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg sein erstes Saisonspiel. Fast wäre in Vergessenheit geraten, dass die „Grün-Weißen“ mehr als vier Verteidiger im Kader haben. Allzu große Hoffnungen auf Rotation sollten sich die Bankdrücker aber wohl nicht machen.

Langkamp ersetzte gegen die „Wölfe“ den gelb-rot-gesperrten Miloš Veljković und sprengte gezwungenermaßen die Bremer Vier-Mann-Phalanx in der Defensive. An den ersten sechs Spieltagen der Saison führte kein Weg an Theodor Gebre Selassie, Niklas Moisander, Veljković und Ludwig Augustinsson vorbei. Werder-Coach Florian Kohfeldt hatte seine bevorzugte Besetzung gefunden und sah absolut keinen Anlass zur Rotation. Acht Gegentore in sieben Partien geben dem 35-Jährigen recht, Werder stellt die drittbeste Verteidigung der Bundesliga. Während sich das bereits genannte Quartett also jeder Menge Spielzeit erfreuen darf, bleiben die defensiven Ersatzspieler derzeit außen vor und müssen Geduld beweisen.

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Langkamp ist die erste Alternative in der Innenverteidigung und durfte am vergangenen Wochenende durchspielen. Der 30-Jährige war im Winter aus Berlin an die Weser gewechselt – zu einem Zeitpunkt, als sich Moisander und Veljković gerade als A-Besetzung etablierten. Kam der Ex-Hertha-Profi in der Rückrunde der abgeschlossenen Spielzeit immerhin noch auf zehn Pflichtspiele, musste er in der neuen Saison bis zu Veljkovićs Sperre auf seinen Einsatz warten. Kohfeldt schätzt Langkamps Zuverlässigkeit und Erfahrung. Seine Chance auf einen Stammplatz ist allerdings denkbar schlecht. Selbst bei einer Dreierkette setzt Kohfeldt lieber auf Philipp Bargfrede, so geschehen beim 1:2 in Stuttgart am sechsten Spieltag.

Kohfeldt setzt auf defensive Vier-Mann-Phalanx

Der Werder-Coach braucht Langkamp als Back-up, weil der vierte Innenverteidiger, Luca Caldirola, nur noch sporadisch überhaupt bei den Profis mittrainiert. Der Italiener sollte im Sommer eigentlich in seine Heimat transferiert werden, Bremen wurde sich allerdings mit keinem der Interessenten einig. Und so ist Caldirola eher ein Restposten im Kader, denn eine reale Alternative. Doch nicht nur in der Innenverteidigung gibt es kaum ein Vorbeikommen an den etablierten Kräften. Auch die beiden Außenverteidiger-Positionen sind fest vergeben: Gebre Selassie und Augustinsson ließen bei Kohfeldt keine Zweifel aufkommen. Währenddessen müssen sich vier unerfahrene Profis hinten anstellen und abwarten.

Thore Jacobsen, Jan-Niklas Beste und Felix Beijmo standen allesamt noch kein einziges Mal im Spieltagskader der Bremer. Beste und Beijmo wechselten im Sommer an die Weser und fanden bei den Profis noch keinen Anschluss. Während der Ex-Dortmunder zumindest bei der zweiten Mannschaft Stammspieler ist, erhielt der Schwede noch keinerlei Spielpraxis. Dabei überwies Werder ganze drei Millionen Euro an Djurgårdens IF. Schon kurz nach seiner Verpflichtung wurden Stimmen laut, die anzweifelten, ob der 20-Jährige sich in Bremen würde durchsetzen können. Drei Monate später fühlen sich die Kritiker bestätigt, Geschäftsführer Frank Baumann machte Beijmo zuletzt allerdings Hoffnung – zumindest auf Einsätze in der U23.

Bislang keine Ruhepause für die Etablierten

Einzig Marco Friedl durfte in der Bundesliga regelmäßig auf der Bank sitzen – dabei blieb es dann aber zumeist auch. Der Österreicher stand in der laufenden Saison gerade einmal zwei Minuten auf dem Platz. Zehn Verteidiger stehen in Bremen unter Vertrag, nur vier davon konnten bislang konstant zum Erfolg beitragen. Während im Angriff und im Mittelfeld in den letzten Wochen Bewegung in die Aufstellung kam, macht Kohfeldt keine Anstalten, die Hintermannschaft personell zu verändern. Ob die defensiven Stammkräfte bei diesem Spielrhythmus ihre Leistungen weiterhin abrufen können, muss der Werder-Coach beobachten. Alternativen sind vorhanden – und sie werden auf die Bewährungsprobe brennen.