FC Bayern: Ratlos, planlos und sieglos

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Niko Kovač weiß, was die Stunde geschlagen hat. Vier Pflichtspiele in Folge nicht gewonnen, nun die zweite Niederlage nacheinander in der Bundesliga – beim FC Bayern München heißt das normalerweise: Der Trainer gerät in die Schusslinie.

„Ich kenne die Mechanismen im Fußball, ich weiß, dass die Zeit beim FC Bayern anders läuft als anderswo“, sagte Kovač beinahe emotionslos nach dem 0:3 (0:2) gegen Borussia Mönchengladbach. Drei Monate ist er im Amt, und schon tickt die Uhr. Es ist offensichtlich, dass bei den Bayern derzeit der Wurm drin ist. Thomas Müller, erneut wirkungslos, sprach nach der erschütternden Leistung gegen Gladbach von einer „Mischung aus Fehlern, Unvermögen und eben einem gewissen Antilauf“, und ja, schlussfolgerte er: „Die Situation ist brutal.“ Gegen Gladbach setzte sich fort, was sich vier Tage zuvor beim 1:1 gegen Ajax Amsterdam in der Champions League schon angedeutet hatte: Die Münchner sind in der Spielgestaltung planlos.

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Gegen Gladbach hatten die Bayern mehr als 70 Prozent der Zeit den Ball, doch sie wussten erneut nichts damit anzufangen. „Es ist nicht so, dass wir so viele Chancen versemmelt haben. Wir hatten einfach keine“, analysierte Joshua Kimmich. Mats Hummels ergänzte: „Wir haben zu wenige Spieler in die Räume gebracht, wo es dem Gegner wehtut.“ Zugleich betonte er: „Wir lassen uns davon jetzt nicht verrückt machen.“ Allerdings: Der Trainer sollte langsam anfangen, Lösungen zu finden. Kovač ist zumindest geschwächt. Nein, behauptete er, „ich bin nicht ratlos“, er wisse ja, „warum es nicht geklappt hat“. Es sei nicht gelungen, die Abwehr der Gladbacher „über außen“ zu überwinden, und „durch die Mitte schaffen wir es auch nicht“. Gegen Gladbach fanden die Münchner keine Lösung gegen eine gut verteidigende Mannschaft.

Kader überlassen, der überaltert und ausgelaugt wirkt

Gegen Ajax fanden sie keine Lösung gegen eine früh und hoch attackierende Mannschaft: Die Fälle der Planlosigkeit häufen sich. Derzeit, sagte Mannschaftskapitän Manuel Neuer, sei der FC Bayern nicht der wahre FC Bayern, „das ist zu wenig“. Daran etwas zu ändern, „ist meine Verantwortung“, weiß Kovač, der, auch wenn er das Gegenteil behauptet, doch ratlos wirkt. Nicht zuletzt wegen der Fehler in der Defensive: Niklas Süle patzte beim 0:1 durch Alassane Pléa (10.), Neuer mit einem riskanten Anspiel und Thiago mit einem Ballverlust beim 0:2 durch Lars Stindl (16.), die ganze Abwehr beim 0:3 durch Patrick Herrmann (88.). Mittlerweile ist auch die DNA des FC Bayern geschädigt, vom „Mia san mia“ ist wenig zu sehen. Seine Spieler seien ja auch nur Menschen, sagte Kovač, manchmal streike eben der Kopf.

Der Trainer wiederum, sagte zumindest Kimmich, mache allerdings eine gute Arbeit: „Er versucht uns immer wieder zu pushen“, es sei „erstaunlich, wie selbstbewusst er trotzdem bleibt“, und genau das „brauchen wir jetzt, wir brauchen einen starken Trainer, dem das alles von außen nichts ausmacht“. Wie stark Kovač noch ist, hängt allerdings maßgeblich von den internen Vorgängen ab. Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Hasan Salihamidžić haben dem Trainer einen Kader überlassen, der überaltert und ausgelaugt wirkt, in dem außerdem nach der Verletzung von David Alaba (Verdacht auf Muskelfaserriss) nur noch ein Außenverteidiger steht. Am Samstagabend haben sich Rummenigge und Hoeneß erst mal gedrückt: Keiner wollte Kovač den Rücken stärken. Salihamidžić appellierte immerhin an den Zusammenhalt.