Esser: Fußballprofi im zweiten Bildungsweg

Foto: Ronny Hartmann/AFP/Getty Images

Michael Esser hatten einen steinigen Weg zu bewältigen: Vom übergewichtigen Amateurfußballer bis ins Gehäuse von Hannover 96. Seit dieser Saison ist der 30-Jährige die Nummer eins beim Bundesligisten. Esser blickte auf seinen Werdegang zurück und erklärte, wie dieser Aufstieg zustande kam.

Noch mit 20 Jahren spielte der Torhüter bei seinem Heimatverein SV Sodingen in der siebtklassigen Landesliga Westfalen drei. Damals war Esser hauptberuflich Klempner, übergewichtig und von einer Karriere als Profifußballer weit entfernt. „Zum Trainingsauftakt nach dem Wiegen sagte mein Trainer zu mir sagte: Mit 115 Kilo spielst du bei mir nicht. Du musst unter 100 kommen. Das habe ich dann in sieben Wochen Vorbereitung geschafft“, erzählte der Rechtsfuß dem Kicker. 2008 gelang ihm nach einem guten Probetraining der Sprung in die zweite Mannschaft des VfL Bochum. Die Begründung des Torwarttrainers war damals allerdings wenig schmeichelhaft. „Wir haben dich genommen, weil du nicht abgebrochen hast“, rezitierte Esser.

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Zehn Jahre später hütet er das Gehäuse der 96er. „Dass ich es überhaupt so spät noch in die Bundesliga geschafft habe, ist schon wie die Erfüllung eines Traumes“, meinte Esser. Die verlorenen Jahre als Amateur bereut der Schlussmann nicht. Er betonte stattdessen die viele Zeit, die er mit Freunden und Familie verbringen konnte. Essers großes Vorbild ist Oliver Kahn, der um die Jahrtausendwende seinen Höhepunkt hatte. Obwohl der „Titan“ und diese Zeit einen großen Einfluss auf ihn hatten, wehrt sich Esser dagegen, hängen geblieben zu sein: „Sicher gibt es Unterschiede zwischen mir und den jungen Torhütern heute. Aber man entwickelt sich auch immer mit den Anforderungen und verändert sein Spiel mit der Zeit.“

„Es ist wohl mit der schönste Job“

Auch mit 30 Jahren lernt Esser noch bereitwillig dazu. „Der Spielaufbau ist für einen Torwart eben schon sehr wichtig. Da habe ich im letzten Jahr noch einen Schritt nach vorne gemacht und spiele die Bälle nun besser, sauberer raus“, sagte der Ex-Bochumer. Esser gibt Gas, damit er seinen Traumjob noch eine Weile ausüben kann: „Es ist wohl mit der schönste Job, den es gibt. Die Stimmung in den Stadien – faszinierend. Oder dass man nicht schon morgens um sieben Uhr aufstehen muss, außer im Trainingslager. Man kann sich auf sein früheres Hobby konzentrieren und einfach Spaß daran haben.“

Bei allem Vergnügen nimmt Esser seinen Beruf auch sehr ernst. Der Vertrag des Keepers in Hannover läuft noch bis 2020. Statt nach seinem Karriereende wieder als Klempner zu arbeiten, möchte der aus Castrop-Rauxel stammende 1,98 m-Hüne dem Fußball treu bleiben. „Erstmal kann ich mir vorstellen, noch einige Jahre in Hannover zu bleiben. Aber unser Lebensmittelpunkt wird auf Sicht später in Castrop oder Umgebung liegen. Und Baustelle? Lieber will ich Trainer werden. Vielleicht für Torhüter im Nachwuchsbereich.“