Favre euphorisiert: „Sie spüren den Fußball“

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Den ausgelassenen Jubeltanz seiner Spieler vor der Südtribüne betrachtete Lucien Favre aus sicherer Entfernung, doch nach der Sternstunde gegen Atlético Madrid verfiel selbst der zurückhaltende Schweizer in Euphorie. Auch Gäste-Trainer Diego Simeone geriet ins Schwärmen.

„Sie sind einfach gut. Sie spüren den Fußball“, lobte Favre seine Spieler nach der 4:0 (1:0)-Gala gegen die Defensivkünstler des Europa League-Siegers aus Madrid. „Wir haben heute eine große Mannschaft geschlagen, das ist schon etwas“, sagte Favre. Sechs Siege mit 26 erzielten Toren in Serie, in zwölf Pflichtspielen immer noch ungeschlagen, in der Champions League mit neun Punkten und 8:0 Toren mit einer makellosen Bilanz – angesichts dieser beeindruckenden Zahlen und des bezaubernden Offensivfußballs geriet auch Atlético-Coach Simeone regelrecht ins Schwärmen: „Sie sind auf einem wunderbaren Weg. Es macht großen Spaß, ihnen zuzusehen.“

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Der bärenstarke Axel Witsel sprach nach der mit Bravour bestandenen internationalen Reifeprüfung von einer „großartigen Nacht“, Kapitän Marco Reus fand es einfach nur „sensationell“ und „unfassbar“. Mit Ausnahme einer 20-minütigen Schwächephase zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte der BVB den spanischen Vizemeister um den völlig abgemeldeten Weltmeister Antoine Griezmann jederzeit im Griff, zudem lief die eigene Tormaschine wieder auf Hochtouren. Witsel (38.) sowie die eingewechselten Raphaël Guerreiro (73., 89.) und Jadon Sancho (83.) besiegelten Atléticos höchste Niederlage im 391. Spiel unter Simeone.

„Dann haben wir sicher noch ein bisschen was vor uns“

Angesichts von acht Punkten Vorsprung auf Brügge und Monaco kann der BVB, der in dieser Saison bereits 16 Joker-Tore erzielt hat, bereits für das Achtelfinale in der Königsklasse planen. Mit einem weiteren Sieg im Rückspiel in Madrid (6. November) wäre das Ticket für die K.o.-Phase vorzeitig gebucht. „Wenn wir das heute als Gradmesser nehmen, haben wir sicher noch ein bisschen was vor uns“, sagte Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung. In Dortmund fühlt man sich bereits an die goldenen Jahre der Ära Jürgen Klopp erinnert, doch trotz des enormen Selbstvertrauens hebt niemand ab. „Jetzt ist es ein Rausch. Aber diese Phase wird nicht die ganze Saison anhalten, da bin ich mir sicher“, sagte Reus. Mario Götze, der den verletzten Torjäger Paco Alcácer im Angriff sehr gut vertrat, wies darauf hin, „dass wir in den entscheidenden Momenten das notwendige Quäntchen Glück haben“.

Doch immer Glück ist kein Zufall. Der BVB verschmilzt immer mehr zu einer Einheit. Defensiv kompakt, offensiv variabel – die Handschrift Favres wird immer deutlicher erkennbar. „Wir verstehen mehr und mehr, was der Trainer von uns verlangt“, sagte Reus. Das trifft nicht nur auf den Kapitän zu. Witsel verleiht dem Spiel des achtmaligen deutschen Meisters viel Struktur, der erst 22-jährige Abdou Diallo organisiert die Viererkette mit viel Übersicht und Gelassenheit. „Wir haben viele Spieler, die den Unterschied ausmachen können“, sagte Witsel. Der verletzt ausgewechselte Thomas Delaney mahnte vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC am Samstag (15.30 Uhr) allerdings, „mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben. Wir haben noch keine schwierige Phase durchlebt.“ Angesichts der aktuellen Verfassung scheint diese Phase aber in weiter Ferne zu sein.