Frankreich zieht ins WM-Finale ein

Foto: Shaun Botterill/Getty Images

Frankreich steht zum dritten Mal nach 1998 und 2006 im Endspiel einer Weltmeisterschaft. Die „Équipe Tricolore“ gewann das Halbfinale gegen Belgien mit 1:0 (0:0). Samuel Umtiti köpfte das entscheidende Tor für die Franzosen.

Bevor die Hymnen gespielt wurden, begegneten sich die französischen Weltmeister Didier Deschamps und Thierry Henry im Innenraum. Frankreichs Nationaltrainer und Belgiens Assistenzcoach umarmten sich herzlich. Danach war es vorbei mit den Nettigkeiten. Beide Teams begannen extrem vorsichtig. Der Respekt vor den ungemein gefährlichen Offensivreihen – Antoine Griezmann und Kylian Mbappé (insgesamt 6 WM-Tore) auf der einen, Kevin De Bruyne, Eden Hazard und Romelu Lukaku (insgesamt 7) auf der anderen Seite – war riesig.

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Belgien kam nach einer Abtastphase wesentlich besser ins Spiel als die Franzosen, Hazard gab auf Vorlage von De Bruyne den ersten Warnschuss ab (15.). Vier Minuten später schloss der Spielmacher erneut gefährlich ab, Raphaël Varane fälschte den Schuss gerade so noch zur Ecke ab. Kurz darauf zwang Toby Alderweireld Frankreichs Torwart Hugo Lloris mit einem Drehschuss zu einer Glanzparade (22.). An fast allen belgischen Angriffen waren De Bruyne und Hazard beteiligt. Die Ballsicherheit der beiden fehlte den Franzosen auf der Gegenseite ebenso wie die Präzision beim letzten Pass. Erst nach einer halben Stunde gewannen die Gegenstöße an Struktur, zwei gute Chancen durch Olivier Giroud folgten: Zunächst zielte er per Kopf am Tor vorbei (31.), dann traf er eine Hereingabe von Mbappé nicht richtig (34.).

Courtois pariert stark, Fellaini schläft

Die beste Chance vor der Pause hatte Benjamin Pavard (39.). Erneut mustergültig vorbereitet von Mbappé, kam der Außenverteidiger aus spitzem Winkel frei zum Schuss, doch Belgiens Schlussmann Thibaut Courtois parierte großartig mit dem Fuß. Frankreichs Staatschef Emanuel Macron, Königin Mathilde und König Philippe von Belgien mussten nach der intensiven ersten Hälfte auf der Ehrentribüne erst mal durchschnaufen. Danach bekamen die Franzosen die Partie immer besser in den Griff. Nach der schnellen Führung durch Umtiti (51.) wuchs das Selbstvertrauen weiter an. Dabei brachte der Torschütze das Kunststück fertig, das Kopfballduell gegen den elf Zentimeter längeren Marouane Fellaini zu gewinnen.

Belgiens Trainer Roberto Martínez brachte in Dries Mertens vom SSC Neapel einen weiteren Angreifer, De Bruyne rückte dafür auf die Sechs. Ebene jener Mertens leitete dann auch Belgiens erste große Chance nach der Pause mit einer Flanke ein. Fellaini machte seinen Fehler beinahe gut, verfehlte aber per Kopf das französische Tor knapp (65.). Die letzte Chance zum Ausgleich besaß Axel Witsel (81.), der Rest war französischer Jubel.

Kroatien oder England im Finale

Gegner am Sonntag (17 Uhr) in Moskau ist entweder Kroatien oder England, beide ermitteln am Mittwoch (21 Uhr) den zweiten Finalisten. Deschamps könnte in die Fußstapfen von Franz Beckenbauer und dem Brasilianer Mario Zagallo treten und als erst Dritter neben den beiden Legenden als Trainer und Spieler Weltmeister werden. Während die Franzosen nach dem Titel 1998 und der Finalniederlage gegen Italien in Berlin 2006 ihren dritten Anlauf auf den Goldpokal nehmen, bleibt Belgiens goldene Generation vorerst ungekrönt. De Bruyne, Hazard & Co. ereilte das Schicksal ihrer Vorbilder. Jean-Marie Pfaff und seine Mitstreiter hatten 1986 das WM-Halbfinale mit 0:2 gegen Argentinien verloren.

(sid)