Ein Moment, den er nicht verschlafen sollte

Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Seine Ausbootung für die Weltmeisterschaft in Russland hätte Leroy Sané fast verschlafen. Angeblich musste der Jungstar von Manchester City in den Mittagsstunden im Trainingslager in Südtirol erst geweckt werden, um von Joachim Löw die schlechte Nachricht übermittelt zu bekommen.

Dies berichtet die Bild-Zeitung. Es ist nicht das erste Mal, dass dem hochveranlagten Offensivspieler Probleme mit seiner Einstellung nachgesagt werden. Erst am Wochenende war in England spekuliert worden, dass City-Coach Pep Guardiola Sané wegen dessen fehlender Arbeitsmoral und mangelnder Trainingsleistungen aus dem Kader für die Partie gegen Newcastle United (2:1) gestrichen habe. Nach der Partie wies Guardiola die Meldungen zwar zurück und begründete den Verzicht auf den 22-Jährigen mit dem Überangebot an Offensivspielern in seinem Kader. Auch Löw hatte zuletzt immer verneint, dass seine Entscheidung bei der WM in Russland gegen Sané etwas mit dessen Einsatz auf und vor allem außerhalb des Platzes zu tun habe – doch Zweifel bleiben.

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Toni Kroos deutete dies vor dem Duell mit Weltmeister Frankreich am Donnerstag (20.45 Uhr) in München an. Man habe bei Sané „von der Körpersprache her manchmal das Gefühl, gewinnen oder verlieren ist nicht so schlimm“. Zudem müsse man ihm „gefühlt immer sagen, was er tun soll. Man muss einen Weg finden, ihn zu Top-Leistungen zu bringen“, sagte der Führungsspieler der DFB-Auswahl. Allerdings bringe Sané auch „alles mit“, so Kroos weiter, „um Weltklasse zu werden. Wenn er seine Qualitäten auf den Platz bringt, wäre er eine Riesenbereicherung für uns. So einen Spieler haben wir nicht mehr.“ Auch Guardiola hält grundsätzlich große Stücke auf Sané, aktuell hat er aber sein Standing der vergangenen Saison eingebüßt. In den ersten vier Partien der Premier League saß der frühere Schalker dreimal beim Anpfiff auf der Bank, dazu gegen Newcastle auf der Tribüne.

Seine Zukunft muss nach der WM beginnen

Seit Montag hat Sané nun die Möglichkeit, bei seiner Rückkehr in die Nationalmannschaft Löw von seinen außergewöhnlichen Qualitäten zu überzeugen. Vor Sanés Abreise aus Südtirol habe er ihm gesagt, „dass seine Zukunft nach der WM beginnen muss“, erzählte der Bundestrainer. Man kenne „sein großes Potenzial, wir müssen uns mit seiner Spielweise beschäftigen. Er kann ein wichtiger Spieler für Deutschland werden.“ Von seiner Veranlagung her auf jeden Fall. Nicht umsonst wurde Sané in der vergangenen Saison nach zehn Toren und 15 Vorlagen zum besten Nachwuchsspieler der Premier League gekürt. Zusammen mit Stars wie Mohamed Salah, Harry Kane, Kevin De Bruyne und David Silva gehörte der Deutsche sogar zum engeren Kreis für den besten Profi der abgelaufenen Saison.

Und jetzt? „Natürlich war Leroy sehr wichtig für uns und hoffentlich wird er es auch diese Saison“, sagte Guardiola. „Der Anfang der Saison war nicht so leicht für ihn, er wurde immer nur eingewechselt und läuft gerade ein bisschen seinem Selbstvertrauen hinterher“, sagte City- und DFB-Kollege İlkay Gündoğan vergangene Woche der Funke-Mediengruppe. Wichtig sei jetzt, „dass er sich nicht beirren lässt und seine Leistung bestätigt. Aber wenn er das wiederfindet, wird er in Manchester und der Nationalelf bald eine wichtige Rolle einnehmen.“ Diesen Moment sollte er nicht verschlafen.