Frankreich-Boom: Bundesliga setzt auf die „Fremdenlegion“

Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

Ob Stabilisatoren in der Abwehr, Spielgestalter im Mittelfeld oder eiskalte Torjäger in der Sturmspitze: Die Bundesligisten setzen immer mehr auf Legionäre aus Frankreich. Zufall ist diese Entwicklung nicht.

Wenn in der Kabine des 1. FSV Mainz 05 dieser Tage noch einmal die entscheidenden Szenen des Spiels diskutiert werden, ist neben dem breiten Rheinhessisch von Trainer Sandro Schwarz auch immer mehr Französisch zu hören. Kein Wunder: Schließlich tummeln sich im Mainzer Kader gleich vier Spieler aus dem Land des Weltmeisters, dazu noch der Kameruner Pierre Kunde. Ein Einzelfall ist diese Situation in der Bundesliga dabei keineswegs. Frankreich-Importe liegen voll im Trend – und das aus gutem Grund.

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Denn egal ob Torjäger wie Alassane Pléa (Borussia Mönchengladbach) und Sébastien Haller (Eintracht Frankfurt), Abwehr-Asse wie Weltmeister Benjamin Pavard (VfB Stuttgart), das Innenverteidiger-Duo Dan-Axel Zagadou und Abdou Diallo (beide Borussia Dortmund), Mittelfeldmotoren wie Corentin Tolisso (FC Bayern München) und Josuha Guilavogui (VfL Wolfsburg) oder Flügelflitzer wie Jean-Kévin Augustin (RB Leipzig) und Kingsley Coman (FC Bayern München) – die französischen Gastarbeiter verrichten ihren Dienst vielerorts als Stammspieler und auf allerhöchstem Niveau.

Schröder: „Sie passen gut zum deutschen Fußball“

23 Franzosen stehen bei den 18 Bundesligisten in dieser Saison unter Vertrag, 17 davon liefen am vergangenen Spieltag auf. Die zahlreichen Spieler mit doppelter Staatsbürgerschaft, die international für die afrikanische Heimat ihrer Eltern auflaufen, sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. Trotzdem sind französische Profis nach den Österreichern (28) die zweitgrößte „Fremdenlegion“ der Bundesliga. Und das, nachdem vor fünf Jahren noch lediglich drei von ihnen in Deutschlands Eliteklasse kickten. Zufall ist diese Entwicklung ebenso wenig wie der Triumph der französischen Nationalmannschaft bei der WM im Sommer.

„Die Franzosen in der ersten, aber auch in der zweiten Liga sind sehr robust, sehr gut ausgebildet“, betont beispielsweise der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder. „Sie haben gute Charaktere, eine gewisse Dynamik. Sie passen gut zum deutschen Fußball.“ Sein Kollege Ralf Rangnick, der in Leipzig ebenfalls auf ein Franzosen-Quartett baut, formuliert es so: „Wir suchen nach Spielern, die Straßenfußball-Kultur haben, mit einer guten technischen und taktischen Ausbildung. Frankreich ist dafür ein guter Markt. Das Land hat von der Qualität, aber auch der Breite her ein sehr gutes Ausbildungsniveau bei den Jugendmannschaften.“

Win-win-Situation sorgt für frankophilen Trend

Auch BVB-Trainer Lucien Favre outete sich zuletzt als Fan der Profis aus dem Nachbarland. „Die Qualität der Bundesliga ist sehr, sehr gut und französische Spieler sind sehr, sehr gut ausgebildet“, sagte der Schweizer. Mit seiner typischen, immer wieder an Pep Guardiolas „super, super“ erinnernden Schwärmerei beschrieb er dabei exakt die Win-win-Situation, die dem Phänomen zugrunde liegt. Die Bundesligisten erhalten günstige, aber zugleich hochtalentierte Spieler, die französischen Newcomer im Gegenzug Spielpraxis in einer Top-Liga.

Denn es hat sich eben auch in Frankreich herumgesprochen, dass man bei einem soliden Bundesliga-Klub oft einen besseren Karrierestart hinlegen kann als auf der Ersatzbank so manch internationalen Star-Ensembles. Gute Beispiele sind hier Ousmane Dembélé (einst Borussia Dortmund, inzwischen FC Barcelona) und der letztjährige Senkrechtstarter Pavard, der seit geraumer Zeit als Neuzugang beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München gehandelt wird. Der frankophile Trend dürfte sich durchaus fortsetzen. Noch ist es ein Scherz, wenn FSV-Coach Schwarz sagt, er habe „gefühlt zwölf Franzosen“ im Kader. Noch.