Favre: „Wir brauchen noch Zeit“

Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Die Gefühlswelten hätten bei Paco Alcácer und Mario Götze unterschiedlicher nicht sein können. Der spanische Neuzugang genoss vor der Gelben Wand nach seinem glänzenden Pflichtspiel-Debüt für Borussia Dortmund die Ovationen der Fans, der einstige WM-Held verschwand hingegen mit seinem schwarzen Rucksack und einem Smoothie in der Hand als einer der ersten Spieler aus dem Stadion.

Auch im dritten Bundesliga-Spiel der Saison saß Götze 90 Minuten tatenlos auf der Bank, reden wollte er nach dem 3:1 (1:0)-Erfolg gegen Pokalsieger Eintracht Frankfurt nicht. Dafür versuchte Trainer Lucien Favre die schwierige Situation des Siegtorschützen des WM-Endspiels 2014 zu erklären. „Es liegt am System. An dem der anderen und vor allem an unserem. Wir haben im Mittelfeld sehr, sehr viele Spieler“, sagte Favre und machte Götze keine großen Hoffnungen auf eine grundlegende Veränderung: „Wir werden sehen, was in den nächsten Tagen und in den nächsten Wochen passiert.“

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Während Götze nach null von 270 möglichen Einsatzminuten Frust schob, strahlte Alcácer überglücklich. Die Leihgabe des FC Barcelona leitete das 2:1 des Ex-Frankfurters Marius Wolf (72.) stark ein, für den Endstand sorgte er mit einem strammen Schuss persönlich (88.). „Man sieht, dass er Fußball versteht und mit der Mannschaft kombinieren kann“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Allerdings klagte der Stürmer danach über Oberschenkelprobleme, sein Einsatz am Dienstag (21 Uhr) beim Champions League-Auftakt beim FC Brügge ist zumindest fraglich. „Wir wissen nicht definitiv, was er hat. Aber er hat etwas im Oberschenkel gespürt. Wir hoffen, dass es keine Zerrung ist“, sagte Favre, der vor zu großer Euphorie um Alcácer warnte: „Er hat nicht viel gespielt in den beiden letzten Jahren. Es braucht noch etwas Zeit, bis er fit ist.“

Glückliches Händchen bewiesen

Die Zeit nach seiner Einwechslung nutzte er aber perfekt, dies traf auch auf die beiden weiteren Joker Jadon Sancho und Axel Witsel zu. Sancho narrte nach Alcácers Pass vor dem zweiten BVB-Treffer gleich zwei Gegenspieler und hatte dann den Blick für Wolf, der belgische WM-Dritte Witsel brachte nach seiner Einwechslung viel Struktur in das bis dahin anfällige Dortmunder Spiel. „Um hier nicht 1:1 zu spielen oder zu verlieren, brauchtest du Witsel und Alcácer“, sagte der externe BVB-Berater Matthias Sammer als Eurosport-Experte.

Innenverteidiger Manuel Akanji stellte fest, dass „wir durch die Wechsel noch einmal Power bekommen haben“. Trotz des Führungstreffers durch Abdou Diallo (36.) fehlte diese Power dem Spiel der Gastgeber lange Zeit. Zu wenig Ideen, zu wenig Tempowechsel, zu viele Ungenauigkeiten prägten das Dortmunder Spiel. „Wir brauchen noch Zeit“, sagte Favre, der sich aber über einen insgesamt gelungenen Saisonstart mit sieben Punkten und die vorübergehende Tabellenführung freute.