Ein Nordderby mit vorentscheidendem Charakter

Es ist wahrlich nicht das erste Mal, dass das prestigeträchtige Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV auch als Abstiegsgipfel deklariert werden kann. Vor allem der Tabellen-17. aus der Elbstadt kann sich eine Niederlage am Samstagabend im Weserstadion kaum erlauben.

Von einem „Kribbeln“ berichtete Werder-Trainer Florian Kohfeldt, als er über das „besondere Spiel“ sprach, das heute ansteht. „Es ist ein direkter Konkurrent, gegen den wir unser Heimspiel gewinnen wollen“, ergänzte der 35-Jährige etwas pragmatischer. In Bremen ist der Abstiegskampf das beherrschende Thema, man ist sich jedoch bewusst, dass die Lage bei weitem nicht so prekär ist wie beim Erzrivalen. Vor allem stimmt in der Weserstadt die Entwicklung: Seit der Winterpause haben die Grün-Weißen acht Zähler geholt – eine Ausbeute, die für Platz zehn in der Rückrundentabelle genügt. Vor einer Woche erhielt der Aufwärtstrend durch die 0:1-Niederlage in Freiburg einen kleinen Dämpfer. Kohfeldt versicherte jedoch, Werder habe die Pleite „aufgearbeitet und daraus gelernt“. Das Bremer Lazarett musste unter der Woche mit Ole Käuper (Sprunggelenksoperation) einen weiteren Patienten aufnehmen. Zlatko Junuzović steht nach überstandenen Muskelproblemen dagegen wieder zur Verfügung.

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Für den Hamburger SV steht heute womöglich schon der Klassenerhalt auf dem Spiel. Bei einer Niederlage würde der Rückstand zum Relegationsplatz auf satte sieben Punkte anwachsen. Ein Sieg im Nordderby könnte den Hanseaten dagegen neuen Mut geben und der Beginn einer Aufholjagd werden. Seit dem Trainerwechsel von Markus Gisdol zu Bernd Hollerbach macht das Team einen leicht verbesserten Eindruck, die Punkteausbeute (zwei Zähler aus vier Spielen) ist aber auch unter neuer Führung bisher ungenügend. In Hamburg wissen die Verantwortlichen um die Bedeutung des heutigen Duells, die Abstiegsgefahr will man jedoch möglichst ausblenden. „Es ist ein Derby, ein wichtiges Spiel. Die Tabellensituation steht nicht so im Vordergrund, weil im Derby immer alles passieren kann“, meinte Hollerbach. Beim Versuch, das Ruder herumzureißen und den ersten Sieg seit Ende November einzufahren, werden dem Bundesliga-„Dino“ Lewis Holtby (Risswunde am Schienbein) und Albin Ekdal (Sprunggelenksprobleme) nicht weiterhelfen können.

SV Werder Bremen: Pavlenka – Gebre Selassie, Veljković, Moisander, Augustinsson – Bargfrede – Delaney, Eggestein – Gondorf, Kainz – Kruse

Hamburger SV: Mathenia – Mavraj, Papadopoulos, van Drongelen – Sakai, Jung, Walace, Santos – Hunt, Kostić – Wood

Aufgrund der jüngsten Ergebnisse geht Werder Bremen als Favorit in dieses Nordderby. Wie immer, wenn diese beiden Teams aufeinander treffen, kann mit einem hitzigen Spiel gerechnet werden. Gerade die Gäste aus Hamburg, die ihre Erstligareife nachweisen müssen, dürften mit dem Messer zwischen den Zähnen auf den Platz kommen. Ob dies letztendlich reicht, um dem vermeintlich stärkeren Rivalen vor heimischer Kulisse die Stirn zu bieten, wird sich zeigen.